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China: Warten auf Gao Zhisheng

Gao Zhisheng musste kurz vor Weihnachten erfahren, dass er weitere drei Jahre im Gefängnis bleiben muss.

caa./März 2012 – Gao Zhisheng, Christ und Rechtsanwalt, der sich für Menschenrechte einsetzte, galt schon seit einigen Jahren als vermisst. Er wurde von den chinesischen Behörden brutal verfolgt und verhaftet, weil er sich für grundlegende Menschen-rechte einsetzte. Dies war das fünfte Jahr, dass er Weihnachten nicht mit seiner Familie zusammen feiern konnte. Der fünfte Jahrestag und damit die Entlassung auf Bewährung näherte sich. Wohlgesinnte Leute sowie Gaos Familie dachten, Gao würde bald auftauchen und vielleicht sogar nach Hause dürfen.


Doch die chinesische Regierung erklärte am 16. Dezember 2011 plötzlich, Gao werde für drei weitere Jahre im Gefängnis bleiben, weil er wiederholt gegen die Auflagen seiner Bewährung verstossen habe. Immerhin ist jetzt bekannt, dass Gao am Leben ist. Jedoch ist diese schreckliche Nachricht ein schwerer Schlag für Gao Zhishengs Frau und Kinder, die in den USA im Exil leben. Gao wurde in das abgelegene Gefängnis Shaya (Xayar) in der Präfektur Aksu, ganz im Westen Chinas verlegt, eine trostlose und verlassene Gegend. Die Organisation ChinaAid unterstützt die Familie Gaos und versucht ununterbrochen, international Aufmerksamkeit zu erregen.


Es folgen Auszüge aus einem Brief, den seine Frau, Geng He, vor Weihnachten verschickt hat und die zeigen, wie Gaos Familie unter Druck gesetzt wird. Darin erwähnt ist auch Fan Yafeng, Verfassungsrechtsexperte und der Christ, der Gao zu Jesus geführt hat. Er steht seit Dezember 2010 unter Hausarrest, nachdem er vorher verhaftet und gefoltert worden war.

Heute hätte Gao Zhishengs erster Tag daheim sein sollen
Ich weiss noch, wie im September 2006 zwei Beamte der Staatssicherheit plötzlich bei mir vor der Tür standen und fragten: "Wo ist Ihre Tochter?" Erst dann merkte ich, dass sie von der Schule schon lange hätte zuhause sein sollen. Ich fing an zu weinen und sagte: "Wenn ihr etwas zustösst, bringe ich mich um." Die Staatssicherheit fragte weiter: "Möchten Sie Ihre Tochter wieder zu Hause haben?" Ich antwortete: "Natürlich. Wo ist sie?" (Die Staatssicherheit beschattete uns ständig und mir war klar, dass sie bestens informiert waren). "Sie ist bei Fan Yafeng!", gaben sie mir zur Antwort. Ich stieg mit meinem Sohn Tianyu in ihr Auto und wir fuhren los. Sie spielten nervös mit den Deckeln ihrer Handys und redeten auf mich ein: "Sie haben das Sorgerecht für Ihre Tochter und sind für sie verantwortlich. Beunruhigt es Sie nicht, dass Ihre Tochter so spät bei jemand anderem in der Wohnung ist? Wenn Fan Yafeng Ihre Tochter nicht sofort zurück nach Hause lässt, müssen Sie es der Polizei melden und sagen: "Fan Yafeng hat meine Tochter gekidnappt".
Wir holten meine Tochter bei Fan Yafeng ab. Gott sei Dank kamen meine Tochter und ich unversehrt wieder nach Hause. Doch mit solchen und ähnlichen Situationen setzte die Staatssicherheit mich und meine Freunde immer wieder unter Druck. Wann kommt mein Mann endlich nach Hause?

Geng He
22. Dezember 2011