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Kambodscha: Die Slumkinder von Phnom Penh

Charia mit ihrem Mann Thearith und den beiden Töchtern Rithia und Kanica. Foto: © Charia

HMK, April 2014. Charia und ihr Mann Thearith kümmern sich in ihrer Heimat Kambodscha um Kinder, die in den Slums aufwachsen. Dank dem von der HMK unterstützten Zentrum „Joy of Cambodia” („Freude von Kambodscha“) sind diese Kinder der Mülldeponie entkommen.

Charia, Sie helfen den Kindern in den Slums von Phnom Penh. Wie müssen wir uns die Situation dieser Kinder vorstellen?
Als ich im Jahr 2005 das erste Mal die Mülldeponie Namens Stung Mean Chey sah, stockte mir der Atem. Nicht wegen dem Gestank, den man schon von weitem roch oder wegen dem aufgetürmten Abfall, nein. Es waren die vielen kleinen Kinder darauf! Drei- und Vierjährige, die im Abfall spielten und auf ihre Eltern warteten, die auf der Mülldeponie nach wiederverwertbaren Gegenständen suchten. Gegenstände, von denen sie hofften, dass sie sie verkaufen können, um mit dem Erlös ein bisschen Reis für ihre Kinder zu kaufen, damit diese nicht hungrig ins Bett müssen. Da sah ich plötzlich etwas ältere Kinder, die vielleicht fünf, sechs oder sieben Jahre alt waren. Zerlumpt und barfuss suchten sie den Müllberg ab, der übersät war mit zersplitterten Glasflaschen, defekten Metallgeräten, alten Kühlschränken und Klimaanlagen sowie kaputten Batterien, bei denen Flüssigkeit auslief. Sie sammelten alles, was nur irgendwie danach aussah, als könnten sie es noch verkaufen. Und manchmal assen sie von den Essensresten am Boden, um ihre leeren, aufgeblähten Bäuche zu füllen.

Was dachten Sie in diesem Moment?
Mir ging durch den Kopf, dass diese Kinder sicherlich gerne ein richtiges Zuhause hätten mit einer Dusche und einem Bett. Sie würden es lieben, saubere Kleider zu tragen, ihre Haare zu kämmen und jeden Abend mit vollem Bauch ins Bett zu gehen. Und ich dachte mir, dass sie wohl auch gerne Lesen und Schreiben lernen würden. Als ich dann noch ihre armseligen Strohhütten umgeben von Schmutz und Schlamm sah, ohne fliessendes Wasser und ohne Elektrizität, völlig schutzlos dem starken Regen ausgesetzt, schrie ich innerlich auf und wollte diesen Kindern helfen.

Heute helfen Sie einigen dieser Kinder. Wie haben Sie damit begonnen?
Am erwähnten Tag ging ich nach Hause und erzählte meinem Mann und meinen Verwandten, was ich gesehen hatte. Wir begannen, für die Kinder in den Slums zu kochen und brachten ihnen warmes Essen. Wir verbrachten Zeit mit ihnen, sangen Lieder und erzählten ihnen von Jesus. Die Kinder waren begeistert von den Geschichten aus der Bibel und wollten mehr hören. Ich begann von einem Ort zu träumen, den die Kinder regelmässig besuchen können, während ihre Eltern auf dem Abfallberg „arbeiten“. Ein Ort, an dem sie Lesen und Schreiben lernen, jeden Tag eine nahrhafte Mahlzeit erhalten und Jesus kennenlernen. Ein Ort, an dem sie die Möglichkeit haben, zu spielen und sich zu erholen, damit sie am Abend gestärkt nach Hause können. Der Wunsch in mir wurde immer stärker, dass diese Kinder nicht ihre ganze Kindheit auf diesem schrecklichen Müllhaufen verbringen müssen. Ich und mein Mann Thearith fingen an, für einen solchen Ort zu beten.

Was bewirkten die Gebete?
Gott leitete uns Schritt für Schritt, ohne dass wir wussten, welcher jeweils der nächste sein würde. Wir lernten, Gott blind zu vertrauen. Mein Mann kündete im Jahr 2005 seine Arbeitsstelle und verbrachte viel Zeit in den Slums. Bald erhielten wir die erste regelmässige finanzielle Unterstützung und konnten ein Gebäude ganz in der Nähe der Mülldeponie mieten. Der Mieter reduzierte für uns sogar den Mietpreis! Und die Slumkinder erhielten von den Eltern die Erlaubnis, uns regelmässig zu besuchen.

Woher nahmen Sie diese Entschlossenheit?
Immer wieder hatte Thearith den folgenden Gedanken: „Mach es einfach. Was immer Gott dir sagt, tu es einfach.“ Und Gott bestätigte unser Vorhaben immer wieder. Zum Beispiel, als eines Tages in einem Restaurant eine wildfremde Frau ganz nervös auf meinen Mann zukam und sagte: „Ich habe Angst, mit Ihnen zu sprechen, weil ich Sie nicht kenne und ich nicht einmal weiss, ob Sie überhaupt Christ sind. Aber Gott sagte mir, dass er Sie versorgen wird.“ Wow! Wenn Gott uns die Tür öffnet, wird niemand sie schliessen. Am 5. April 2008 begannen wir mit unserer ersten Schulklasse.


Die Slumkinder erhalten im Zentrum „Joy of Cambodia” („Freude von Kambodscha”) regelmässig warme Mahlzeiten. Foto: © HMK

Geschichte Kambodschas

 

Charia: „Ich bin Gott von Herzen dankbar, dass wir heute in Kambodscha in Frieden und Freiheit leben können. Das war nicht immer so: Mein Grossvater und weitere meiner Verwandten fielen den Massenmorden der Roten Khmer in den 70er Jahren zum Opfer. Der Diktator Pol Pot und sein Schreckensregime wollten einen kommunistischen Bauernstaat errichten und haben von 1975 bis 1978 mehr als zwei Millionen unserer Landsleute auf brutale Art und Weise umgebracht. Ich werde mir nie vorstellen können, wie sehr meine Vorfahren und unser ganzes Volk unter der Herrschaft der Rothen Khmer gelitten haben. Ich wurde kurz nach dieser Zeit in armen Verhältnissen geboren und durfte schon früh die Liebe von Jesus Christus erfahren. Diese Liebe will ich den Slumkindern von Phnom Penh weitergeben.”

 

 

 

 

Helfen Sie den Slumkindern

 

70 Kinder im Alter von drei bis 13 Jahren finden zurzeit Zuflucht im Zentrum „Joy of Cambodia“ („Freude von Kambodscha“).

Essen
Die Kinder erhalten regelmässig warme und vitaminreiche Mahlzeiten.

Medizinische Versorgung & präventive Hygieneschulung
Die hygienischen Zustände in den Slums sind katastrophal und viele Kinder leiden an allerlei Infektionen und sind körperlich schwach. Sie werden medizinisch versorgt und in hygienischen Belangen geschult. Das Gelernte können sie dann ihrer Familie und ihren Freunden weitergeben. So können Krankheiten eingedämmt werden bzw. gar nicht erst entstehen.

Bildung
Lehrpersonen bringen den Kindern Lesen und Schreiben bei. Sie erhalten schulischen Nachhilfeunterricht, das nötige Schulmaterial und werden so auf einen erfolgreichen Schulabschluss vorbereitet.

Die Gesamtkosten für ein Kind pro Monat betragen 50 Franken (40 Euro). Wollen Sie die Slumkinder von Phnom Penh unterstützen? Dann lassen Sie uns Ihre Spende zukommen.

Die Slumkinder von Phnom Penh

„Zerlumpt und barfuss suchten die Slumkinder den Müllberg ab, der übersät war mit zersplitterten Glasflaschen. Manchmal assen sie von den Essensresten am Boden, um ihre leeren, aufgeblähten Bäuche zu füllen“, erinnert sich Charia. Deshalb gründete sie gemeinsam mit ihrem Mann das Zentrum „Joy of Cambodia“ („Freude von Kambodscha“). Heute erhalten dort 70 Slumkinder regelmässig warme Mahlzeiten, medizinische Versorgung und Bildung.

Kambodscha: Die Slumkinder von Phnom Penh

Dank dem von der HMK unterstützten Zentrum „Joy of Cambodia” („Freude von Kambodscha“) sind diese Kinder der Mülldeponie entkommen.