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Somalia: Im Untergrund beten

Februar 2019 - Am Telefon mit jemandem über das Christentum zu reden und dabei abgehört zu werden, kann den Tod bedeuten. Christen in Somalia haben mit grauenhafter Verfolgung zu rechnen, wenn sie ihren Glauben offen leben. Das ist der Grund, weshalb sie sich im Untergrund versammeln.

Somali folgen Jesus nach

Ich komme aus Somalia. Eines Tages sah ich ein Video von einer Enthauptung eines unschuldigen Mannes im Irak. Er wurde im Namen Allahs getötet. Die Männer, die ihn töteten, hielten den Koran und ein Messer in ihren Händen. Sie lasen den Koran und hackten dem Mann dann den Kopf ab. Das zerbrach mein Herz. Ich fing an zu weinen, zitterte und war wütend. An dem Abend betete ich nicht mehr das letzte Gebet, das sie „Ischa“ nennen, obwohl wir normalerweise 5x täglich beteten, fasteten, usw. ...

hmk. Vor dem Bürgerkrieg gab es eine beträchtliche Anzahl somalischer Christen. Die grösste Kathedrale von Ostafrika stand in Somalia. Aber sie wurde dem Erdboden gleichgemacht. Die Imame hatten beschlossen, dass keine Kirche in Somalia wieder aufgebaut werden dürfe. Nach dem Bürgerkrieg waren die somalischen Christen fast völlig ausgelöscht. Einige flohen in Nachbarländer oder ganz fort aus Afrika, zusammen mit einer grossen, zumeist streng-muslimischen somalischen Bevölkerungsgruppe, die nun auf der ganzen Welt zerstreut lebt. So wurde Somalia zum Land mit der geringsten christlichen Präsenz weltweit. Aber in jüngster Zeit haben viele Somali in der Zerstreuung Jesus auf wunderbare Art und Weise kennengelernt. Durch Visionen, Träume und das Lesen der Bibel fanden sie zum christlichen Glauben und es gibt nun weltweit eine grössere Anzahl somalischer Christen als je zuvor. Nun fängt Gott damit an, sie dafür zu gebrauchen, um die Frohe Botschaft ihren Landsleuten zu Hause und auf der ganzen Welt zu bringen.


In jüngster Zeit haben viele in der Zerstreuung lebende Somali Jesus Christus auf wunderbare Art und Weise kennengelernt. Foto: © HMK

 

Eines der gefährlichsten Länder für Christen
Der erste geistliche Aufbruch geschah 2015, als 120 somalische Christen zu einer europäischen Konferenz zusammenkamen. Eine Gruppe davon wagte es, sich auf einem YouTube Video als somalische Christen zu zeigen. Sie hinterfragten öffentlich, dass Somalia zu 100 Prozent ausschliesslich Muslimen gehöre. Als die Leute in Somalia dieses Video sahen, wurden Imame, das Staatsfernsehen und viele Somali wütend, aber Gott hat dadurch das Evangelium unter die Somali gebracht. Das Video verbreitete sich wie ein Virus über die sozialen Medien. Ausserdem hat dieses erste Video die somalischen Gläubigen dazu ermutigt, soziale Medien für das Evangelium in somalischer Sprache zu nutzen und seit kurzem auch das Satelliten-Fernsehen. Auf diese Weise sind viele Somali weltweit und neuerdings auch in Somalia Christen geworden. Somalische Christen sehen sich zwar in Europa und der Diaspora täglicher Diskriminierung ausgesetzt, für die somalischen Christen in Somalia bedeutet es jedoch, täglich den Tod vor Augen zu haben. Somalia ist eines der gefährlichsten Länder für Christen auf der Welt. Wer mit einer Bibel entdeckt wird, wird getötet. Sogar wenn man nur am Telefon mit jemandem über das Christentum redet und abgehört wird, kann man umgebracht werden. Christen in Somalia haben mit grauenhafter Verfolgung zu rechnen, wenn sie ihren Glauben offen leben. Dies hat dazu geführt, dass sie Untergrundgemeinden bilden, die sich nun an verschiedenen Orten im Land treffen.

Beispiele für die Christenverfolgung 2006-2014: Viele somalische Christen wurden von der militanten Gruppe al-Shabaab und anderen islamischen Gruppierungen enthauptet. Die Videos davon wurden online verbreitet, um die anderen abzuschrecken. 2015: Nachdem das Video verbreitet wurde, in denen somalische Christen über ihren Glauben sprechen, erliess der Rat der Imame eine Fatwa zum Todesurteil für alle somalische Christen, gleich ob in Somalia oder in der Diaspora. Das führte dazu, dass viele Christen auch in den westlichen Ländern angegriffen und spitalreif geschlagen wurden. In Somalia wurden auf Grund dieser Fatwa auch Christen getötet. Dezember 2017: Die Imame erliessen eine weitere Fatwa, als sie sahen, wie schnell sich das Christentum unter Somali nicht zuletzt auch durch die Medien/TV verbreitete. Die somalischen Gläubigen befürchten nun noch stärkere Verfolgung als Auswirkung dieser Fatwa.•

Dieser Artikel ist auch in der idea Spezialausgabe „Christenverfolgung 2018“erschienen.

Somalischen Christen beistehen und eine Stimme geben

Als HMK kümmern wir uns über unsere lokalen Partner um verfolgte somalische Christen. Zudem unterstützen wir das christlich-somalische Radio- und Satelliten-TV-Programm. Unterstützen Sie uns dabei?

1 Stunde Satelliten-Ausstrahlung CHF 100.– (€ 83.–)
1 Produktionstag (Studio, Technik, Mitarbeiter) CHF 1‘000.– (€ 830.–)
1 Arbeitstag für Mitarbeiter zur Betreuung Verfolgter CHF 100.– (€ 83.–)

 

 

Somalia ­­– Ein von Krieg zerrissenes Land

Seit 1990 ist Somalia ein von Krieg zerrissenes Land. Auslöser des Krieges war ursprünglich der Versuch, den Diktator Siad Barre zu stürzen, der das Land seit 1969 regierte. Seitdem ringt das Land um eine stabile Regierung, denn die gegen Siad Barre rebellierenden Kräfte schafften es einfach nicht, sich zu einigen, weil jeder Stammesinteressen verteidigte. Das führte dazu, dass der islamische Extremismus erstarkte und die mit der Al-Qaida verbundene Gruppierung Al-Shabaab gegründet wurde. Al-Shabaab hat mit Gewalt das Scharia-Gesetz im Land eingeführt, was bedeutet, dass keine andere Religion ausgeübt werden darf. Dutzende von somalischen Christen sind von Al-Shabaab umgebracht worden und das einheimische Christentum wurde beinahe gänzlich ausgemerzt. Fast 30 Jahre dauert es nun schon, dass Menschen in Somalia verhungern, weil Al-Shabaab keine fremde Hilfe ins Land lässt und überall im Land Terrorakte verübt. Die Menschen leben in permanenter Angst. Jetzt gibt es jedoch eine Regierung, die von Nachbarländern unterstützt wird, und die versucht, das Land zu stabilisieren.