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Indien: Brückenbau zu den Nachbarn

Mit rund 195 Millionen Muslimen hat Indien nach Indonesien und Pakistan die drittgrösste muslimische Bevölkerung der Welt. Vor einigen Jahren initiierten unsere Partner vor Ort zusammen mit einer kleinen Gruppe von Gläubigen mit muslimischem Hintergrund ein Handbuch für evangelistische Gespräche mit Nachbarn. Dabei wollten sie die Aussagen des Koran über «Isa al Masih» (Jesus Christus) als Brücke für die Gespräche benutzen.

 

Mai 2021 - hmk. Das Team begann damit, die häufigsten Fragen, welche Muslime zu Jesus Christus stellen, zu sammeln, und versuchte, Antworten gleich im Koran selber zu finden. Das Ziel war es, die Gute Nachricht auf eine nicht konfrontative und fruchtbare Weise zu teilen. In der Folge wurde daraus ein Buch mit dem Titel „Dost“, d.h. Freund. Es ist nun in etlichen Sprachen erhältlich, z.B. in Arabisch, Englisch und Hindi. Dost ist die Hauptperson im Buch. Er trifft auf Menschen unterschiedlicher religiöser Herkunft und stellt ihnen Fragen über ihren Glauben.

Von der ersten bis zur letzten Seite  

Einer der Brückenbauer ist Akhan. Er war ein frommer Muslim, der in einer örtlichen Schule arbeitete. Er war verheiratet und hatte zwei Kinder. Er war in der Gesellschaft wegen seiner Arbeit in der Schule respektiert und hatte ein gutes Einkommen. Man konnte eigentlich sagen, dass es in seinem Leben wirklich gut lief. Eines Tages begleitete er seinen Freund bei der Arbeit in eine nahegelegene Stadt. Dort trafen sie auf zwei junge Frauen, die Neue Testamente und andere christliche Literatur verteilten. Akhan und sein Freund wurden neugierig und begannen ein Gespräch mit diesen beiden Frauen. Darin ermutigten diese die Männer, das Neue Testament zu lesen. Als Akhan wieder zuhause war, tat er genau das und er las es von der ersten bis zur letzten Seite. Er hatte viele Fragen, als er es las, und er besuchte daraufhin einen Freund, der ein Nachfolger Jesu war. Die beiden fingen an, sich regelmässig zu treffen, um über das zu sprechen, was Akhan nicht verstand. Akhan beschreibt dann, wie sich mit der Zeit sein Herz veränderte und wie er zu einem Jünger Jesu wurde und sich taufen liess. Die Verfolgung setzte fast unmittelbar darauf ein.

Gottes Treue inmitten der Prüfungen
Akhan verlor seine Arbeitsstelle. Seine Familie und die Familie seiner Frau mieden ihn. Niemand verstand, was er da tat und warum. Seine Frau und die ganze Familie konnten nicht verstehen, was er da tat und warum er es tat. In der Folge übten seine Verwandten Druck auf seine Frau aus, so dass sie glaubte, er sei ein Abtrünniger geworden. Ein Schariagericht sprach daraufhin die Scheidung aus und gab der Frau das Sorgerecht. Akhan muss Alimente bezahlen und auch das Schulgeld für die Kinder. Das Gericht erklärte die Frau zur alleinigen Eigentümerin  ihres Hauses, das sie erst kürzlich errichtet hatten. Es gab auch einige Anschläge auf sein Leben, aber der Herr hat ihn beschützt. Akhan fasst zusammen: „Mein Leben ist sehr anstrengend, denn ich kümmere mich an den Wochenenden um meine Kinder und helfe muslimischen Führungspersönlichkeiten. Viele sind zum Glauben gekommen und haben sich taufen lassen. Wie Nikodemus folgen viele Jesus als heimliche Jünger, weil sie befürchten, ihre Arbeit zu verlieren, ihre Familie, ja sogar ihr Leben. Ich preise Gott für Seine Treue, wie Er für alles gesorgt hat, was ich für meinen Dienst und für meine persönlichen Bedürfnisse brauchte.“

Verfolgung von Minderheiten

Seit 2014 hat Indien ein enormes Anwachsen einer vom Staat gefördert nationalistischen Hindu-Bewegung erlebt. In jüngster Zeit findet eine Zuspitzung der Verfolgung von Minderheiten statt. Kirchengebäude werden zerstört, Pastoren angegriffen, Christen mit Gewalt konvertiert und Mobs haben Muslime und Kastenlose gelyncht. In einigen Dörfern wird Christen der Zugang zu öffentliche Einrichtungen verwehrt, z. B. Wasser aus dem Dorfbrunnen zu holen. Angehörige der religiösen Minderheiten können am Dorfbrunnen kein Wasser holen und nichts kaufen oder verkaufen.

Die Widerstandskraft der Christen stärken
Mangel an Bildung, Ignoranz und Protektionismus tragen dazu bei, dass die muslimische Gemeinschaft isoliert und bekämpft wird. Das trifft dann besonders die MBBs, da sie sowohl von Muslimen, als auch von Hindus angegriffen werden. Aus diesem Grund legen wir das Schwergewicht auf die ganzheitliche Entwicklung von Gläubigen muslimischer Herkunft (MBBs) und ihren Familien. Wir helfen Familien durch berufliche Aus- und Fortbildung und Projekte zum Generieren von Einkommen, z. B. kleine Läden, die spezialisiert sind auf den Verkauf von  Eigenprodukten, Fisch oder Stoffen, oder auch Dienstleistungen wie Nähen oder das Mahlen von Mehl zum Backen, das wegen dem feuchten Klima immer frisch gemahlen wird. Die Familien erhalten so die Möglichkeit, selber ein Einkommen zu generieren. Wenn eine Familie mit muslimischem Hintergrund ein regelmässiges Einkommen hat, gibt ihnen das auch mehr Möglichkeiten. Sie können ihren Kindern eine Ausbildung ermöglichen und andere junge Gläubige begleiten.

Trotz der vielen Herausforderungen danken wir Gott für Seine Versorgung, Bewahrung und Leitung durch all die Jahre. Die Zahl der neuen MBBs wächst kontinuierlich weiter. Viele leben zwar als heimliche Gläubige, aber wir hoffen, dass mit der Zeit immer mehr aus ihrer Verborgenheit heraustreten und anfangen, mit ihren Nachbarn über die Verwandlung zu sprechen, die sie selbst erlebt haben.

Christlichen Familien mit muslimischem Hintergrund helfen

Helfen Sie doch einer christlichen Familie mit muslimischem Hintergrund, einen kleinen Verkaufsladen zu gründen! Die Startkosten belaufen sich, je nach der Art des Geschäftes, auf 2‘000 bis 5‘000 Franken (1‘800 – 4‘500 Euro). Ihre Unterstützung macht es einer Familie möglich, konkrete Schritte zu einem selbständigen Einkommen zu tun.