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Indien: Verfolgung trotz offizieller Religionsfreiheit

Die HMK unterstützt und fördert behinderte Menschen.

hmk./Mai 2012Die indische Verfassung garantiert Religionsfreiheit und damit auch den christlichen Glauben und seine Verbreitung. Die Realität sieht jedoch anders aus, wie aktuelle Vorfälle im Kaschmir und in den Bundesstaaten Orissa und Karnataka zeigen.

Die Situation der Christen im Kaschmir

Die 400 Christen im islamisch geprägten Kaschmir befinden sich in einer äussert schlimmen Situation. Sie sind eine praktisch verschwindend kleine Minderheit und werden gesellschaftlich stark diskriminiert: Als sich sieben Muslime entschieden, Jesus Christus nachzufolgen und sich taufen liessen, hatte dies verheerende Auswirkungen auf sie und ihr Umfeld. Ende 2011 wurde von einer unbekannten Person ein Video dieser Taufe im Internet veröffentlicht. Dies sorgte in islamischen Kreisen für erhebliche Empörung. Aufgrund dieses Videos erstellte ein Mufti – ein islamischer Rechtsgelehrter – auf der Grundlage der Scharia (islamische Rechtsordnung) ein Rechtsgutachten. Denn wer vom Islam abfällt, begeht gemäss der Scharia ein schwerwiegendes Vergehen, das entsprechend bestraft werden muss. Wenn nötig mit dem Tod. Das erlassene Rechtsgutachten – die sogenannte Fatwa – sollte die 400 Christen zum Islam zurückbringen und neue Hinwendungen zu Jesus verhindern.

Exodus der Christen

Viele dieser 400 Christen haben unter dem zunehmenden Druck den Kaschmir verlassen. Sie sind nun unterwegs in Richtung des hinduistisch geprägten Jammu oder Delhi. So auch die sieben getauften Ex-Muslime. Für sie alle ist die Lage äussert schwierig, da sie wohl lange nicht mehr in ihre Heimat zurückkehren können. Am neuen Ort erwartet sie eine ungewisse Zukunft. Es wird schwierig werden, ein neues Zuhause, eine Arbeitsstelle und eine Schule für die Kinder zu finden.

 

Zurückgebliebene werden ausgegrenzt und geächtet

Der Mufti riet den lokalen Behörden, alle christlichen Schulen in der Region zu  übernehmen, um so die Kontrolle über die Christen auszuweiten. Zudem hat der sogenannte Scharia Rat ein Komitee zum „Schutz des Glaubens” gegründet. Das Ziel davon ist die Rückkehr der Abgefallenen zum Islam. Eine Sinnesänderung, die zum Verlassen des Islams führt, soll nicht weiter toleriert werden. Deshalb suchen nun diese Ratsmitglieder regelmässig die zurückgebliebenen Christen auf, drohen ihnen und verlangen, dass sie ihren Glauben an Jesus absprechen. Wer nicht gehorcht, muss mit schwerster Diskriminierung rechnen. Viele Christen sind deshalb geflohen und haben ihr ganzes Hab und Gut verloren. Diejenigen, die noch ausharren, werden sozial ausgegrenzt und geächtet.

 

Islamisches Recht wird im Kaschmir angewandt, obwohl es mit der indischen Verfassung absolut unvereinbar ist. Denn gemäss der indischen Verfassung herrscht in Indien Religionsfreiheit und jeder hat die Freiheit, den Glauben zu bekennen, ihn auszuüben und ihn privat und öffentlich zu bekunden. Jedenfalls auf dem Papier. In der Praxis sieht es, wie der Fall der 400 Christen im Kaschmir zeigt, leider anders aus. Auch in etlichen anderen Bundesstaaten Indiens ist es gefährlich,  von einer anderen Religion zum Christentum zu wechseln. Die in der Grafik rot eingefärbten Bundesstaaten haben sogenannte Anti-Bekehrungsgesetze erlassen, die die Religionsfreiheit massiv beschneiden.

 

In Orissa und Karnataka leben Christen gefährlich

Fälle von Verbrechen gegen Christen gibt es auch in anderen Bundesstaaten Indiens, die mehrheitlich hinduistisch geprägt sind. In den letzten drei Jahren haben sich in Indien die Angriffe auf Christen mehr als verdoppelt. Im Jahr 2011 gab es über 350 Übergriffe auf Christen. Zahlreiche Menschen haben dabei ihr Leben verloren. Die Bundesstaaten Orissa und Karnataka sind für Christen die unsichersten und gefährlichsten Orte Indiens.

 

Gräueltaten

Die Situation der Gläubigen im Distrikt Kandhamal in Orissa, wo sich 18 Prozent der Bevölkerung zu Jesus bekennt,  hat sich auch drei Jahre nach den Gräueltaten noch nicht normalisiert. Damals verloren während 60 Tagen der Gewalt mehr als 100 Gläubige ihr Leben. 250 Kirchen und 13 christliche Institutionen wurden niedergebrannt, 4'500 Häuser eingeäschert und mehr als 60'000 Menschen mussten ihr Zuhause verlassen. Viele von ihnen konnten bis heute nicht in ihre Dörfer zurückkehren. Morddrohungen hindern sie daran. Von den Medien und der Öffentlichkeit sind sie längst vergessen. Dort, wo sie vorher wohnten, haben sich Verbrecher und Mörder niedergelassen.

Neben Orissa ist der Bundesstaat Karnataka Schauplatz einer enormen Feindseligkeit gegen Christen. Gerade während den Festtagen über Weihnachten und Neujahr häuften sich Angriffe und Gewalt massiv. Christen werden in Karnataka massenweise diskriminiert – und trotzdem werden sie immer zahlreicher. Ob das der Grund für die zunehmende Verfolgung ist?

 

HMK hilft notleidenden indischen Christen

Die HMK hilft in Indien verfolgten Christen durch Rechtshilfe und konnte in dem beschriebenen Fall in Kandhamal lokale Partner entsprechend unterstützen. Mehr als 800 Strafanzeigen konnten gegen die Menschen, die diese Gräueltaten verübt hatten, eingereicht werden. 560 Verbrecher sind bereits rechtmässig verurteilt worden. 2'240 der Personen, die von der Polizei gefasst wurden, mussten jedoch wegen mangelnden Beweisen wieder freigelassen werden. Zurzeit laufen in mehr als 320 Fällen noch immer Untersuchungen. Weitere Projekte, die die HMK in Indien unterstützt, sind die Schulung von Kindern in Slums, die Rehabilitierung von Behinderten, die Unterstützung von einheimischen Pastoren und Mitarbeitenden sowie die Förderung der Frauenarbeit. Bereits mit 120 Franken pro Monat sind die Reisekosten und der Lebensunterhalt eines lokalen Partners finanziert. Mit wenigen Franken können wir Familien helfen, die unter widrigen Bedingungen in Slums leben. Christen, die Opfer von Gewaltverbrechen werden, brauchen rechtliche Unterstützung. Mit 400 Franken können Sie dazu beitragen, dass ihnen zu ihrem Recht verholfen wird und die Täter nicht unbestraft bleiben.