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Madagaskar: Nachgeholte Schule = Hoffnung für die Zukunft

hmk. Carlosse war wie die meisten Kinder ganz aufgeregt, als er nach einer langen Unterbrechung wieder in die Schule durfte. Er freute sich wirklich darauf, wieder lernen zu können. Er ist vor kurzem 16 geworden und konnte lange nicht in die Schule gehen. Genau gesagt hatte er nur die ersten beiden Schuljahre absolviert, bevor die Mutter ihn von der Schule nehmen musste, weil sie es sich nicht mehr leisten konnte. Er wollte nun unbedingt anfangen, Lesen und Schreiben zu lernen und viele andere Dinge, die er verpasst hatte.

 

April 2021 - Eine Insel voller Kontraste
Als eine der grössten Inseln auf der Welt hat Madagaskar viel zu bieten. Man hält es für ausserordentlich reich an Bodenschätzen und glaubt, es habe der Welt grösste Ressourcen an Mineralien wie Gold und Edelsteinen, aber auch an Graphit, Titan, usw. Madagaskar ist auch der Welt grösste Produzent von einem der teuersten Gewürze – der natürlichen Vanille. Aber vor allem ist Madagaskar die Heimat einer Unmenge von Pflanzen und Tieren, die man sonst nirgendwo auf der Welt findet. Diese grosse Fülle steht aber in einem starken Kontrast zu den humanitären und wirtschaftlichen Problemen, denen sich die 28 Millionen Bewohner der Insel gegenüber sehen. Im Schnitt erlebt das Land im Jahr drei Naturkatastrophen wie Wirbelstürme, Dürren, Überschwemmungen und Heuschreckenplagen. Die humanitären Nöte werden noch durch die chronische Armut verschärft – etwa neun von zehn Menschen auf Madagaskar leben von weniger als 2 Dollar am Tag und eines von zwei Kindern leidet unter Wachstumsstörungen aufgrund chronischer Unterernährung.

Der Kampf ums Überleben drängt Bildung in den Hintergrund
In einem Land, wo Familien um das nackte Überleben kämpfen, rückt die Schule in den Hintergrund und schon fünfjährige Kinder müssen arbeiten, um zum Familieneinkommen beizutragen oder sogar die Ernährer der Familie zu werden. Weil sie in dieser Spirale gefangen sind, hat über die Hälfte von Madagaskars arbeitender Bevölkerung keine Schulbildung und ist zu unterbezahlter Arbeit, mit wenig Hoffnung auf ein Fortkommen, verurteilt. Zusätzlich zu diesen wirtschaftlichen Problemen gibt es aber auch noch wenig Bildungsmöglichkeiten. Es fehlt in Madagaskar an Klassenzimmern und ausgebildeten Lehrern. Schätzungsweise 80% der Lehrer sind nicht richtig ausgebildet.

Fälschlich angeklagt

Für junge Menschen wie Carlosse lässt sein Mangel an Schulbildung nicht nur die Zukunft düster erscheinen, sondern er hat auch in der Gegenwart schlimme Folgen. Ohne Arbeit, vertrieb er sich die Zeit auf der Strasse. Als voriges Jahr in eines der Häuser eingebrochen wurde, beschuldigte der Eigentümer Carlosse, der Täter zu sein, weil er ihn auf den Strassen in der Gegend gesehen hatte. Der einzige Grund weswegen Carlosse nicht im Gefängnis landete war,  dass er noch nicht 18 war, und so liess ihn der Richter mit einer Verwarnung gehen.  Er sagte ihm aber, das nächste Mal werde er sofort ins Gefängnis gebracht werden.

Eine zweite Chance
Unsere lokalen Partner im Süden von Madagaskar begannen nun mit einem Projekt, das klein anfängt, aber grosse Wirkung haben soll. Sie gründeten eine Christliche Schule, um Kindern die Möglichkeit zu geben, ihre Schulbildung nachzuholen. Sie fingen mit 11 Schülern zwischen 9 und 16 Jahren in der 1. Klasse an. Mit einem auf sie angepassten Lehrplan hoffen sie, dass die Schüler rasche Fortschritte machen und den Stoff von vier Jahren in ca. einem Jahr lernen, so dass sie die staatliche Prüfung für das 5. Schuljahr schaffen. So weit zu sehen ist, machen die Schüler grosse Fortschritte. Sie hatten auch Carlosse eingeladen, mitzumachen. Er war Feuer und Flamme und hat von Anfang an sein Bestes gegeben. Er hat nicht nur Malagasy Lesen und Schreiben gelernt, sondern durch die Schule wurde auch sein Charakter positiv verändert. Vorher war er manchmal streitsüchtig und bekam oft Ärger, aber nun besserten sich seine Haltung und sein Verhalten. Carlosse ist weiterhin sehr fleissig in der Schule und spürt eine ganz neue Hoffnung in sich, dass sich neue Möglichkeiten für ihn auftun können.

Ganzheitliche Fürsorge
Wir möchten nicht nur Kindern eine Gelegenheit geben, ihre Schulbildung nachzuholen, sondern auch ihre Familien unterstützen. Durch Hausbesuche bemerken unsere Partner praktische Nöte und versuchen gemeinsam, eine Lösung zu finden. Bei einem Hausbesuch wurde offensichtlich, dass sie Elektrizität benötigten. Der Kauf eines kleinen Solarpanels ermöglichte es, dass einige Lampen im Haus betrieben werden können, zur grossen Freude der Kinder. Bei einem anderen Hausbesuch erzählten die Eltern, dass sie als Kinder viel Traumatisches erlebt hätten und ihren Kindern keine emotionale Nähe bieten könnten. Durch Beratung und Gebet begannen die Eltern einen Weg zur Heilung und Wiederherstellung. Es wird zwar noch Zeit brauchen, aber sie haben schon Fortschritte gemacht und wachsen als Familie enger zusammen, weil sie sich jetzt umeinander kümmern und sich gegenseitig stützen.

Kindern eine Schulbildung ermöglichen

Möchten Sie dazu beitragen, das mehr Kinder eine Chance bekommen, um zur Schule zu gehen?  

Mit 85 Franken (76 Euro) leisten Sie einen Beitrag für den Lohn eines Lehrers.

Mit 50 Franken (45 Euro) helfen Sie, dringend benötigtes Schulmaterial (Bücher und Hefte etc.) zu kaufen.