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Kambodscha: „Ich verbringe möglichst viel Zeit mit unseren Projektpartnern“

Seit fast 20 Jahren koordiniert George für die HMK die Hilfsprojekte in Südostasien. Kürzlich ist er aus Kambodscha zurückgekehrt.

George, was hat sich seit deiner ersten Projektreise nach Kambodscha im Land verändert?

Ich war 2002 zum ersten Mal im „Königreich der Wunder“. Oft könnte man eher sagen „Königreich des Verwunderns“. Seither war ich fast 20 Mal zu Projektbesuchen dort. Bei meinen ersten Reisen litten die Menschen noch sicht- und spürbar unter den Auswirkungen der Schreckensherrschaft der Roten Khmer und der darauf folgenden Bürgerkriege. Es gab fortwährend zahlreiche Opfer von Minenexplosionen. Eine Phase des wirtschaftlichen Aufschwungs und der politischen Öffnung folgte. Heute ist Kambodscha ein Einparteienstaat nach dem Vorbild seiner Nachbarn China, Vietnam und Laos. Die Regierung des Premiers – seit 1985 Hun Sen – ist fest im Sattel. Die politische Opposition ist kaltgestellt, unabhängige Medien existieren nicht mehr. Erlassene Gesetze schränken die Tätigkeiten von Menschenrechtsorganisationen und die Versammlungsfreiheit ein. Der politische und finanzielle Einfluss Chinas hat seit Jahren kontinuierlich zugenommen; es hat Milliarden im Land investiert. Kambodscha gehört aber immer noch zu den ärmsten der Welt und die grassierende Korruption durchdringt alle Gesellschaftsschichten.


Einer unserer Projektpartner leitet ein Zentrum für Slumkinder in Phnom Penh. Was sind dort die derzeitigen Herausforderungen?

Das Schuljahr 2018/2019 verlief erfolgreich. Wir danken dem Herrn für das Resultat bei den Klassenübertrittsprüfungen: Alle Kinder schafften den Übertritt in die nächste Klasse! Doch es erweist sich als zunehmende Herausforderung, den verschiedenen Klassen den benötigten Nachhilfeunterricht erteilen zu können. Grund dafür sind die unterschiedlichen Zeiten des Schulunterrichts. Wir kamen deshalb nach Gesprächen mit den Eltern zum Schluss, dass unsere Lehrkräfte den Nachhilfeunterricht direkt in der Schule erteilen und nicht wie bis anhin in unserem Zentrum.

 

 

 

Wie handhabst du die Projektmeetings?
Meine Aufgabe besteht darin, die lokalen Projektverantwortlichen bei ihrer Arbeit zu unterstützen. Ich höre ihnen vor allem zu und sensibilisiere sie für bestimmte Themen. Vor zwei Jahren haben wir darüber gesprochen, wie die Kinder in ihrer Obhut vor Übergriffen aller Art geschützt werden können. Nun erhielt ich ihre auf die lokalen Gegebenheiten abgestimmte Kinderschutzrichtlinie, welche sie inzwischen implementiert haben. Es ist mir wichtig, während meines Besuchs so viel Zeit wie möglich mit unseren Projektpartnern zu verbringen. Nebst Arbeitsmeetings gehören dazu auch gemeinsame Essen und lange Autofahrten, die sich eignen, um Beziehungen zu pflegen.

Welche Dinge vermeidest du?
In Südostasien gilt es zu vermeiden, dass Menschen ihr Gesicht verlieren. Zum Beispiel stelle ich nie jemanden bloss. Dies würde das langjährig entstandene Vertrauen in einem Moment zerstören.


In den 20 Jahren als Südostasien-Projektleiter hast du an vielen Schicksalen Anteil genommen und zahlreiche Begegnungen gehabt. Welche Ereignisse bleiben dir ganz besonders in Erinnerung?
Einsätze nach dem Tsunami vom Dezember 2004 in Indonesien und dem Wirbelsturm Nargis vom Mai 2008 in Myanmar liessen in mir unvergessliche Bilder von Zerstörung durch Naturgewalten und unsagbarem Elend zurück. Ungemein freue ich mich jedoch, wenn ich an junge Menschen wie Joy oder Sao (siehe Foto) denke. Diese wurden gerettet aus schwierigsten Familienbedingungen und grosser Armut – akut bedroht vom Menschenhandel. Ich durfte punktweise ihre Entwicklung während Jahren beobachten. Heute sind sie glückliche junge Frauen, haben den Schulabschluss geschafft, arbeiten in Bangkok im Nudelsuppenladen unserer Projektpartner in Thailand, machen ein Studium und sind überzeugte Christinnen.


Anfang 2021 wirst du in Pension gehen. Was liegt dir am Herzen, wenn du an die HMK denkst?
Mir ist es ein grosses Anliegen, dass die Bedürfnisse der mit uns verbundenen Menschen stets im Mittelpunkt stehen. Möglichst viele unserer Ressourcen sollen dazu verhelfen, sie bedürfnisgerecht zu unterstützen. Dabei sollen sie ihre Würde behalten und möglichst schnell unabhängig von uns werden. Die HMK soll ein Hilfswerk mit klar christlicher Ausrichtung bleiben! Zum Wohl aller Beteiligten und zur Ehre des Allmächtigen.

Kambodscha – Tragen Sie unser Engagement mit?

Zentrum für Slumkinder

Über 70 Kinder aus Elendsvierteln besuchen das Zentrum „Joy of Cambodia“ („Freude von Kambodscha“). Sie erhalten Nachhilfeunterricht, warme und vitaminreiche Mahlzeiten, medizinische Versorgung und Schulmaterial. Die Gesamtkosten für ein Kind pro Monat betragen rund 50 Franken (42 Euro).

 

Studentenwohnheim

Bis zu 40 Studierende aus minderbemittelten Familien ländlicher Gegenden finden im Heim während ihrer Studienzeit in der Hauptstadt Phnom Penh eine Unterkunft. Wir bieten saubere und zweckmässige Wohninfrastruktur, zum Studium geeignete Räumlichkeiten und persönliche Begleitung. Die Kosten pro Monat für eine Studentin oder einen Studenten belaufen sich auf rund 50 Franken (42 Euro).