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Algerien: Christ zu 5 Jahren Haft verurteilt

Die Gottesdienste finden in Bejaia vorerst noch ohne polizeiliche Störungen statt.

Die Christen in Algerien sind fassungslos, weil ein Richter einen Konvertiten zum Christentum wegen Beleidigung des Propheten Mohammed sehr viel strenger bestraft hat, als vom Staatsanwalt beantragt.

 

dic./September 2011 – In Oran, 470 km westlich von Algier, hat ein Strafgericht des Stadtbezirks Djamel am 25. Mai 2011 Siaghi Krimo zu einer fünfjährigen Gefängnisstrafe verurteilt, weil er einem Nachbarn eine christliche CD gegeben hatte. Dieser behauptete später, Krimo habe Mohammed beleidigt. Nach algerischen Presseberichten wurde über Krimo zusätzlich noch eine Busse von 200’000 algerischen Dinar (CHF 2’300,- / € 1’900.-) verhängt. Wie berichtet wurde, hatte der Staatsanwalt beim Richter den Antrag gestellt, ihn zu zwei Jahren Haft und einer Busse von 50'000 algerischen Dinar (CHF 575.- / € 475,-) zu verurteilen.
„Krimo schenkte einem muslimischen Nachbarn eine CD, und dafür muss er fünf Jahre ins Gefängnis“, sagte der Präsident der Protestantischen Kirche in Algerien (EPA), Mustapha Krim, fassungslos. „Die Anhörung verlief gut, die Anwälte verteidigten gut, doch am Ende gab ihm der Richter die Höchststrafe.“
 
Gerichtsverhandlung ohne Beweise
Krimo wurde am 14. April 2011 verhaftet und blieb drei Tage in Untersuchungshaft. Am 4. Mai musste er vor dem Gericht in Djamel erscheinen, wo der Staatsanwalt das Urteil über 2 Jahre Haft forderte, und das in Abwesenheit des Nachbarn, der ihn angeschuldigt hatte – des einzigen Zeugen.
Die vom Staatsanwalt beantragte Strafe ist das Minimum für Algerier, die schuldig befunden werden, Mohammed oder „den Gesandten Allahs“ beleidigt zu haben oder für jeden der „sich abschätzig über die Lehren oder Vorschriften des Islams äussert, sei es in Schrift, Zeichnung, Behauptungen oder anderswie“, nach Artikel 144 des algerischen Strafgesetzes. Krim sagte, dass die Zukunft für Algeriens Christen trübe aussieht, wenn das Gericht damit anfängt, das Gesetz so zu interpretieren wie im Fall Krimo. „Wenn sie anfangen, das Gesetz so anzuwenden, bedeutet das, dass es keinen Respekt für das Christentum gibt“, meinte Krim, „und sehr bald werden sich alle Christen Algeriens im Gefängnis befinden. Wenn die simple Handlung, einem Nachbarn eine CD zu geben, dich fünf Jahre Gefängnis kostet, ist das eine Katastrophe.“


Der Anwalt der Verteidigung, Mohamed Ben Belkacem, sagte, das Urteil des Richters sei unerwartet und hart und zeige die Voreingenommenheit des Rechtssystems gegenüber Christen. „Wir haben dieses Urteil überhaupt nicht erwartet“, sagte Belkacem. „Es war ein hartes Urteil. Der Richter bestrafte den ‚Christen’, nicht den ‚Angeklagten’. Es gab keine Beweise und trotzdem gewährte ihm das Gericht keine mildernden Umstände.“ Der Anwalt sagte, er plane, in die Berufung zu gehen. „Mein Klient verneint, den Propheten beleidigt zu haben, und es gibt keinen materiellen Beweis, der diese Beschuldigung stützt“, erklärte Ben Belkacem vor der Verhandlung am 25. Mai, „aber diese Art Fälle stecken voller unerwarteter Entwicklungen in der letzten Minute; daher ist es schwierig für mich, den Ausgang vorherzusehen.“


Als Krimo verhaftet wurde, nahm die Polizei noch einen anderen christlichen Konvertiten zusammen mit Krimo fest, liess ihn aber noch am selben Tag frei. Die Polizei brachte Krimo zuerst in sein Haus, das sie durchwühlten. Sie konfiszierten seine Bibel, CDs und Computer und Discs, wie die Quellen berichten. Seine Frau konnte die Gegenstände am nächsten Tag wieder zurückbekommen.
Krimo hatte „guten Kontakt“ zu seinen Nachbarn und beantwortete manchmal Fragen zum Christentum. Krimo und seine Frau haben ein Baby, ein Mädchen. Auf die Frage, ob er glaube, dass das Gericht Anweisungen von höheren Beamten hatte, solch eine schwere Strafe über Krimo zu verhängen, antwortete Mustapha Krim ohne zu zögern: „Das ist gewiss!”

 

Die Gemeinden versammeln sich noch in Bejaia
Am Wochenende vom 27. - 29. Mai haben die Behörden nichts gegen die angesetzten Gottesdienste im Distrikt Bejaia unternommen, obgleich der Gouverneur befohlen hatte, dass alle Kirchen der Gegend schliessen sollten, und damit drohte, die Polizei könne Gewalt anwenden.
„Die Gottesdienste verliefen normal, ohne polizeiliche Intervention”, sagte Krim. „Deswegen machen wir weiter und wollen sehen, ob sie etwas anderes beschliessen.“


Am 22. Mai hatte der Gouverneur von Bejaia ein Schreiben an Krim geschickt, in dem er ihn informierte, dass alle Kirchen in der Provinz illegal, weil nicht registriert, seien. „Das ist eine illegale und willkürliche Entscheidung seitens des Gouverneurs von Bejaia“, sagte Krim. Eine Registrierung wird unter der umstrittenen Ordonnance 06-03 gefordert, aber wie Christen berichten, weigert sich die Regierung, auf ihre Registrierungsanträge einzugehen oder sie zu genehmigen. Am 23. April 2011 hatten die Behörden unter Berufung auf Ordonnance 06-03 einem Pastor in Maakouda, einer Stadt bei Tizi Ouzou befohlen, seine Kirche innerhalb von 48 Stunden zu schliessen. Als der Pastor sich weigerte, bekam er eine Vorladung auf die Polizeiwache. Dort legte er Dokumente vor, die seine Affiliation mit der EPA bescheinigten. Der Polizeikommissar behauptete, das sei kein legitimer Beweis für die Erlaubnis zur Führung einer Gemeinde. Doch die Kirche ist immer noch offen.


Das umstrittene Gesetz wurde 2006 erlassen, um den nicht-islamischen Gottesdienst zu regulieren. 2008 traf die Regierung dann Massnahmen auf der Basis von Ordonnance 06-03, um die Aktivitäten nicht-muslimischer Gruppen einzuschränken, und ordnete an, 26 Kirchen in der Region Kabylei zu schliessen, weil sie nicht registriert waren.

Missbrauch eines Gesetzes
EPA-Mitglieder argumentieren jedoch, dass man das Gesetz unmöglich erfüllen könne, weil sich Beamte weigerten, ihre Gemeinden zu registrieren, obgleich sie alles unternähmen, den Forderungen nachzukommen. Sie sagten, dass die Behörden das Gesetz nur dazu benutzten, um Gemeinden das Leben schwer zu machen. „Ganz klar gibt es eine Diskriminierung“, sagte Ben Belkacem, „Christen werden vom politischen System in Algerien negativ betrachtet und die Justiz ist bloss ein Instrument des Systems.“
Trotz ihrer Bemühungen, der Ordonnance nachzukommen, hat keine der protestantischen Kirchen oder Gruppen eine offizielle Genehmigung erhalten, und die Regierung hat auch keine administrativen Mittel eingesetzt, um die Ordonnance auszuführen, wie der Bericht über die Internationale Religionsfreiheit des US-Aussenministeriums von 2010 festhält.


Obgleich seit 2008 keine Gemeinden geschlossen wurden, bleibt ihr Status fraglich und nur durch eine Registration bei der EPA gültig. „Christen in Algerien leben in einer sehr schwierigen Situation“, meinte Ben Belkacem. „Sie werden nur aus aussenpolitischen Gründen toleriert und haben in Wirklichkeit kein Recht, sich zum Gottesdienst zu versammeln, weil trotz vieler Anstrengungen keine Gemeinschaft anerkannt ist.“
Es gibt mehr als 99’000 Christen in Algerien. Bei einer Gesamtbevölkerung von 35,4 Mio. Menschen bedeutet das weniger als 0,3%. Muslime bilden über 97% der Bevölkerung.

Gemeindegründer Mohammed aus Nordafrika erzählt…

Mein Name ist Mohammed. Ich war früher Muslim. Ich war jemand, der den Islam praktizierte, Erholung und Frieden suchte, und versuchte, Gott zu gefallen. Doch eines Tages ist etwas geschehen...

Verfolgt und trotzdem ermutigt

Amara*: „Mein Mann wurde wiederholt wegen seines Glaubens verhaftet. Eines Tages haben sie ihn während eines Gottesdienstes abgeführt.“ Trotz Verfolgung sind Amara und ihr Mann in ihrer Heimat ein Zeugnis für Jesus. Die Gemeinden wachsen! Rüsten Sie die Gemeindegründer in Nordafrika aus, damit sie ihren Dienst tun können?