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China: „Die Ernte ist reif”

Symbolbild

hmk/April 2015 - Shixin* koordiniert einen landesweiten Dienst für die junge Generation Chinas, der rasant wächst. Zum Zeitpunkt des Gesprächs mit der HMK finden wöchentlich 900 Kindertreffs mit 28‘000 Kindern statt, organisiert von mehreren Hundert Gläubigen aus zahlreichen lokalen Gemeinden.

Shixin, wofür investieren Sie Ihr Herzblut?

Gott hat mir die junge Generation Chinas aufs Herz gelegt. Mit meinem Team erarbeite ich Kinderbücher, biblische Geschichten, Liederheftchen und Ideen für spielerische Aktivitäten, die in insgesamt 900 Kindertreffs im ganzen Land zum Einsatz kommen. Wir produzieren auch das dazugehörige Ausbildungsmaterial für mehrere Hundert Leiterinnen und Leiter aus lokalen Gemeinden und bilden sie aus. Zurzeit besuchen 28‘000 Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren regelmässig diese Kindertreffs.


Das hört sich nach einem geistlichen Aufbruch an. Wie steht es in China um die Gemeinde Christi?
Es gibt einen geistlichen Aufbruch, aber auch enorme Herausforderungen. Viele Chinesen – unter ihnen auch Christen – sind in grosse Städte gezogen, um dort Arbeit zu finden. Zurück bleiben die Kinder und ältere Menschen. Die Weggezogenen fehlen in den Gemeinden, und das ist eine grosse Not. Dies umso mehr, da viele Gemeinden in ihrem atheistisch geprägten Umfeld einen grossen geistlichen Hunger haben und sich nach Nahrung für ihre Seele ausstrecken.

 

Das traditionelle chinesische Weltbild ist geprägt vom Konfuzianismus, Taoismus und Kommunismus, und wir stellen vielerorts eine Diskrepanz zwischen dem Wort Gottes und dem Lebenswandel der Christen fest. Leider ist das Anliegen, den Mitmenschen und insbesondere schon den Kindern die Frohe Botschaft zugänglich zu machen, im Selbstverständnis der Gemeinden noch zu wenig verankert. Hier sehen ich und mein Team enormes Potenzial, bereits mit Kindern die Liebe Gottes zu teilen und ihnen Jesus lieb zu machen.

Wie erreichen Sie in China die junge Generation für Jesus?
Mitarbeitende, die unsere Ausbildungskurse besucht haben, gehen im Auftrag ihrer lokalen Gemeinde auf die Strasse, in die Parks oder auf die Spielplätze und laden die Kinder zu den wöchentlichen Kindertreffs ein. Wir haben es auf dem Herzen, gerade auch Kinder zu erreichen, die Jesus noch nicht kennen.
Während den Schulferien bieten wir mehrtätige Freizeitangebote an. Auch nicht-gläubige Eltern schicken ihre Kinder in unsere Lager, an denen jeweils bis zu 300 Kinder teilnehmen. Bereits nach kurzer Zeit verändern sich das Verhalten und der Umgang der Kinder untereinander. Es ist berührend, wie auch Erwachsene, die sich engagieren und denen die Arbeit mit Kindern bisher gleichgültig war, plötzlich ein Anliegen für sie erhalten. Die Gemeinde erlebt eine neue Einheit, das ist wunderbar.

 

Jede Woche besuchen 28‘000 Kinder und Jugendliche die Kindertreffs, die von Mitarbeitenden lokaler Gemeinden organisiert werden.

China hat über 1,3 Milliarden Einwohner. Die Bedürfnisse seitens der Kirchen scheinen unersättlich. Fühlen Sie sich nicht ohnmächtig?
Diese grosse Not bereitet mir schlaflose Nächte. Etwa ein Drittel unserer Bevölkerung sind Kinder. Sie sind die zukünftige Generation unseres Landes, unserer Gemeinde, und in sie wollen wir investieren. Mit grosser Gebetslast stellten wir diese Kindertreffs auf die Beine. Sowohl Freiwillige wie auch Vollzeiter finden darin ihre Berufung. Das Anliegen für die Kinder und eine Begabung zum Leiten sind dabei zentral. Interessierte laden wir zu unserem drei-wöchigen praktischen Training ein. Danach kehren sie in ihre Heimatgemeinden zurück und beginnen mit den Kindertreffs. Unsere Mitarbeitenden multiplizieren sich innerhalb kurzer Zeit. Die Ernte ist reif.

Was denken Sie, was Gott mit Chinas Christen noch vor hat?
Es ist Zeit, dass wir über die Landesgrenzen hinweg Gottes Wort verkündigen. Bis anhin fokussierten wir auf „Mission für China“, aber ich sehe uns mit der Herausforderung konfrontiert, die zukünftige Generation auch auf die Weltmission, also auf die „Mission durch China“ vorzubereiten. Die zentrale Frage ist dabei: „Wie können wir chinesische Christen darauf vorbereiten, dass sie sich in die nächste Generation investieren, und zwar im Hinblick auf Weltmission?“ Zudem wollen wir unser Engagement in islamisch und Lama-buddhistisch geprägten Gegenden Chinas intensivieren.

Ihr Team wächst. Was motiviert Sie und was wünschen Sie sich?Wir waren niemand, bevor wir Christus begegnet sind. Und wir waren „blosse“ Christen, bevor der Herr uns in Seiner Gnade in diesen kostbaren Dienst berufen hat. Jetzt leben wir für diese Kinder. Das ist ein ungeheures Privileg. Uns geht es nicht um Ruhm oder Reichtum. Unsere Motivation ist, chinesischen Kindern und Jugendlichen Christus lieb zu machen. Wir setzen uns als Werkzeug Gottes für Sein Reich ein und wachsen gemeinsam in Christus.
Es wird vielleicht nicht möglich sein, dass alle Kinder Chinas Jesus Christus nachfolgen, aber ich wünsche mir und erflehe unter Tränen, dass sie alle das Evangelium mindestens einmal hören und den Namen Jesus mindestens einmal aussprechen. Ich träume davon, dass China einmal ein „Land der Mission“ wird, das heisst ein Land, aus dem Menschen im Namen Jesu in andere Länder ausgesendet werden. Ich bete, dass immer mehr Glaubensgeschwister für unsere Arbeit ausgebildet werden und die nächste Generation prägen.

 

*Name aus Sicherheitsgründen geändert.

 

Kindertreffs finanziell unterstützen

Sind Ihnen diese Kindertreffs ein Anliegen und möchten Sie einen Teil der Ausbildungskosten der Leiterinnen und Leiter übernehmen? Der laufende Betrieb der Ausbildungsstätte beträgt 2‘500 Franken (2340 Euro) pro Monat.