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Nordirak: „Danke für Ihre Solidarität”

Die irakischen Flüchtlinge danken für die „Solidarität der Christen aus der Schweiz”.

idea./Dezember 2014 - idea-Chefredaktor Rolf Höneisen sprach mit dem Nahost-Projektleiter der HMK, der soeben aus dem Nordirak zurückgekehrt ist.

Sie sind gerade zurück aus dem Irak. Wo haben Sie sich aufgehalten?
Ich habe unsere Nothilfeprojekte und unsere lokalen Teams im kurdisch kontrollierten Norden Iraks besucht. Das heisst ich war in den Orten Erbil, Dohuk, Zakho, Kalak und in den umliegenden Dörfern.

Was haben Sie dort angetroffen, wie geht es den Flüchtlingen?
Überall trifft man Flüchtlinge, es sind meist Christen aus Mosul und Karakosch, dazu viele Jesiden aus Sindschar. Zu Tausenden haben sie Unterschlupf in öffentlichen Schulen, Zeltstädten, in Parks, leerstehenden Rohbauten oder auf der Strasse gefunden. Es fehlt überall an Unterkünften.

Sind keine Alternativen vorhanden, etwa Zeltstädte?
Leider gibt es noch nicht genügend Zeltstädte, die diese Menschen aufnehmen könnten. Es wird zunehmend kälter und es regnet viel. Der Winter steht bevor. Die Flüchtlinge äusserten grosse Sorge. Sie frieren nachts, haben keine Decken und es fehlt an warmen Kleidern.

Wie kann man von hier aus helfen?
Unsere Glaubensgeschwister bitten um unsere Gebete. Unsere lokalen Partner haben Nothilfeallianzen ins Leben gerufen und helfen zurzeit regelmässig 18'000 Flüchtlingen. Je nach Notlage erhalten sie Essenspakete, Baby- und Kindernahrung, Kleider, Wasch- und Hygieneartikel, Decken, Matratzen, Zeltmaterial und Unterkünfte. Die Hilfe leisten wir unabhängig von Religion und Herkunft.

In welcher Verfassung sind die Vertriebenen?
Die meisten Flüchtlinge sind sehr dankbar, nicht wenige haben sich bedankt für die „Solidarität der Christen aus der Schweiz“ und „den Hoffnungsschimmer“. Ich habe gestaunt, dass es in den Lagern nur wenige Verzagte gibt. Ja es war sogar beschämend, wie freundlich wir empfangen wurden und wie uns die Flüchtlinge sogar in den einfachsten Zelten gastfreundlich willkommen geheissen haben.

Sind öffentliche Kundgebungen hilfreich?
Ja, es ist wichtig, den Verfolgten in der Öffentlichkeit eine Stimme zu geben, zum Beispiel an Solidaritätskundgebungen. Politiker stehen in der Verantwortung, sich für den Schutz religiöser Minderheiten einzusetzen. Und auch die Medien tragen dazu bei, die Öffentlichkeit zu sensibilisieren. Jeder kann persönlich etwas tun: Sei es im persönlichen Gespräch, mit Leserbriefen, in sozialen Medien oder bei öffentlichen Debatten. Es gilt, sich dafür einzusetzen, dass religiöse Minderheiten – gerade auch im Nahen Osten – besser geschützt werden. In ihrer eigenen Heimat wird ihnen die Daseinsberechtigung zunehmend entzogen. Das kann und darf uns nicht gleichgültig sein.

Vielen Dank für das Gespräch.

Interview: Rolf Höneisen, 03.10.2014
Chefredaktor ideaSpektrum

Mit 90 Franken (70 Euro) ermöglichen Sie einer ganzen Familie einen Monat die Versorgung mit Nahrungsmitteln und Medikamenten. Können die Flüchtlinge mit Ihrer Hilfe rechnen?

 

 

Grusswort aus dem Nordirak

Hallo! Liebe Grüsse aus Erbil, Nordirak

Wir danken für alle Hilfe und Unterstützung von den Kirchen weltweit und in Europa. Wir danken Ihnen für alle Gebete für unser Land. Die Situation ist nicht gut für die Christen. Wenn Sie helfen wollen: Die Familien überlegen sich, das Land zu verlassen. Das kann verhindert werden...

Ausharren trotz Krieg

Der Bürgerkrieg tobt. Das Elend wächst. Über vier Millionen Menschen sind bisher aus Syrien geflohen, die Hälfte sind Kinder. Neun Millionen sind in Syrien selbst auf der Flucht – die Hälfte der Bevölkerung. Drei Millionen sind es im Irak.