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Iran: Zum Tode verurteilter Pastor freigelassen

Der evangelische Pastor Youcef Nadarkhani ist frei! Auf dem Foto zusammen mit seiner Familie vor seiner Verhaftung.

rascht/washington/london/frankfurt (idea)/Oktober 2012 – Nach über 1'000 Tagen in Haft war es soweit: Youcef Nadarkhani konnte zu seiner Familie zurückkehren. Der im Iran zum Tode verurteilte evangelische Pastor ist nach Informationen von Menschenrechtsorganisationen überraschend freigelassen worden.


Der im Iran zum Tode verurteilte evangelische Pastor Youcef Nadarkhani ist nach Informationen von Menschenrechtsorganisationen überraschend freigelassen worden. Der 35-jährige frühere Leiter einer Untergrundgemeinde mit rund 400 Mitgliedern nahm mit 19 Jahren den christlichen Glauben an. Er wurde wegen „Abfalls vom Islam“ und „Verbreitung nicht-islamischer Lehren“ angeklagt und zum Tode verurteilt. Seit 2009 sass er im Gefängnis von Rascht ein. Am 8. September sollte ihm wegen angeblich staatsfeindlicher Propaganda ein weiterer Prozess gemacht werden. Bei einer Verurteilung wäre auch in diesem Fall die Todesstrafe möglich gewesen. Vor Prozessbeginn verfügte das Gericht eine sechsstündige Anhörung. Während Beobachter mit einem harten Urteil rechneten, sprach das Gericht den Pastor vom Vorwurf des Glaubensabfalls frei. Es war aber überzeugt, dass Nadarkhani unter Muslimen evangelisiert habe. Dafür erhalte er eine dreijährige Gefängnisstrafe, die mit der Untersuchungshaft abgegolten sei, teilte das US-amerikanische Zentrum für Gesetz und Gerechtigkeit (ACLJ/Washington) mit. Nadarkhani sei daraufhin aus der Haft entlassen worden, so dass er zu seiner Familie zurückkehren konnte. Die Organisation Christliche Solidarität Weltweit (CSW/London) und die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) in Frankfurt am Main, die auf ihren Internetseiten den Bericht bestätigten, erinnern daran, dass im Iran weiterhin hunderte Christen wegen ihres Glaubens inhaftiert seien.
Für Nadarkhanis Freilassung setzten sich führende deutsche Politiker und Kirchenrepräsentanten ein, darunter Bundespräsident Joachim Gauck, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Aussenminister Guido Westerwelle (FDP). Von den 74,2 Millionen Einwohnern Irans sind 99 Prozent Muslime. Die Zahl der Konvertiten zum christlichen Glauben wird auf 250'000 geschätzt. Ferner gibt es bis zu 150'000 meist orthodoxe armenische und assyrische Christen.

 

Menschenrechte & Religionsfreiheit

Auch wir als HMK haben in der Vergangenheit immer wieder auf den Fall Youcef Nadarkhani aufmerksam gemacht und weisen auch auf andere Fälle hin, wo Christen aufgrund ihres Glaubens diskriminiert und verfolgt werden. Denn Christen sollen unabhängig in welchem Land sie leben die Möglichkeit haben, ihren Glauben frei zu praktizieren. Seinen Glauben zu bekennen und auszuüben ist ein Menschenrecht und ist explizit in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der UNO in Artikel 18 festgehalten. Alle Mitgliedsländer der UNO haben diese Erklärung anerkannt, halten sich aber nicht immer daran. In Ländern mit beschränkter Religionsfreiheit werden Christen auf verschiedenste Art und Weise oftmals daran gehindert, ihren Glauben frei auszuleben. Als HMK tragen wir dazu bei, dass die Öffentlichkeit in der westlichen Welt über diese Menschenrechtsverletzung informiert und sensibilisiert wird.