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Kuba: Kirche im Aufbruch

Januar 2016 - Der karibische Inselstaat Kuba zählt doppelt so viele bekennende Christen wie fast alle Länder in Westeuropa, und die Kirche wächst weiter. Idea im Gespräch mit dem Kuba-Projektleiter der HMK.


Was sind die geschichtlichen Hintergründe des gegenwärtigen Aufbruchs in Kuba?
In den 1960er-Jahren wurden nach der Machtergreifung durch Fidel Castro († 25. November 2016) alle Missionare heimgeschickt und die Kirchen geschlossen; Bibelschulen wurden enteignet. Weil alle Pastoren im Gefängnis waren, verbrachten die kubanischen Gemeinden ein Jahrzehnt ohne Leiter. In den 1980er und 1990er-Jahren folgte ein geistlicher Aufbruch mit vielen Bekehrungen, Zeichen und Wundern. In diese Zeit fällt auch der erste Papstbesuch – die Katholiken durften sich dazu öffentlich im Stadion versammeln.

Wie erging es den Evangelischen?
Ihnen wurde nach dem Papstbesuch erlaubt, sich in Häusern zu treffen, aber die Gottesdienste durften nicht mehr als 15 Teilnehmende zählen. Diese Anordnung seitens der Regierung führte zu einer starken Multiplikation von kleinen Hausgemeinden. Das künstliche Kleinhalten der Gemeinden wurde zum kraftvollen Motor für Gemeindegründung. Ein Beispiel: Ein Pastor hat eine Gemeinde, und zwei bis drei Mitglieder kommen aus einem entfernteren Dorf. Der Pastor ermutigt sie, sich dort selbst zu treffen, und schickt ihnen einen Gemeindegründer. Der betreut sie und ist in ihrem Umfeld ein Zeugnis der Liebe Jesu. Die kleine Gruppe versucht, ein Haus für ihn zu finden, in dem sie sich dann versammelt. Der neue „Pastor“ wird nicht von der Denomination bezahlt, sondern die neue Gemeinde finanziert ihn selber.

Dann sind die meisten Gemeinden in Kuba klein?
In Kuba gibt es über 40 anerkannte Denominationen, und die meisten von ihnen haben dieses Haus-Modell angenommen. Sobald eine neue Hauskirche mindestens 15 Mitglieder hat, welche ihren Zehnten regelmässig zahlen, kann sie durch die Denomination offiziell zur eigenständigen Gemeinde erklärt werden. Doch bei 15 Mitgliedern bedeutet das insgesamt vielleicht 30 oder mehr Gottesdienstbesucher in einer Stube. Der Gemeindegründer schaut dann wieder, woher die am weitesten entfernten Gemeindemitglieder kommen, und startet an diesem Ort wieder eine neue Gruppe

Die Zahl der evangelischen Christen auf Kuba wächst: Offiziell sind es bereits über eine Million Menschen (10 Prozent der Bevölkerung).


Hat die Freiheit im Land wirklich zugenommen?
Man kann heute leichter nach Kuba reisen. Alleine in Florida gibt es drei Millionen Exil-Kubaner – wenn es eine zu schnelle Öffnung gibt, werden sie kommen und mit ihrem Geld das neue Kuba aufbauen; die Folge: die bisherigen Bewohner werden zu Angestellten. Darum wünschen sich viele Kubaner keine allzu schnelle Öffnung; das würde zu einer Zweiklassengesellschaft führen. Im April 2015 traf sich US-Präsident Obama mit Raul Castro. Obama versprach, Kuba von der Terrorliste zu nehmen, worauf Kuba versprach, Oppositionelle freizulassen. Kuba hat das gemacht, um nur zwei Wochen später die nächsten 150 Oppositionellen zu inhaftierten – davon hörte man in der Weltpresse nicht mehr viel. Weil Kuba nicht mehr auf der Liste der Länder mit Menschenrechtsverletzungen ist, fühlt es sich jetzt viel sicherer.

Wie reagiert die Regierung auf die Zunahme der Christen?
In vielen Provinzen sind lokale Gouverneure seit 2015 hart gegen Christen vorgegangen. Es stört die Regierung, dass die Zahl der Christen wächst und sie an Einfluss gewinnen. Vor kurzem bezifferten die Behörden den Anteil an Evangelischen an der Bevölkerung bereits mit 10 Prozent. Weil Kuba aber unter der Beobachtung der Weltöffentlichkeit steht, gibt es weniger offene Verfolgung, dafür aber konstruierte Fallen, um Christen unter Druck zu setzen. Ihr neuester Versuch: Die meisten Pastoren leben in halblegalen Gebäuden; die Behörden kommen und bieten an, das Gebäude zu übernehmen und es den Pastoren für zehn Jahre zu vermieten.

Viele Pastoren sind froh darüber, merken aber nicht, dass es eine Falle ist. Denn es gibt einen Gesetzesartikel, der verbietet, dass in staatlichen Gebäuden Christen zusammenkommen dürfen. Die Behörden wissen das, aber die Pastoren nicht. Dazu kommt, dass das oft Gebäude sind, die sich die Kirche mühsam zusammengespart hat – wir erleben hier also eine hinterlistige Form der Enteignung.

Autor: Reinhold Scharnowski,
livenet/ideaSpektrum Nr. 8/2016

Cuba para Christo – Kuba für Christus!

Seit rund 20 Jahren stärken wir als HMK die kubanischen Christen in ihrer Heimat:

  • 500 kubanische Missionare samt ihren Familien können durch unser Zutun ihren vollzeitlichen Dienst wahrnehmen. Sie erhalten je nach Bedarf auch Velos, Bibeln, Kleidung und Gitarren.
  • Brauchen die Gemeinden ein neues Gemeindehaus („Casa Culto“) oder muss es renoviert werden, bieten wir ihnen Unterstützung an. Wir stehen ihnen auch mittels Rechtshilfe zur Seite, wodurch Schliessungen von Hauskirchen verhindert werden können.
  • Dank der von uns mitgetragenen Gehörlosenarbeit haben bisher über 700 Gehörlose, die am Rande der Gesellschaft lebten, die Gebärdensprache erlernen und von Jesus Christus erfahren können. Sie haben heute neue Hoffnung und ein Leben in Würde.

Mit monatlich 50 Franken (45 Euro) decken Sie einen wesentlichen Teil der Dienstkosten einer kubanischen Missionarsfamilie ab. Bauen Sie die Gemeinde auf Kuba mit?

Der grösste Karibikstaat erlebt seit mehreren Jahren einen geistlichen Aufbruch. Inwiefern die derzeitige wirtschaftliche Öffnung und nun der Tod von Fidel Castro die Situation der Bevölkerung und der einheimischen Gemeinden beeinflussen wird, ist ungewiss.

Religionsfreiheit in Kuba?

„Wir ergreifen Massnahmen… die Behörden werden nicht ruhen… um gegen jegliche ,Illegalität‘ dieser Gruppen (Christen) vorzugehen“, so die Vorsteherin für religiöse Angelegenheiten. Die kubanischen Behörden halten die Christen im Würgegriff. Obwohl Kuba in seiner Verfassung Religionsfreiheit garantiert, werden besonders christliche Leiter verfolgt. Als HMK unterstützen wir sie durch Rechtshilfe und stärken die einheimische christliche Gemeinde.