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Madagaskar: Wo das Lächeln der Kinder zurückkehrt

Juli 2016 - Eltern geben ihre Kinder im Zentrum AVOTRA ab. Für immer. Sie sehen keine Möglichkeit, wie ihre Kinder sonst überleben würden. Eine Tatsache, die öfters vorkommt. Bako ist lokale Projektleiterin der HMK und gewährt einen Einblick.

Bako aus Madagaskar erzählt…

Ich heisse Bako und wohne in Madagaskar. Ich bin Mitglied der Organisation AVOTRA. Das ist eine Organisation, die sich um Personen in Not kümmert. Im Moment beherbergen wir rund 150 Kinder und 100 Erwachsene. 80% der Erwachsenen sind notleidende Familien, die Hilfe suchen.

Die HMK im Gespräch mit der Ärztin und Leiterin des Zentrums AVOTRA

Bako, Kinder in Not finden in Ihrem Zentrum Zuflucht. Madagaskar ist weltweit eines der ärmsten Länder. Da geht Ihnen die Arbeit sicherlich nicht aus…
Eine fünfköpfige Familie in Madagaskar kann sich glücklich schätzen, wenn sie sich einmal am Tag eine anständige Mahlzeit leisten kann. Zurzeit erhalten in unserem Zentrum 250 Menschen Zuflucht, 150 von ihnen sind Kinder. Sie erhalten Essen, Kleidung, Schulbildung und ein Dach über dem Kopf. Wenn sie krank sind, versorgen wir sie medizinisch. Wenn sie Gebet wünschen, beten wir für sie. Ja, es gibt mehr als genug zu tun.

Wer genau findet Zuflucht bei Ihnen?
Waisenkinder werden bei uns „abgegeben“ oder Kinder, die zwar noch Eltern haben, die aber wegen der grassierenden Armut oder Drogenabhängigkeit nicht mehr in der Lage sind, sich um ihre Kinder zu kümmern. Einige Eltern sind schlicht überfordert, wenn ihre Kinder krank sind und übergeben sie in unsere Obhut. 80 unserer 100 erwachsenen Mitarbeitenden kamen selbst einmal als hilflose Kinder zu uns. Sie erhielten bei uns ein Zuhause und heute engagieren sie sich in unserem Zentrum, bauen am Reich Gottes mit. Sei dies in der Küche, bei unserem medizinischen Engagement oder als Handwerker. Das ist die Barmherzigkeit unseres Herrn.

Das Zentrum ist christlich geführt. Wie merkt man das?
Unsere Motivation ist die Liebe für unsere Mitmenschen, so wie Jesus sie uns vorlebte. Und diese Liebe teilen wir in ständiger Abhängigkeit von unserem allmächtigen Gott. Mit unseren bescheidenen Möglichkeiten sind wir täglich auf Gottes Wunder angewiesen, und die erleben wir seit der Gründung des Zentrums vor 37 Jahren immer wieder. Dass wir regelmässig 250 Personen mit allem Nötigen versorgen können, ist ein grosses Wunder. Wir sind auf Seine Gunst angewiesen, und das treibt uns immer wieder ins Gebet. Er ist unser Versorger, und unser Engagement wäre ohne Seine Güte undenkbar.

1979 starteten Sie AVOTRA. Wie kam es dazu?
Damals kontaktierte uns die sozialistische Regierung, weil sie wusste, dass wir Christen sind. Der Innenminister, der bekannt war für sein marxistisch-leninistisches Gedankengut, sagte: „Habt ihr Christen nicht eine Verantwortung gegenüber den Strassenkindern wahrzunehmen?“ Eine sehr gute und entscheidende Frage! Sie war der Auslöser für unser Engagement, das bis heute andauert.

Wo engagieren Sie sich persönlich bei AVOTRA?
Als Ärztin stelle ich die gesamte medizinische Versorgung sicher und kümmere mich auch um die Sozialarbeit. Ich schaue, dass die nötigen Medikamente an Lager sind und dass wir Krankheiten vorbeugen bzw. entsprechend behandeln können. Fünf Ärzte und zwei Zahnärzte unterstützen mich sporadisch. Weiter bin ich dafür zuständig, dass die 250 Personen bei uns genügend Kleidung haben. Hosen werden viele gebraucht, gerade für die Kinder. Kürzlich organisierte ich viel Stoff und zwei Praktikantinnen aus Frankreich nähten Hosen für die Kinder. Und ja, auch die Nahrungsmittel fallen in meinen Verantwortungsbereich.

Was motiviert Sie bei Ihrer Arbeit besonders?
Mit Gottes Hilfe verlorengeglaubten Kindern wieder eine Lebensperspektive zu geben. Da kommt mir ein damals 7-monatiges Baby in den Sinn, das bei uns völlig unterernährt abgegeben wurde. Es wog noch 1,7 Kilogramm. Die Mutter war bei seiner Geburt gestorben. Ich dachte: „Wenn dieses Baby überlebt, dann nur, weil Gott will, dass es lebt.“ Wir versuchten, das Baby aufzupäppeln und beteten inständig. Aber auch nach zehn Tagen hatte es nicht an Gewicht zugenommen. Wir brachten es ins Spital, und dort wurde Tuberkulose diagnostiziert. Die Ärzte versuchten ihr Möglichstes, gaben uns das Baby zurück und sagten, dass wir uns keine Hoffnungen machen sollen. Heute ist das Baby ein 20-jähriger, grosser, starker Mann und lebt in Frankreich. Eine Familie hatte ihn später adoptiert und es geht ihm gut. Wir sind einfach dankbar.

Sie können aber ja nicht allen helfen…
Wir sind überzeugt, dass Gott für alle, die dringend Hilfe brauchen und bei uns anklopfen, einen Platz hat. In den letzten 37 Jahren haben wir das immer wieder erleben dürfen. Die Herausforderung dabei ist, dass wir stets mit Ihm in Verbindung stehen, nach Seinem Willen fragen, auf Seine Stimme hören. Eines Tages zum Beispiel haben wir trotz Platz- und Geldmangel fünf Waisengeschwister aufgenommen. Wir konnten sie stets mit dem Lebensnotwendigsten versorgen. Mein Fazit: Wenn wir auf Gott vertrauen und uns Ihm ganz hingeben, wird Er uns Seinen Segen inmitten unseres Dienstes erfahren lassen.

Bako leitet in ihrer Heimat Madagaskar gemeinsam mit ihrem Mann das Zentrum AVOTRA. Foto: © HMK

Unterstützen Sie das Zentrum AVOTRA

Als HMK arbeiten wir in Madagaskar mit dem Zentrum AVOTRA zusammen, das Schutz für Waisenkinder und Familien in Not bietet. Zum Zentrum gehören eine Schule mit Kinderheim, ein Ambulatorium (Zahnarzt- und Arztpraxis, Apotheke) sowie eine Radioarbeit. Zurzeit erhalten dadurch rund 250 Personen ein Zuhause. Als im Januar 2015 ein Tropensturm mit gewaltiger Kraft über Madagaskar hinwegfegte und die ganze Reisernte für das Zentrum AVOTRA vernichtete, leisteten wir Nothilfe und halfen, die Nahrungsmittelversorgung für das Zentrum sicherzustellen.

Wollen Sie die Kinder im Zentrum AVOTRA finanziell unterstützen und ihnen damit eine bessere Zukunft ermöglichen? Bereits mit 50 Franken (45 Euro) im Monat können Sie die Unterhaltskosten für ein Kind vollständig decken.

Kinder, die dank dem Zentrum AVOTRA unbeschwerte Momente erleben und eine Zukunftsperspektive haben. Foto: © HMK