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Myanmar: Burmesische Armee unterdrückt Chin-Christen

Eine der zahlreichen Strassensperren des Militärs, mit denen die Minoritäten kontrolliert werden.

Burmesische Soldaten greifen systematisch zu Zwangsarbeit, Folter und Vergewaltigung, um die christliche Mehrheit des Chin-Teilstaates in Westburma zu verfolgen, wie ein Bericht zeigt.

dic./April 2011 – Unter dem Titel “Leben unter der Junta: Beweise für Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Burmas Chin-Teilstaat” dokumentiert der Bericht von Physicians for Human Rights” (PHR, d.h. Ärzte für Menschenrechte) „ausserordentlich hohe Grade von Staatsgewalt“ gegen die ethnische Chin-Bevölkerung in Burma/Myanmar.


Als Folge des Wirkens von amerikanischen Missionaren im vorigen Jahrhundert sind die Chin zu schätzungsweise 90% Christen. Die Studie zeigt auf. dass es daher schwierig sei, religiös motivierte Übergriffe von ethnischen und anderen Menschenrechtsverletzungen zu unterscheiden. Die Verfolgung von Christen ist gemäss dem Bericht Teil einer breiteren Kampagne der burmesischen Junta, die darauf abzielt, eine uniforme Gesellschaft zu schaffen, in der die einzige zugelassene Religion der Buddhismus ist. So steht es in einem Regierungsmemorandum von 2007, das im Karen-Teilstaat zirkulierte und Instruktionen enthielt, wie man Christen aus dem Staat vertreiben solle.


Zu den brutalsten Übergriffen gehörten Zwangsrekrutierung, Entführung und Ermordung von Kindern unter 15 und Vergewaltigung. Burmesische Soldaten waren in 94,2% der von der Studie erfassten Fälle für alle spezifisch die Ethnie und die Religion betreffenden Vorfälle verantwortlich. Dadurch werden die Behauptungen von Menschenrechtsorganisationen wie Christian Solidarity Worldwide erhärtet, dass die Militärregierung systematisch am Werk ist, Burma von ethnischen und religiösen Minderheiten zu „säubern“. Gefragt, warum die burmesische Armee das tue, antworteten 15% der Befragten: „Weil wir Christen sind“. 23% antworteten: „Um uns zu verfolgen“ und weitere 23% sagten: „Weil wir Chin sind.“
Der Bericht stützt Beweise, die den Vereinten Nationen für den Ausschuss ‘Burma’s Universal Periodic Review’ vorgelegt wurden, der in Genf vom 24. Januar bis
4. Februar 2011 tagte. Er macht die herrschende Militärjunta für die weit verbreitete Misshandlung ihrer Bürger verantwortlich.

Verbrechen gegen die Menschlichkeit
PHR und fünf Partnerorganisationen, darunter die Chin Human Rights Organization (CHRO), benutzten wissenschaftliche Methoden für ihre Umfrage in den ersten Monaten von 2010. Sie hatten dafür 23 lokale Helfer ausgebildet, die ein im Zufallsprinzip ausgewähltes Total von 6321 Haushalten in allen neun Städten im Chin-Teilstaat befragten. Die PHR kennzeichnete die Haushalte nur mit Nummern, um ihre Identität zu schützen.
Die Befragten berichteten von total 2’951 Ereignissen in den vorangegangenen 12 Monaten, von denen 95% durch die Tatmadaw, örtliche Regierungsbeamte, burmesische Polizisten oder Grenzsicherheitskräfte verübt wurden.

Die Landwirtschaft wird mit einfachsten Mitteln betrieben.

 

Der Bericht macht eine klare Unterscheidung zwischen international anerkannten „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ und allgemeinen Menschenrechtsverletzungen. Von den Verbrechen gegen die Menschlichkeit waren die häufigsten Zwangsarbeit (91% der erfassten Fälle), gefolgt von ethnisch-religiöser Verfolgung (14%). Hinter diesen Verbrechen kamen willkürliche Verhaftung und Lager- und Gefängnishaft (5,9%), Entführungen (4,8%), Folter (3,8%), Vergewaltigung oder andere sexuelle Vergehen (2,8%) und Mord (1%).


Was weniger schwere Menschenrechtsverletzungen betrifft, so berichteten 52,5% der Haushalte, dass ihnen Vieh getötet wurde, 50,6% wurden gezwungen, Lebensmittel herauszugeben, 42,8% wurden gezwungen, Geld zu geben, bei 12,8% wurden die Häuser angegriffen oder zerstört. In 11,2% der Haushalte wurden Familienmitglieder geschlagen und 9,1% hatten Familienmitglieder, die durch Schüsse, Explosionen oder andere Waffen verletzt worden waren.


Ein älterer Grossvater, der im März 2010 mit PHR sprach, sagte, er fühle sich deprimiert und hilflos nach einem Jahr, in dem die Tatmadaw ein 18-jähriges Familienmitglied umgebracht hatten und andere in der Familie zum Strassenbau, Nachschubtransport und Waffentransport gezwungen hatten. Sie drohten ihnen mit dem Tod, falls sie sich weigerten. 17% der Folteropfer und 29% der Vergewaltigungsopfer waren unter 15 Jahre alt. „Wir wagen es nicht, uns den Tatmadaw zu widersetzen, denn selbst Mütter mit kleinen Kindern werden verprügelt“, sagte ein Befragter.


„Es ist mit dem Gewissen nicht zu vereinbaren, dass so schlimmes Leiden wie das des Chin-Volkes unter Burmas Diktatur schweigend weiter geduldet werden darf“, schreiben Persönlichkeiten wie Richard Goldstone (ehemaliger UN-Ankläger) oder Bischof Desmond Tutu.
Sie forderten auch Burmas direkte Nachbarn und Handelspartner auf, die Gelegenheit von ‚Burmas allgemeiner periodischen Überprüfung› durch die UNO dazu zu benutzen, über die im Chin-Teilstaat und anderweitig in Burma verübten Gewalttaten zu sprechen und auf eine alternative ‚Roadmap’ zur Demokratie für das burmesische Volk hinzuarbeiten.