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Madagaskar: Perspektive trotz unsicheren Zeiten

Waisenkinder wie Gorette finden Geborgenheit und neue Hoffnung im Zentrum AVOTRA.

Das Land im Indischen Ozean ist die viertgrösste Insel der Welt und wird oft als der achte Kontinent bezeichnet. Die Gegensätze sind enorm: Traumhafte Landschaften, eine grosse Artenvielfalt und reiche Bodenschätze einerseits, grosse Armut, schlechte Infrastruktur und politische Instabilität andererseits. Seit mehreren Jahren betreiben unsere einheimischen Partner ein Kinderheim und einen christlichen Radiosender.

 

hmk./April 2013 – Die Strassen der Hauptstadt Antananarivo sind menschenleer und dunkel. Nur vereinzelte Gruppen von jungen Männern mit Kapuzenjacken – die Kapuze tief übers Gesicht gezogen –  säumen die Strasse, die wir spätabends passieren. Es wirkt geisterhaft. Ein starker Kontrast zum Bild, das sich uns am nächsten Morgen offenbart: Bei Tageslicht scheinen alle und alles auf den Gassen zu sein: Busse, Händler, Verkäufer und Schulkinder. Wir kommen im Verkehrschaos nur mühsam voran und gelangen schliesslich über eine steile Holperpiste zum Eingang des Zentrums AVOTRA.

 

Kinderheim AVOTRA

Wir werden gerade Zeuge, wie eine Mutter ihr Kind, das sie auf dem Rücken trägt, dem Zentrum AVOTRA übergeben will. Der Vater hat die Familie verlassen. Das Kind, es ist bereits ihr viertes, ist krank und stark unterernährt. Es ist die Not und gleichzeitgig auch die Liebe zu ihrem Kind, die die Mutter dazu bewegen, ihr Baby abzugeben. Sie weiss, dass sie es weder ernähren noch medizinisch versorgen kann. Zusammen mit den Behörden und einer seelsorgerlichen Betreuerin wird nach einer Lösung gesucht.
„Die meisten der insgesamt 150 Kinder im Heim sind Vollwaisen. Einige lebten zuvor unter elenden Bedingungen auf der Strasse. Wenn sie bei uns ankommen, müssen wir sie meist medizinisch behandeln und mit Zusatznahrung aufbauen. Es kommt aber auch vor, dass unsere Hilfe zu spät kommt oder unsere medizinischen Möglichkeiten einfach nicht ausreichen”, sagt uns die Ärztin Bako, die zusammen mit ihrem Mann das Zentrum AVOTRA leitet.


Im Kinderheim begegnen wir der elfjährigen Gorette. Sie kam vor einem Jahr mit ihren drei jüngeren Geschwistern ins Heim. Innerhalb kurzer Zeit waren beide Elternteile gestorben. Sie lebten danach bei der Grossmutter, bis dies nicht mehr ging. Die Kinder konnten nicht mehr zur Schule gehen und litten grossen Hunger. Heute wirkt Gorette gelassen, trotz der Trauer um ihre Eltern. Und sie vermisst ihre Grossmutter. „Aber ich durfte hier Jesus kennen lernen und kann wieder zur Schule gehen. Ich lerne gerne aus der Bibel und möchte, wenn ich gross bin, anderen davon erzählen”, sagt uns Gorette.

 

 

Ein Gottesdienst in der wiederaufgebauten Kirche.

 

 

Radiosender AVOTRA
Das Interesse am christlichen Radiosender ist sowohl bei Christen als auch bei Andersgläubigen gross. Die Nachfrage nach Solarradios, die sich für den Empfang des Senders in abgelegenen Dörfern eignen, ist enorm. Oft versammeln sich bis zu 20 Personen um ein Gerät und hören gemeinsam die Familiensendungen, Erfahrungsberichte, Hilfestellungen für den Alltag sowie Musik. Speziell die Frauensendungen und Predigten sind sehr begehrt, wie folgende Aussage zeigt: „Die Radiopredigt inspiriert mich immer wieder, um den Menschen meiner Gemeinde Gottes Wort zu vermitteln. Fällt die Radiopredigt einmal aus, merke ich, wie sehr sie mir fehlt.” Es ist ermutigend zu beobachten, dass seit Beginn der Radiosendungen vor gut zehn Jahren viele christliche Gemeinden gewachsen sind.


Bei einem Besuch in einem Dorf erzählen uns die Ältesten: „Viele Kranke werden dank dem Radio ermutigt. Die Sendungen sind für alle ein Gewinn, egal welchen Glauben sie haben. Besonders die Sendungen über Ehepaare schätzen wir, weil Frauen darin mit Respekt behandelt werden. Das ist sehr wichtig für unsere Gesellschaft, wo Frauen oft als minderwertig angesehen werden.” Besonders beeindruckend war die Geschichte einer Frau im Osten von Madagaskar, die durch den Radiosender einen solchen Hunger nach dem Wort Gottes erhielt, dass sie zwei Tage mit dem Kanu paddelte, um sich eine Bibel zu kaufen. Diese bezahlte sie mit einem Huhn, das sie mitgebracht hatte.

 

Land der Gegensätze

Eigentlich hätte Madagaskar alle Voraussetzungen für einen guten Lebensstandard seiner Bürgerinnen und Bürger. Es besitzt reiche Bodenschätze wie etwa Titan, Nickel und Erz. Traumhafte Landschaften und die grosse Artenvielfalt lassen viele Touristenherzen höher schlagen. Doch leider ist die Natur Madagaskars von Brandrodungen bedroht. Und die seit Jahren vernachlässigte Infrastruktur führt zu immer gravierenderen logistischen Problemen im Alltag. Zudem hat sich die politisch instabile Situation seit dem abrupten Machtwechsel im Jahr 2009 negativ auf die wirtschaftliche Entwicklung und den Tourismus ausgewirkt. Es bleibt zu hoffen, dass die voraussichtlich im Mai 2013 stattfindenden Präsidentschaftswahlen diejenigen Verbesserungen bringen, die sich so manche Madagassin und mancher Madagasse sehnlichst wünscht.

 

HMK baut Kirche auf

Obwohl Madagassen als ein tolerantes Volk gelten, gibt es hin und wieder Übergriffe auf religiöse Institutionen. Eines Nachts wurde ein Brandanschlag auf eine Kirche verübt. Der schlafende Pastor im Haus nebenan konnte in letzter Minute in seinem Nachthemd gerettet werden. Die Kirche und das Haus des Pastors mit all seinem Hab und Gut wurde ein Raub der Flammen.
Die HMK hat daraufhin den Wiederaufbau der Kirche finanziert. Heute feiern fast doppelt so viele Personen wie vor dem Brand Gottsdienste darin. Der nach dem Brand traumatisierte und entmutigte Pastor nimmt heute nach einer Erholungszeit seine Aufgabe in der wachsenden Gemeinde wieder mit viel Freude und Entschlossenheit wahr. Die Gemeinde in Madagaskar ist den HMK-Freunden in der Schweiz von Herzen dankbar.


Als HMK unterstützen wir das Zentrum AVOTRA, das von unseren lokalen Partnern Richard und Bako geleitet wird. Wenn Sie unsere Arbeit in Madagaskar finanziell unterstützen wollen, können Sie das mit Ihrer Spende tun und uns eine Mitteilung mit dem Vermerk „Madagaskar" zukommen lassen.

 

Unterstützen Sie

Wollen Sie die Kinder im Kinderheim AVOTRA finanziell unterstützen und ihnen damit eine bessere Zukunft ermöglichen? Bereits mit 50 Franken (40 Euro) im Monat können Sie die Unterhaltskosten für ein Kind vollständig decken.

Wenn Ihnen die christlichen Radiosendungen ein Anliegen sind, können Sie den Radiosender AVOTRA mit Ihrer Spende finanziell unterstützen.