Startseite > Projekte > Projektländer > Indien: „Wir halten am Glauben und am Zeugnis für Christus fest”

Indien: „Wir halten am Glauben und am Zeugnis für Christus fest”

Kumar setzt sich in Indien als Pastor und Gemeindegründer für seine Glaubensgeschwister ein. (Symbolbild)

hmk./Dezember 2014 - Kumar* steht in regelmässigem Kontakt mit zahlreichen christlichen Gemeinden in Indien. Hier gibt er Ihnen einen Einblick in seinen bewegten Alltag.

Kumar, wie müssen wir uns Ihre Arbeit als Pastor und Gemeindegründer vorstellen?
Mein Tag beginnt eigentlich fast immer mit einer Tasse Tee, einer kurzen Andacht und einem 40-minütigen Morgenspaziergang. Ich nehme mir Zeit fürs Gebet und denke über das nach, was ich in der Bibel gelesen habe. Am Abend verbringe ich Zeit mit meiner Familie.

Das Bibelstudium, das Gebet und der gemeinsame Lobpreis mit meinem Team sind zentraler Bestandteil meines Arbeitsalltags. Zudem nehme ich etliche Koordinationsaufgaben wahr und besuche christliche Gemeinden in verschiedenen Regionen. Die Gemeinschaft mit lokalen christlichen Leitern begeistert mich. Es stellt mich auf, wenn ich sehe, wie Menschen danach streben, Gott zu kennen.

Indien ist geprägt vom Hinduismus. Was heisst das für Ihre Arbeit?
Von Anfang an hat uns der Herr so geführt, dass wir unter Hindus arbeiten. Als Christen sind wir nicht überall gerne gesehen. Vor allem wenn wir über unseren Glauben sprechen, birgt dies Konfliktpotenzial. Auf der anderen Seite erleben wir eine grosse geistliche Offenheit und schon oft durften wir erleben, wie Menschen aufgrund unserer Gebete von ihren Lasten befreit wurden und sich ihr Leben komplett veränderte.

Wie begegnen Sie Ihren Mitmenschen?
Wir nehmen sie so an wie sie sind. Wir gehen auf ihre Bedürfnisse ein, beten für sie und sind für sie da. Interessierte vernetzen wir mit Gemeindegründern an ihrem Wohnort. Dabei vertrauen wir stets auf die Führung des Herrn, dass Er Gelegenheiten für wertvolle Gespräche schenkt und dass freundschaftliche Beziehungen entstehen dürfen.

Dalit-Gemeinschaften (Kastenlose, Unberührbare; Anm. Red.) sind beispielsweise froh um Schul- oder Erwachsenenbildung. Wir versorgen sie auch in gesundheitlichen Belangen. Unser Ziel ist es, die Gemeinschaft als Ganzes zu stärken. Leider sind im heutigen Indien Gottesdienste im Freien oder das Verkündigen der Frohen Botschaft überall dort, wo Hindus dominieren, extrem schwierig geworden.

Wie sieht denn die Situation für Christen in Indien aus?
Mit Ausnahme der südlichen Staaten Kerala, Tamil Nadu, Andra Pradesh und der christlich dominierten Staaten im Nordosten sowie der Hauptstadt Neu-Delhi verschlechtert sich die Lage der Christen in ganz Indien. Einige anti-christliche Gruppierungen schüren Hass und verbreiten Falschinformationen. Christen werden als „anti-national” angeprangert und als Agenten und Handlanger des Westens gebrandmarkt. Das Ziel ist, die Bevölkerung gegen die Christen aufzuhetzen. Gewalttätige Übergriffe sowie Verhaftungen von Christen wegen angeblicher „Zwangsbekehrung“ gehören zum Alltag.

Indische Christen geraten zunehmend ins Visier von Hindu-Nationalisten.



Was für Möglichkeiten haben Sie, um den Verfolgten zu helfen?
Gott sei Dank sind heute Christen in Indien vielerorts gut organisiert und vernetzt. Sie stehen füreinander ein, wann und wo auch immer ein Christ oder eine Gemeinde unter Druck gerät. Diese christlichen Netzwerke sind schnell am Tatort, kontaktieren die Behörden, helfen bei der Anklageerhebung vor Gericht oder organisieren je nach Notsituation auch medizinische Soforthilfe und Zufluchtsorte. Doch es gibt auch Regionen, in denen Christen keinerlei politische Unterstützung haben. Deshalb sind die Netzwerke nicht überall so stark und haben auch keine grossen Ressourcen.

Mit welchen täglichen Herausforderungen sehen Sie sich konfrontiert?
Indien ist ein Land der Extreme. Die wohlhabenderen Menschen suchen ihren Lebenssinn oftmals im Vergnügen oder im Beruf. Die Armen hingegen kämpfen ums tägliche Überleben. Jeder ist mit seinen Sorgen und Nöten beschäftigt, und gegenüber anderen Gesellschaftsschichten oder allgemein gegenüber Mitmenschen herrscht oftmals Gleichgültigkeit. Für die Gläubigen ist es manchmal herausfordernd, unter diesen Umständen den Glauben zu bewahren und ein Gott wohlgefälliges Leben zu führen. Deshalb ermutige ich meine Glaubensgeschwister, sich für das Reich Gottes zu engagieren, ihre Augen auf Jesus gerichtet zu halten und ihrer Berufung treu zu bleiben.

Was motiviert Sie, trotz Schwierigkeiten und Rückschlägen vorwärts zu gehen?
Ich fühle mich bei meinem Dienst von Gott getragen und lebe in Seiner Gegenwart. Es motiviert mich, mit all den Menschen Leben zu teilen, mit denen ich tagtäglich zu tun habe. Sei dies im alltäglichen Gespräch oder wenn ich bei ihnen in die Bibelstunden eingeladen werde. Ich sehe, wie gross ihr Bedürfnis nach Erkenntnis der Wahrheit ist. Es berührt mich zutiefst, dass durch unseren Dienst viele Menschen zum Glauben an Jesus gefunden haben und sie heute mit dem Herrn unterwegs sind. Einige von ihnen als Pastoren und Gemeindeleiter.

Was wünschen Sie sich für Ihr Land und für Ihren Dienst?
Mein Wunsch für mein Land ist, dass Indien Jesus erkennt und Ihn als Herrn ehrt. Für meinen Dienst wünsche ich mir, dass wir treu mit dem Herrn wandeln, dass wir uns immer wieder neu nach Ihm ausrichten und Seine Absichten erfüllen.

*Name aus Sicherheitsgründen geändert.

Indische Christen stärken

Rechtshilfe
Wollen Sie indischen Christen, die Opfer von Gewaltverbrechen wurden, zu ihrem Recht verhelfen? Mit 400 Franken (320 Euro) können Sie die Durchschnittskosten christlicher Rechtsanwälte pro Fall abdecken, die sich juristisch für Gewaltopfer einsetzen, damit die Täter nicht ungestraft bleiben.

Gemeindebau
Mit 120 Franken (96 Euro) decken Sie die durchschnittlichen Reise- und Lebenskosten eines indischen Gemeindegründers.



Projektvideo