Startseite > Projekte > Projektländer > Indonesien: „Du Christenhund, wir werden dich töten!”

Indonesien: „Du Christenhund, wir werden dich töten!”

Pastor Bimo leitet eine christliche Gemeinde im Osten Indonesiens sowie eine Bibelschule. Während der grossen Unruhen von 1999 bis 2004 auf den Molukken, bei denen etwa 10'000 Christen ums Leben kamen, war er der Leiter der HMK-Hilfeleistungen vor Ort. Heute ist er verantwortlich für den Bau von Primar- und Sekundarschulen, die durch die HMK finanziert werden. (Symbolbild)

Pastor Bimo* blickte in Indonesien dem Tod tief in die Augen, doch er hat überlebt. Er liebt seine Heimat und setzt sich unermüdlich für seine Landsleute ein.

hmk./Juli 2014 – Der indonesische Pastor Bimo stammt aus der ethnischen Volksgruppe der Betawi, die vorwiegend nahe der Hauptstadt Jakarta siedelt. „Die Betawis sind fast zu hundert Prozent Muslime.  Doch wie die Betawi generell sind auch meine Verwandten liberale Muslime und nehmen es mit dem Koran nicht so genau. Sie essen zum Beispiel Schweinefleisch. Die Gefahr kommt von jenen, die strenge islamische Regeln durchsetzen wollen. Das ist in etwa zehn von 33 indonesischen Provinzen der Fall“, erzählt Bimo.


Zunehmende Marginalisierung
Die Situation für indonesische Christen im bevölkerungsreichsten islamischen Land der Welt habe sich verschärft, so Pastor Bimo. „In den letzten Jahren wurde es schwieriger, neue Kirchen zu bauen. Hunderte von Regulierungen müssen mittlerweile erfüllt werden.“ Und im Parlament habe die Zahl der Christen abgenommen. „Wir sind klar untervertreten. Waren im früheren Kabinett noch zehn Christen, sind es heute noch drei.“ Zusehends sehe man sich marginalisiert. „Viele Christen haben das Potential, in Politik und Wirtschaft führende Rollen zu übernehmen, aber sie erhalten die Möglichkeit nicht“, sagt Bimo. Auf Java, einer der vier Hauptinseln Indonesiens, würden sogar Kirchen geschlossen.

Gefängnis wegen Bibel
Im Nordwesten Indonesiens, in der Provinz Aceh, ist die Scharia (islamische Rechtsordnung) seit einigen Jahren in Kraft. Religiöse Minderheiten werden dort massiv unterdrückt, islamische Sittenwächter sind allgegenwärtig. Pastor Bimo bedauert, dass Übergriffe auf Kirchen von den Medien weitgehend verschwiegen werden. Die Frauen seien inzwischen genötigt, Kopftuch zu tragen.
Pastor Bimo erwähnt Ribur, eine junge Christin, die in Banda Aceh (Hauptstadt der Provinz Aceh) auf offener Strasse von einem muslimischen Mob angegriffen und verprügelt wurde, weil sie Bibeln auf sich trug. Schwer verletzt wurde sie von der Polizei verhaftet und 60 Tage ins Gefängnis gesperrt, nicht aber die Leute, die sie angegriffen und geschlagen hatten. Weder ein Haftbefehl noch ein Gerichtsentscheid lagen gegen Ribur vor. Erst der internationale Druck half, dass Ribur wieder frei kam. „Ribur ist kein Einzelfall. Es gibt solche Fälle in ganz Indonesien“, so Bimo.

 

Grünes Licht für Dschihad
Dschihad Kämpfer (Gotteskrieger), die beispielsweise zu 15 Jahren Haft verurteilt worden waren, seien bereits nach zwei Jahren wieder entlassen worden. „Immer wieder gab es Amnestien, manchmal bereits nach drei Monaten. Unsere Regierung ist voller Vergebung“, bilanziert Bimo und führt ironisch hinzu: „Gleich wie Jesus.“ Diese Praxis zeige, dass die Extremisten ihre Aktivitäten hemmungslos vorantreiben könnten.
Bimo blickte auch schon persönlich dem Tod in die Augen. „Am 11. September 2011 gedachten wie jedes Jahr viele Menschen der Anschläge in den USA, allerdings wird hier 9/11 vielerorts in Form grosser Kundgebungen als Sieg des Islam gefeiert.“


Mit vier Freunden war er gerade auf dem Heimweg vom Gottesdienst. „Vor einer Moschee wurde unser Auto plötzlich von einer fanatischen Menge umringt.“ Bimo dachte, dies sei sein letzter Tag auf Erden. „Du Christenhund, komm heraus, wir werden dich töten!“, schrie der Mob. Bimo betete. Er wollte nicht sterben. „Ich kurbelte die Scheibe hinunter. Vier junge, starke Männer standen da und sahen eine Bibel im Auto. Sie sagten leise: «Fahrt weiter, ganz langsam.» Sie drehten sich um und schrien: «Allah-hu akbar» (Gott ist grösser). Und wir stimmten ein, für uns aber hatte das Wort eine andere Bedeutung als für sie.“


An diesem Tag starben 16 Christen, 120 wurden verwundet. In den meisten Fällen kam die Polizei zu spät. „Sie versucht zwar, die Christen zu beschützen, aber das Gebiet ist riesig.“


Autor: Daniel Gerber


*Name aus Sicherheitsgründen geändert.

Arbeit von Pastor Bimo unterstützen

Indonesische Flüchtlingskinder, die in den neu gebauten Primar- und Sekundarschulen regelmässig Schulunterricht erhalten.

 

Bau von Primar- und Sekundarschulen
Mit bereits 200 Franken (160 Euro) pro Monat tragen Sie massgeblich zum Bau von Primar- und Sekundarschulen bei, damit Flüchtlingskinder eine Schulbildung erhalten.

Bibelschulen
Die HMK unterstützt in ganz Indonesien den laufenden Betrieb von sechs Bibelschulen, in denen zurzeit 270 zukünftige Pastoren, Gemeindeverantwortliche, Sozialarbeiter und Lehrer eine Ausbildung erhalten. Mit 65 Franken (52 Euro) können Sie einer Person die Ausbildung einen Monat lang ermöglichen.
Good News Clubs (Kindertreffs)
Zur praxisorientierten Ausbildung an den Bibelschulen gehören auch die Good News Clubs (Kindertreffs), die von den Studierenden organisiert werden. Jede Woche besuchen rund 7‘000 Kinder diese Good News Clubs. Sie singen, spielen und hören biblische Geschichten.

Gemeindegründer
Mit 90 Franken (72 Euro) im Monat tragen Sie massgeblich zum Lebensunterhalt eines einheimischen Gemeindegründers bei.

 

Wenn Sie unser Engagement in Indonesien finanziell mittragen wollen, dann lassen Sie uns Ihre Spende zukommen. Herzlichen Dank.

 

Radiointerview zum Thema

 

Projektvideo