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Iran: „Ich lasse die Angst nicht zu”

Dezember 2016 - Daniel Shayesteh war ein eifriger Anhänger Ayatollah Khomeinis im Iran. Später wandte er sich enttäuscht von ihm ab und kam darauf in die Todeszelle. Heute ist Daniel überzeugt, dass einzig Jesus den muslimischen Ländern Frieden bringen kann.


Herr Shayesteh, Sie beteiligten sich 1979 an der Islamischen Revolution im Iran. Was erhofften Sie sich von der Bewegung?
Ich war damals ein junger Kerl. Wir Studenten an der Universität rebellierten gegen die politische und soziale Ungerechtigkeit innerhalb des Landes. Unsere Hoffnung war, dass sich das ändern würde. Dann begannen radikal-islamische Gruppen uns langsam zu unterwandern. Ich wurde ein eifriger Nachfolger von Khomeini.

Was veranlasste Sie, Ihre Meinung zu ändern?
Khomeini hatte versprochen, sich nicht in Politik einzumischen, weil er ein religiöser Führer sei. Er versprach Freiheit und Demokratie und dass das iranische Volk vom Geld des Öls profitieren sollte. Nachdem wir siegreich waren und er aus dem Exil kam, brach er jedes Versprechen, das er gegeben hatte. Es wurde schlimmer als zuvor. Wütend wandten wir uns von ihm ab. Ich wurde verhaftet und mit vier anderen in eine Todeszelle gesperrt. Die anderen wurden getötet, ich konnte fliehen.

Wohin flohen Sie und wie konnten Sie überleben?
Ich floh in die Türkei. Allerdings wurden viele Oppositionelle auch im Ausland verfolgt. Aber ich lebte an einem entfernten Ort, weit weg von anderen Iranern. Ich verhielt mich still und versuchte, mein Leben zu retten. Einige Male bin ich dem Tod nur knapp entkommen.

Wie haben Sie zu Christus gefunden?
In der Türkei hatte ich begonnen, an der Universität Religionswissenschaft, Kultur und Philosophie zu studieren. Ich verglich die verschiedenen Religionen und Ideologien und wie sie jeweils die Gesellschaft, die Ethik und die Wirtschaft prägen. Später verlor ich viel Geld, das ich in ein Geschäft investiert hatte. Der Inhaber machte sich damit aus dem Staub. In einer lokalen Kirche hatten einige Leute Kontakt zu ihm. Sie boten an, mir zu helfen. Ich ging jeden Sonntag in den Gottesdienst, um neue Informationen zu bekommen – dabei hörte ich die Predigten. Ihre Lehre über Gott war für mich beeindruckend. Sie sprachen von einem persönlichen Gott. Das berührte mein Herz. Dann erschien mir Jesus im Traum. Schliesslich las ich das Evangelium zweimal durch und übergab mein Herz Jesus Christus.

Wie haben Ihre Familienmitglieder auf Ihre Bekehrung reagiert?
Sie waren wütend und einer wollte mich umbringen. Heute sind viele müde vom Islam. Sie respektieren mich und stellen Fragen. Einige wurden heimlich Christen.

Stimmt es, dass sich immer mehr Muslime für das Christentum interessieren?
Ja, besonders junge Leute. Das konnte man sich früher nicht vorstellen. Viele, die im Iran oder in Afghanistan die Grausamkeit am eigenen Leib erfahren haben, wenden sich vom Islam ab. Meine Familie hat mir gesagt, dass sich in ihrem Dorf keiner mehr für den Islam interessiert. Das darf man nicht öffentlich sagen, aber es ist so. Ihr Land ist für sie zu einem Gefängnis geworden.

Aber viele junge Leute fühlen sich auch vom radikalen Islam angezogen. Warum?
Das hat kulturelle und nationalistische Gründe. Viele sagen: „Ja, lasst uns gegen Amerika kämpfen!“, weil sie wie ich von Kind auf gelernt haben, dass der Westen böse ist. Aber in der Kirche, in der ich ein- und ausging, war ein Amerikaner, der seiner Frau im Gespräch intensiv zuhörte. Es schockierte mich, dass sie so nett miteinander umgingen. Ich erlaubte meiner Frau nicht, zu sprechen. Gerade den jungen Leuten in muslimischen Ländern wird oft ein sehr einseitiges oder gar falsches Bild der Menschen im Westen vermittelt.

Warum gehen junge Muslime aus Europa nach Syrien, um dort zu kämpfen?
Sie sind isoliert in der westlichen, multikulturellen Gesellschaft. Diese lässt jeder Kultur ihre Souveränität. Selbst ein radikaler Muslim kann im Westen leben und seine Kinder indoktrinieren. Das ist die hässliche Seite der Multikulti-Gesellschaft.

Was können Christen konkret tun?
Wir müssen die Leute aufklären, sie mit Fragen herausfordern, und zwar in einer christlichen, liebevollen Art. Die Kirchen müssen ihre Stimme erheben und auch die Politik ist gefordert. Als überzeugte Christen müssen wir Farbe bekennen; der Welt zeigen, um was es im christlichen Glauben geht. Dabei sollten wir auch die neuen Medien brauchen, proaktiv werden, für unseren Glauben einstehen. Wir dürfen keine Angst haben.

Haben Sie selbst Angst?
Ja, aber ich erlaube der Angst nicht, über mein Leben zu bestimmen. Ich glaube an die Souveränität Gottes. Wenn meine Zeit gekommen ist, dann ist es so. Wenn ich die Wahrheit sage und die Leute die Wahrheit brauchen, dann lohnt es sich, dafür mein Leben zu geben. Die Wahrheit kann in der Gesellschaft nicht ans Licht kommen, wenn die Leute nicht dahinterstehen.

Interview (gekürzte Fassung): Christof Bauernfeind, ideaSpektrum Nr. 38/2016

Daniel Shayesteh war im September 2016 mit der HMK auf Vortrags-Tournee in der Schweiz. Foto: In der Freien Evangelischen Gemeinde (FEG) Thierachern BE.

Iran und islamische Welt: Videoclips für Muslime

Daniel plant die Produktion von 22 Filmepisoden, in denen er den christlichen Glauben in einer für Muslime verständliche und respektvolle Art erklärt. Geplant ist, die Serie in weitere Sprachen zu übersetzen. Der tiefe Wunsch von Daniel ist, dass Muslime ihre Hoffnung auf Jesus setzen. Unterstützen Sie dieses Engagement?

Mit 30 Franken (27 Euro)
können Sie eine Drehstunde der Aufnahmecrew finanzieren. Für eine 60-minütige Episode sind rund 25 Drehstunden nötig.

Mit 200 Franken (180 Euro)
ermöglichen Sie die Übersetzungsarbeit einer Folge in eine andere Sprache.

Daniel Shayesteh als Ausbilder der iranischen Revolutionsarmee in den 70er-Jahren.

Videozeugnis: Daniel Shayesteh – Iraner träumt von Jesus

In meinem Traum war ich allein im Haus meines Vaters. Dann gab es ein Erdbeben. Häuser wurden zerstört, Menschen starben. Eine sehr beängstigende Situation. Und ich schrie zu Gott: „Hier ist niemand, der mir helfen kann!“ In diesem Moment erschien mir Jesus.