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Irak: Das "Doppelleben" christlicher Kinder

Surush und seine Schwester leiden wie viele christliche Kinder in arabischen Ländern unter dem intoleranten Umfeld.

dic./Januar 2012 – Nuria und ihre Familie, deren richtigen Namen wir nicht nennen können, um sie nicht zu gefährden, sind irakische Araber, die vom Islam zum Christentum konvertiert sind. Während assyrische Iraker wegen ihrer ethnischen Herkunft als Christen akzeptiert werden, glauben irakische Muslime, dass Araber keine Christen werden können. Gemäss der Regeln der Gesellschaft und der Verfassung ist eine Konversion unmöglich (gesellschaftlich nicht nachvollziehbar und gesetzlich nicht vorgesehen oder schlicht verboten). Wenn die Kinder sagen würden, dass sie an Jesus Christus glauben, würden sie geschlagen und von ihren Lehrern drangsaliert. Nurias Eltern sind vor sieben Jahren Christen geworden. Ihr Vater, ein Schreiner in Kirkuk, hat früher offen über seinen Glauben gesprochen. Heute ist er aber nicht mehr so unbekümmert, was sein Bekenntnis zum Christentum betrifft. Allzu oft hatte er seine Stelle wechseln müssen, sobald seine Arbeitgeber von seinem Glauben erfahren hatten.

In Erbil, einer Stadt im Norden Iraks, setzt sich Majeed Muhammed, ein kurdischer Konvertit, der vom Islam zum Christentum übergetreten ist, vehemet dafür ein, dass in den Ausweispapieren seiner Kinder nicht „Moslem“ steht. Zum Christentum konvertierte Ex-Muslime wollen nichts mehr mit dem Islam zu tun haben. Deshalb ist es ihnen ein grosses Anliegen, dass auch ihre Kinder nicht mehr am islamischen Religionsunterricht nehmen müssen. Dies würde mit entsprechend angepassten Ausweispapieren leichter fallen.

Ein neunjähriger iranischer Flüchtling im Irak, Surush Bidookh, wurde wegen seines Glaubens beschimpft und verprügelt. Seine Familie war schon vor seiner Geburt aus politischen Gründen aus dem Iran in den Irak geflohen und hatte im Irak zum Glauben an Jesus Christus gefunden. Wie andere Konvertiten sagte sein Vater, Siyamand Bidookh, dass die Verfolgung noch erträglich war, bis sie auf seine Kinder übergriff. Als Surush in Erbil in die erste Klasse kam, schlug ihn ein Lehrer vor der ganzen Klasse und sagte ihm, er sei ein „Kafir“, ein Ungläubiger, wie sein Vater. Bidookhs Tochter Sevda kam eines Tages aus dem Kindergarten nach Hause und fragte, warum die Lehrerin gesagt habe, dass ihre Familie „im Feuer brennen“ würde, weil sie Christen seien. Sevda hatte nach diesem Vorfall so grosse Angst, dass sie den Kindergarten zukünftig nicht mehr besuchte. „Wenn meine Kinder in die Schule gehen und sie die Lehrer grüssen, grüssen die Lehrer nicht zurück“, sagte die Mutter von Bidookhs. „Was ist das bloss für ein Verhalten und wie sollen das die Kinder einordnen können?"