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Iran: Nach medizinischer Behandlung zurück im Gefängnis


Seit über drei Jahren ist Maryam Naghash Zargaran im Gefängnis. Am 6. Juni 2016 wurde sie vorübergehend zur medizinischen Behandlung entlassen und am 27. Juni 2016 wieder ins Evin-Gefängnis gebracht. Ende Juli 2016 wurde ihr dann die Freilassung gerichtlich verweigert, und zwar auf Druck des iranischen Ministeriums für Staatssicherheit (MOIS).

mec/wwm/livenet. September 2016 – Seit Nasim Naghash Zargaran zum Glauben an Christus gefunden hat, nennt sich die inzwischen 38-jährige Iranerin „Maryam“. Die ehemalige Muslimin ist seit dem 15. Juli 2013 im Evin-Gefängnis in Teheran inhaftiert und leidet unter verschiedenen gesundheitlichen Problemen: Übelkeit, Kopfschmerzen und massiver Gewichtsabnahme. Das einzige „Verbrechen“, das Maryam Naghash Zargaran begangen hat, war, dass sie Christin wurde und anderen von ihrem Glauben erzählte.

Hungerstreik und Hafturlaub
Ursprünglich wollte der Staatsanwalt Maryam Nagash Zargaran keinen Gefängnisunterbruch für die medizinische Behandlung gewähren. Am 26. Mai 2016 begann sie deswegen einen Hungerstreik, nachdem sie vorher bereits über 25 kg an Gewicht verloren hatte. Nach der Hinterlegung einer Kaution von 350 Millionen Toman (US-Dollar 100'000) wurde Maryam Nagash Zargaran dann die Erlaubnis erteilt, das Gefängnis am 6. Juni 2016 zwecks medizinischer Behandlung vorübergehend zu verlassen. Ihre Schwägerin ist Ärztin und kümmerte sich um sie. Mitinsassen und ihre Familie bezeichneten ihren Zustand als äusserst besorgniserregend.

Zurück im Evin-Gefängnis
Doch am 19. Juni 2016 entschied das Gericht, dass Maryam Naghash Zargaran wieder ins Gefängnis zurückkehren müsse. Da sie noch nicht wirklich gesund war, beantragte ihre Familie eine Verlängerung des Hafturlaubs. Die Staatsanwaltschaft verweigerte jedoch eine Verlängerung und drohte damit, das als Kaution hinterlegte Geld zu beschlagnahmen. Am 27. Juni 2016 wurde sie von ihren Angehörigen zurück ins Evin-Gefängnis gebracht.

Am 5. Juli 2016 begann dann Maryam Naghash Zargaran mit einem erneuten Hungerstreik, um ihre sofortige und bedingungslose Freilassung zu verlangen, da sie wegen ihrer gesundheitlichen Probleme nicht zureichend behandelt wurde. Beamte des Gefängnisses untersuchten sie am 20. Juli 2016 und bestätigten in einem ärztlichen Protokoll, wie ernst es um ihre Gesundheit steht. Ihr Antrag wurde Ende Juli 2016 von einem iranischen Gericht geprüft und abgelehnt. Die Begründung ist, dass das iranische Ministerium für Staatssicherheit (MOIS) ihre Freilassung nicht will.

Äusserst besorgniserregender Gesundheitszustand
Nach den zwanzig Tagen Hungerstreik ist Maryam Naghash Zargarans Zustand immer schlechter geworden. Ihre Familie und ihre Freunde machen sich grosse Sorgen. Das medizinische Team im Gefängnis sagt, ihr Blutdruck sei sehr niedrig, sie habe vielerlei Schmerzen und ihre Füsse seien taub (mögliche Anzeichen für eine Multiple Sklerose). Ausserdem leide sie psychisch als Folge ihres Gefängnisaufenthalts.

Der Gesundheitszustand von Maryam Nagash Zargaran war von vornherein schlecht (HMK berichtete in der verfolgt-Ausgabe Mai 2015). Sie ist Diabetikerin, hat ein Loch in der Herzscheidewand, leidet unter Depressionen sowie Ohren- und Kopfschmerzen. Im Gefängnis wurde ihr eine adäquate medizinische Behandlung stets verweigert. Der iranische Pastor Saeed Abedini ging damit an die Öffentlichkeit und erklärte: „Maryam ist einen Schritt vom Tod entfernt und wird nur bestraft, weil sie mit mir zusammengearbeitet hat.“ Bei Besuchen ihrer Familie brauchte Maryam Nagash Zargaran die Hilfe von zwei Mitgefangenen, die sie stützten. Alleine konnte sie sich nicht mehr fortbewegen. Ein Treffen, das über fünf Minuten hinausgeht, war nicht mehr möglich gewesen.

Hauskirchenbewegung
Seit dem 15. Januar 2013 ist die ehemalige Muslimin wegen ihrer Beteiligung an einer Hauskirchenbewegung im Iran inhaftiert. Sie wurde vom Revolutionsgericht in Teheran wegen „Propaganda gegen das islamische Regime und Untergrabung der nationalen Sicherheit“ zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. Seit dem 15. Juli 2013 befindet sie sich im Frauentrakt des berüchtigten Evin-Gefängnisses in Teheran. Ihr Antrag auf eine Wiederaufnahme des Prozesses wurde abgelehnt.

Durch den iranischen Pastor Saeed Abedini kam Maryam Naghash Zargaran zum christlichen Glauben. Der gebürtige Iraner, der auch die US-Staatsbürgerschaft besitzt, wurde nach mehr als drei Jahren Gefängnis im Januar 2016 freigelassen (HMK berichtete in der verfolgt-Ausgabe vom März 2016). Anlass dazu war der Gefangenenaustausch zwischen dem Iran und den USA. Als Ex-Muslimen war es Saeed Abedini und Maryam Naghash Zargaran verboten, reguläre christliche Gottesdienste zu besuchen. So wurden beide in der iranischen Hauskirchenbewegung aktiv. Sie gründeten um die 100 Hausgemeinden in 30 Städten mit ca. 2‘000 Mitgliedern.

Gefängnis, Angst, Einschüchterung

Seit 2015 sind mehr als 150 iranische Christen in ihrer Heimat verhaftet worden. Einige kamen auf Kaution frei und warten jetzt auf ihre Verurteilung oder Berufung. Laut der Nichtregierungsorganisation Middle East Concern (MEC) befinden sich zurzeit rund 100 im Gefängnis. Rob Duncan von MEC: „Nicht in erster Linie offene Gewalt und Verhaftungen setzen den iranischen Christen zurzeit am meisten zu, sondern Angst und Einschüchterung. Es gibt zwar weniger Angriffe auf Hauskirchen, doch stattdessen werden Christen zwecks Sicherheitsüberprüfung zum Verhör vorgeladen. Der Druck auf die Betroffenen steigt, das Land zu verlassen. Kautionsforderungen für eine vorübergehende Entlassung sind hoch und können eine Familie finanziell lahmlegen.”

Maryam Naghash Zargaran im Spital. Nun ist sie bereits wieder im Evin-Gefängnis in Teheran. Quelle: Facebook Free Maryam Naghash-Zargaran - Nasim

Beten Sie für Maryam Naghash Zargaran!

Die Angehörigen und Freunde sind dankbar für die medizinische Behandlung und die wertvolle Zeit, die sie mit Maryam Naghash Zargaran zuhause verbringen durften. Sie bitten um unsere Gebete, dass Maryam Naghash Zargaran weiterhin eine richtige medizinische Betreuung bekommen kann und gesund wird. Beten Sie um Kraft und Trost für sie und ihre Familie und dass sie erfährt, wie Gott sie in diesen schwierigen Tagen ermutigt, heilt und stärkt. Beten Sie für eine baldige, vorbehaltlose Entlassung aus dem Gefängnis und dafür, dass Gott die iranischen Verantwortungsträger und Behörden bewegt, damit sie ihr unrechtes Handeln einsehen, barmherzig werden und Gerechtigkeit walten lassen. Beten Sie um eine Herzensänderung derjenigen Menschen, die Maryams Forderung nach einer bedingungslosen Haftentlassung blockieren. Bitte beten Sie für eine Öffnung des Landes sowie für spürbare Reformen und Verbesserungen für unsere iranischen Glaubensgeschwister in ihrer Heimat.

Seit über drei Jahren ist Maryam Naghash Zargaran wegen ihres christlichen Glaubens im Gefängnis. Quelle: World Watch Monitor