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China: Gemeindeleiter zu Arbeitslager verurteilt

China zeigte sich in den letzten Jahren weltoffener und toleranter als früher. Je nach Region spüren Christen von dieser Öffnung nicht viel und leiden weiter unter Verfolgung und starken Einschränkungen.

caa./Oktober 2011 – Ein weiteres Anzeichen für den sich verschärfenden Druck auf Chinas nicht registrierte Hausgemeinden ist die Tatsache, dass der Vorsitzende der Allianz chinesischer Hausgemeinden zu zwei Jahren Arbeitslager verurteilt wurde. Das erfuhr China Aid am 25. Juli 2011.Pastor Shi Enhao wurde zu zwei Jahren „Umerziehung durch Arbeit“ verurteilt, einer Strafe, die durch die Polizei verhängt werden kann und keinen Prozess bzw. Verurteilung wegen eines Verbrechens erfordert. Sie wird oft angewendet für Kleinkriminelle oder für Dissidenten und Anhänger religiöser Gruppierungen wie Christen der Hausgemeinden und Falun-Gong-Praktizierende.


Die Beschuldigung auf dem Strafpapier lautet: „Illegale Versammlungen und illegales Organisieren von Orten für religiöse Versammlungen“. Diese Beschuldigungen rühren daher, dass sich Pastor Shis grosse Hausgemeinde, die mehrere tausend Mitglieder umfasst, an verschiedenen Orten über die ganze Stadt verteilt trifft Was Shis Bestrafung wegen dieser Anschuldigung so bezeichnend macht, ist ihr Zusammenhang mit den Ereignissen um die Shouwang-Gemeinde in Beijing und ihrer viel diskutierten Entscheidung vom April, sich im Freien zu versammeln, nachdem sie wieder einmal aus einer gemieteten Lokalität vertrieben worden war. Kritiker der Shouwang-Entscheidung hatten darauf hingewiesen, dass an anderen Orten eine Gemeinde, wenn sie zu gross für ein Gebäude wurde und dadurch die örtlichen Behörden nervös machte, sich in kleinere Gruppen aufteilte, die sich an verschiedenen Orten trafen, und so meistens Zusammenstösse mit den Behörden vermieden. Die Anklage und Bestrafung Shis zeigen nun aber, dass diese Strategie nicht garantiert, um die Behörden zu beschwichtigen.


Pastor Shis Sohn, Shi Yongyang, war auf dem Polizeirevier und musste das verurteilende Dokument unter Polizeidruck unterschreiben. Die Polizei weigerte sich jedoch, ihm eine Kopie der unterschriebenen Dokumente auszuhändigen. Inzwischen hat das Büro für den Schutz der Inneren Sicherheit der Gemeinde von Pastor Shi befohlen, die Versammlungen einzustellen und das Auto, die Musikinstrumente und die Roben des Chors beschlagnahmt und ebenso 140'000 Yüan (CHF 17’400.-/Euro 15’250.-) an Kollektengeldern.
Pastor Shi wurde am 31. Mai 2011 von der Polizei in der Stadt Suqian (Küstenprovinz Jiangsu) verhaftet und 12 Tage festgehalten. Am 21. Juni wurde er vom öffentlichen Büro für Sicherheit in Kriminalhaft überführt. Kriminalhaft ist die erste Massnahme der Strafprozessordnung, die fast unweigerlich zu einer Gefängnisstrafe führt.


Pastor Shi und seine Frau, Zhu Guangyun, sind beide 55 Jahre alt. Seine 86-jährige Mutter braucht eine Pflege rund um die Uhr, die von Pastor Shis Frau geleistet wird. Pastor Shis Sohn, Shi Yongyang, und seine Frau sind beide in vollzeitlichem Dienst. Vier Generationen der Familie Shi haben der Gemeinde Christi gedient.