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Kuba: Die Munition versagte, und heute ist er ein Gemeindegründer

„Manchmal erlaubt Gott, dass wir scheitern, damit wir Ihn finden.“ Das sagt der kubanische Gemeindegründer Ramón (Name geändert) zu unserem Kuba-Projektleiter.

 

hmk. Seit bald 20 Jahren betreut der Kuba-Projektverantwortliche der HMK das Engagement auf der kommunistischen Karibikinsel. Zwecks Qualitätssicherung ist er regelmässig vor Ort und besucht einheimische Gemeindegründer, welche durch die HMK unterstützt werden. Sie leiten Hauskirchen mit zehn oder mehr Mitgliedern. Bei seinem letzten Besuch sprach unser Projektleiter ausführlich mit dem kubanischen Missionar Ramón (Foto). Früher war er Offizier der staatlichen Sicherheitskräfte. Dann verfiel er dem Alkohol und verlor deswegen seine Arbeit.


„Ich wollte mir eine Kugel in den Kopf jagen“

Ramón lief völlig verwahrlost und mit zerrissener Kleidung durch die Strassen. Seine langen Haare stanken, Schuhe hatte er schon lange keine mehr. Nach einer drei Tage dauernden Sauftour musste er Blut erbrechen. Erfolglos versuchte er, von seiner Sucht frei zu werden. „Meine Frau hielt es nicht mehr aus und verliess mich mit den vier Kindern. Ich wollte mein kaputtes Leben beenden und mir eine Kugel in den Kopf jagen“, so Ramón. Doch die Munition versagte. „Ich dachte, dass Gott mich wirklich hassen muss, dass Er mir nicht einmal erlaubt, mir das Leben zu nehmen.“ Völlig am Ende und von seiner Familie verspottet, setzte sich Ramón auf einen Baumstrunk und schrie zu Gott. Da fühlte er plötzlich, wie er von jemandem aufgerichtet wurde. Er erinnerte sich, dass seine Grossmutter ihm früher von Christus erzählt hatte. Ramón betete: „Jesus, Du bist die letzte Chance, die mir bleibt.“ Gott antwortete: „Ich helfe dir und du wirst mir dienen.“

Foto: ©HMK

Als Ehepaar für Gottes Reich unterwegs

Ramón besuchte die Hauskirche in der Nachbarschaft und wurde dort freundlich aufgenommen. Nach und nach veränderte sich sein Leben. Ein Hirnschlag aus der Zeit seiner Alkoholsucht lässt eine Gesichtshälfte leblos, Beweglichkeit und Gleichgewicht sind stark eingeschränkt, aber denken und sprechen kann er gut. „Ich bete für Kranke und oft heilt sie Gott; doch meine eigene gesundheitliche Einschränkung bleibt.“ Heute ist Ramón verheiratet und zusammen mit seiner Frau steht er vollzeitlich im Gemeindedienst. Er eignete sich theologische Grundlagen an, und das praktische Handwerk für den Gemeindebau lernte er vom Pastor der sendenden Mutterkirche

 

Ort zur Versammlung

Als HMK unterstützten wir vor einem Jahr den Kauf eines Hauses, das als Daheim für die Pastoren sowie zur Versammlung der Hauskirche dient, welche Ramón und seine Frau gründeten. Ende 2019 beschädigte ein Erdbeben der Stärke 7,9 das Haus. Die Wände haben seither bedrohliche Risse bis unters Dach (Foto). Eine Plastikblache über dem Bett schützt die Schlafenden vor herunterfallendem Schutt. Die Behörden helfen nicht beim Wiederaufbau. Als HMK helfen wir nun erneut. Diesmal damit das Haus vor dem Einsturz gerettet werden kann. Begeistert erklärt Ramón: „Wenn Jesus sagt: ‚Die Ernte ist gross, aber Arbeiter hat es wenige’, dann müssen wir uns vor allem in Arbeiter investieren!“ Die Strategie der kubanischen Gemeindeleiter ist es, die junge Generation nachzuziehen, ihnen das Feld zu überlassen und selber weiterzuziehen, so lange Kraft und Gesundheit es erlauben. Im Garten wachsen Kokospalmen und der Verkauf der Nüsse hilft der jungen Kirche finanziell, denn es ist wichtig, dass sich die neue Gemeinde finanziell selber über Wasser halten kann.

Foto: ©HMK

Die evangelische Kirche auf Kuba wächst, und damit auch der staatliche Druck. Das wegen der Coronakrise staatlich verordnete Versammlungsverbot wird gegenüber Christen und Kirchen besonders rigoros durchgesetzt. Die vor einem Jahr gegründete Evangelische Allianz kämpft mit starkem Gegenwind seitens der Behörden, obwohl sie mehr als 10 Prozent der Bevölkerung repräsentiert. Besonders die Gründer stehen unter Druck. So durften einige Leiter vorübergehend das Land nicht mehr verlassen. Zu Ostern keimte Hoffnung unter den evangelischen Christen, dass erstmals seit dem Kommunismus auf dem Staatsfernsehen eine Predigt von ihnen ausgestrahlt werden kann. Die Christen waren ausser sich vor Freude, aber letztendlich wurden sie enttäuscht. Wie gehabt wurden lediglich die Leiter der Ökumene berücksichtigt, mit einer wie üblich stark politisierten Verkündigung. Doch das vermag das Wachstum der Gemeinde Jesu nicht zu bremsen.

 

Zwei Jahre nach der Gründung kann sich eine Hauskirche finanziell selber über Wasser halten. Bis es soweit ist, überbrücken wir als HMK und unterstützen finanziell. Mit 25 Franken (21 Euro) pro Monat können Sie einen kubanischen Missionar durch seine Denomination für seinen Dienst freisetzen, damit er eine Gemeinde gründen kann. Als HMK ist es unser Ziel, 450 Missionare wie Ramón zu unterstützen. Helfen Sie uns dabei?

Foto: ©HMK