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Indonesien: Fragwürdige Motive für das Niederbrennen von Gemeindehäusern

Wie in der Vergangenheit wurden Gemeindehäuser erneut zu Zielen von Übergriffen.

Im August 2011 setzten Mobs drei Häuser auf der Insel Sumatra in Brand. Dabei benutzten sie die fehlenden Genehmigungen als Vorwand für ihre Ausschreitungen. Die Häuser der Provinz Riau wurden zuvor als Hauskirchen benutzt.

 

dic./Dezember 2011 – Die Angreifer brannten die Versammlungsorte einer Gemeinde der Batak Karo Protestant Church (GBKP) und einer Gemeinde der Pfingstkirche in Indonesien (GPDI) am 1. August nieder und den einer Methodistenkirche am 2. August, 2011. Alle drei Gebäude standen im Distrikt Kuantan Singingi. Wie berichtet wird, hat der Leiter der GBKP in der Provinz, Sahat Tarigan, gesagt, dass ungefähr 100 Leute auf Motorrädern gegen 11 Uhr nachts am 1. August zum Haus gefahren kamen. Sie warfen Steine, bedrohten Gemein-demitglieder mit Messern und gossen schliesslich Benzin aus und setzten das Gebäude in Brand. Zur Zeit des Angriffs sei eine Anzahl Gemeindemitglieder innerhalb des Gebäudes gewesen, weil sie Malerarbeiten ausführten, aber es sei niemand verletzt worden, wie Tarigan der Presseagentur von Radio 68H berichtete.


Derselbe Mob zündete dann das Haus der GPDI an, das etwa 5 km entfernt lag. Er sagte: „Wir wissen nicht, woher sie kamen, aber mit den Einwohnern des Ortes haben wir ganz bestimmt keine Probleme. ... Die Leute, die die Gemeindehäuser anzündeten, sind keine Leute, die in unserer Nähe leben.“
Tarigan sagte weiter, das Haus, wo sich die GBKP versammelt, sei vor ungefähr drei Jahren gebaut worden, und die umliegenden Einwohner hätten nie etwas gegen die Leute gehabt, die sich dort zum Gottesdienst versammelten. Er sagte, er wisse nicht, warum der Mob das Haus angezündet habe, obgleich Metrotvnews berichtete, ein Moslem aus dem Ort habe gesagt, das Gebäude habe keine Genehmigung gehabt und das Singen würde die Muslime stören, wenn sie tagsüber während des Ramadans fasten.

 

Klare Worte des Gouverneurs

Der Gouverneur der Provinz Riau forderte die Bürger auf, sich der Gewalt zu enthalten. Der Sprecher der Provinzregierung, Chairul Rizky, sagte, der Gouverneur habe dem verantwortlichen Beamten für Kuantan Singingi befohlen, die Einwohner aufzufordern, Konflikte in Zukunft im Dialog statt mit Gewalt zu lösen.
Rizky sagte, dass, auch wenn die Hauskirchen keine Genehmigungen hätten, Brandstiftung nicht geduldet werden könne. Obgleich der Gouverneur angeordnet habe, dass die Polizei die Versammlungsorte schützt, die Genehmigungen haben, bedeute das nicht, dass man die angreifen dürfe, die keine Genehmigungen haben.


„Der Gouverneur hat angeordnet, dass die Polizei Gottesdienstorte schützt, die genehmigt sind, und dass sie nicht zulassen sollen, dass jemand das Gesetz in seine eigenen Hände nimmt, um Probleme zu lösen“, erklärte Rizky gegenüber Radio 68H. „Daher hoffen wir, dass dieses Problem innerhalb kurzer Zeit gelöst werden kann, so dass die Christen ungestört beten können“. Er sagte weiter, dass die drei betroffenen Hauskirchen keine Genehmigung gehabt hätten, weil ihre Leiter nur eine solche für ein Wohngebäude eingeholt hatten und nicht für eine Kirche. Der Chef der Kriminalpolizei in Kuansing, AKP Darmawan, bestätigte die Angriffe und sagte, die in Brand gesteckten Gebäude seien keine Kirchengebäude, sondern aus Holz gebaute Privathäuser gewesen.


Der Vizepräsident des Setara-Instituts für Demokratie und Frieden, Bonar Tigor Naipospos sagte, er bedaure, dass während des Ramadans Kirchen in Brand gesteckt worden seien, und fügte hinzu, dass Muslime, die während des Ramadans fasten, eigentlich im Stande sein sollten, ihre „Leidenschaften“ zu unterdrücken. Auch der ehemalige Präsident der Muhammadiyah sozio-ökonomischen Reformbewegung in Indonesien, H. Ahmad Shafi Ma’arif, war empört über die Brände. Er sagte: „Nur dumme Leute wollen Kirchen verbrennen. Was auch der Grund dafür sein mag, aber so etwas kann nicht toleriert werden.“ Weiter habe er gesagt, dass so etwas weiterhin vorkommen werde, weil die Durchsetzung des Gesetzes so schwach sei.