Startseite > Projekte > Projektländer > Naher Osten: „Gott hält die Welt trotz allem Chaos in seinen Händen“

Naher Osten: „Gott hält die Welt trotz allem Chaos in seinen Händen“

Soziale Ungerechtigkeit, Terror, Kriegsvorbereitungen in Ost und West, gezielte Verfolgung. Die Welt ist in Aufruhr. Wie kann betroffenen Menschen am besten geholfen werden?

edu./ April 2019 – Matthias Schwab, Sie sind regelmässig im Nahen Osten unterwegs. Wie sehen Ihre Hilfeleistungen vor Ort aus?
In dieser komplexen, chaotischen und kritischen Gesamtlage bringen wir Hoffnung und Hilfe für diejenigen, die im Land sind. Wir unterstützen Einheimische, damit sie für die Wiederaufbauarbeit in ihrer Heimat gebraucht werden können. Deswegen sollten wir alles tun, um Menschen in ihrer Heimat wieder ein lebenswürdiges und sicheres Leben zu ermöglichen.

Kennen christliche Hilfswerke eine Art „Wettbewerbsdruck“?

Christen sind Experten in hoffnungsstiftender Versöhnungsarbeit. Da sehen wir unseren Hauptschwerpunkt und da können wir einen wesentlichen Beitrag leisten. Die Herausforderungen und die Not sind viel zu gross, als dass wir uns vor einem Wettbewerbsdruck zu fürchten haben. Alle und jeder kann hier seinen Beitrag leisten. Konkurrenzdenken ist angesichts der grossen Notlage und Krisensituation nicht angebracht.

Mittels Bildungsprojekten erhält die junge Generation des Nahen Ostens in ihrer zerrütteten Heimat eine Daseinsberechtigung. Foto: © HMK

 

In ihrer Kommunikation setzt die HMK auf Information und Aktion. Wie hat sich das Verhalten der Zuhörerschaft in den letzten Jahren entwickelt?
Kompetente und sachgerechte Informationen werden sehr geschätzt, sei es an Vorträgen oder in unseren Publikationen. Da kommt unser Fokus, Hilfe vor Ort zu leisten, und zwar für diejenigen, die sonst ohne Hilfe dastehen, gut an. Doch je länger ein Konflikt dauert, desto mehr treten auch Ermüdungserscheinungen hinsichtlich der finanziellen Unterstützung auf, weil eben der Fokus der Medien oftmals nachlässt. Deshalb braucht es auch in Zukunft verlässliche Informationen, die wir liefern wollen.

Ihr Wunsch an Kirchen- und Gemeindebesucher hinsichtlich unserer verfolgten Glaubensgeschwister?

Es ist unser Anliegen, dass die hiesigen Christen, die um ihres Glaubens willen verfolgten Christen als Teil der weltweiten christlichen Gemeinschaft wahrnehmen. Wir müssen Anteil nehmen, Interesse und Solidarität zeigen, für sie im Gebet und mit handfester Hilfe einstehen!

Warum sind Christen die am meisten verfolgte Glaubensgemeinschaft?

Die Christen, die unter intoleranten und menschenverachtenden religiösen oder staatlichen Systemen leben müssen, leiden nicht nur unter den teils sehr gravierenden Menschenrechtsverletzungen, sondern sie leiden auch sehr stark unter der mangelnden Solidarität der weltweiten christlichen Gemeinschaft. Hinzu kommt, dass Christen zu einem friedfertigen Umgang mit ihren Mitmenschen angehalten sind. Das wird in gewissen Gesellschaften als Schwäche angesehen und führt oft zu verstärkten Menschenrechtsverletzungen.

Hinsehen und helfen. Gibt es Möglichkeiten auf politischer Ebene?

Jede und jeder soll sich engagieren, etwa beim Unterschreiben von Petitionen oder Protestbriefen, bei Solidaritätskundgebungen (www.verfolgung.jetzt) oder beim Einladen eines Referenten für einen Anlass zum Thema. Die Menschenrechts-
charta sollte bei der Entwicklungs- und Aussenpolitik eine stärkere Rolle spielen, und auch der diplomatische Druck gegenüber Menschenrechtsverletzungen, welche die Religionsfreiheit einschränken, müsste verstärkt werden. Als HMK sind wir auf nationaler und internationaler Ebene aktiv und arbeiten sowohl mit Betroffenen selbst als auch mit Nichtregierungsorganisationen, mit Politikern sowie mit staatlichen Akteuren zusammen, um auf die Einschränkung der Religionsfreiheit aufmerksam zu machen. In unserer Entwicklungs- und Nothilfearbeit berücksichtigen wir zudem diskriminierte Minderheiten.

Was sind nächste Herausforderungen?
Nach wie vor leisten wir Nothilfe an die in der Heimat verbliebenen Menschen. Durch Rückkehr- und Wiederaufbauarbeit in Syrien und Irak kümmern wir uns um die Sicherheit der kriegsversehrten Minderheiten. Vor allem setzen wir uns für die anstehende schwierige Versöhnungsarbeit in der ganzen Gesellschaft ein, damit Zukunft und Hoffnung wieder möglich werden. Dazu wollen wir unsere einheimischen Projektpartner sowie Christen vor Ort besonders ermutigen.

Was gibt Ihnen Ruhe und Frieden in Ihrer oft belastenden Tätigkeit?
Dass ich immer wieder zu dem kommen kann, der der wahre Friedensfürst ist. Zu Gott, der trotz allem Chaos die Welt und auch den Nahen Osten in seinen Händen hält und über uns alle Gedanken des Friedens und der Zukunft hat.

 

Matthias Schwab, Mitte Fünfzig, studierte Orientalistik, Arabisch, Theologie, Archäologie und Informatik. Er ist verheiratet, Vater von drei Kindern, und reist seit den 1980er-Jahren regelmässig in den Nahen Osten, wo er mehrere Jahre mit seiner Familie lebte. Schwab arbeitet seit elf Jahren als Nahost-Projektleiter für die HMK. Hobbys: klassische Musik, Handball, Skifahren und Bergwandern.

 

Interview: Thomas Feuz
Quelle: EDU-Standpunkt November 2017, aktualisierte und gekürzte Fassung Februar 2019

Hoffnung vermitteln – Zukunft gestalten

Bei ihren Projekten im Nahen Osten arbeitet die HMK mit langjährigen, einheimischen Partnernetzwerken, die sowohl sprachlich wie auch kulturell Zugang haben zu ihren Volksgruppen.

Mit durchschnittlich 200 Franken (165 Euro) pro Monat können Sie den sofortigen Schutz und die Versorgung einer bedrohten christlichen Familie mit dem Lebensnotwendigen ermöglichen.

Mit 150 Franken (125 Euro) finanzieren Sie die Notversorgung einer 7-köpfigen Familie im Jemen mit Lebensmitteln und Kochgas während eines Monats.

Mit 100 Franken (83 Euro) unterstützen Sie die Ausstrahlung einer Fernseh-Evangeliums-Sendung (60 Minuten) in die ganze arabische Welt, die Glaubenshilfe  und Begleitung vor Ort ermöglicht.

Foto: © HMK