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Hoffnung für ein ganzes Dorf

Januar 2018 - Die Balkanländer Albanien, Kosovo und Mazedonien geniessen einen zweifelhaften Ruf innerhalb Europas: Korruption, hohe Arbeitslosigkeit, politische Instabilität und drohende Eskalation mit Nachbarländern prägten die Berichterstattung in den letzten Jahrzehnten. Die HMK ist seit über 25 Jahren mit lokalen Partnern auf dem Balkan tätig, vorwiegend in Albanien.

hmk. Das gebirgige Albanien hat eine schwierige Geschichte. Nach jahrelanger Abhängigkeit von fremden Herrschern geriet das Land im 2. Weltkrieg (1944) unter kommunistische Herrschaft, die bis 1990 andauerte. Es war in dieser Zeit völlig abgeschottet. 700‘000 Bunker, die im ganzen Land verteilt waren, sollten die Bevölkerung vor einer fremden Invasion bewahren. Ein hartes Regime beutelte das Volk.

Trostlosigkeit nach der Öffnung
Heruntergewirtschaftet öffnete das Land 1990 die Grenzen. Es herrschten bittere Verhältnisse im Land. Die Infrastruktur war katastrophal, viele Menschen bettelarm. Arbeits- und Zukunftsaussichten schienen düster. Es gab kaum Christen im Land, da Versammlungen während der jahrzehntelangen Diktatur von Enver Hoxha verboten gewesen waren. Das Land stand vor dem Kollaps.

Immer noch eines der ärmsten Länder Europas
Heute, nach fast 30 Jahren, hat sich die Lage wesentlich verändert. Das Land hat sich entwickelt. Vor allem in den Städten stehen viele neue Gebäude und Cafés. Das Strassennetz ist erneuert und ausgebaut worden. Doch das marode Schul- und Medizinalwesen, die hohe Arbeitslosigkeit, Armut und grassierende Korruption erschweren den Alltag noch massiv. Darunter zu leiden haben insbesondere Kinder, Frauen und ältere Menschen. Ihr Alltag ist oft von der Not  geprägt, Essen zu finden, Krankheiten zu ertragen und im Winter der Kälte zu trotzen.

Durch das Dorfentwicklungsprojekt erhalten rund 300 Kinder regelmässig warme Mahlzeiten, Nachhilfeunterricht und werden betreut. Foto: © HMK

 

Dorfbevölkerung erwartet uns
Auf pistenähnlicher Strasse fahren wir ausserhalb von Tirana in ein Dorf in den Hügeln. Wir sind froh, dass die Sonne scheint – bei Regen wäre die Anfahrt schwierig geworden. Freudig erwarten uns viele Kinder und ältere Personen auf den Pfaden zwischen den ärmlichen Hütten. Es ist sofort ersichtlich, dass hier kaum wohlhabende Menschen wohnen.

Wir besuchen eine ältere Frau in ihrem Haus, das eher einem Stall ähnelt: Ein kalter Raum mit Bett und kleiner Kochgelegenheit. Sie ist aus dem Bergland im Norden von Albanien hierher in die Nähe der Stadt gezogen und erzählt uns: „Mein Mann ist vor Jahren verstorben. Einer meiner Söhne ist durch die Blutrache ermordet worden. Der andere Sohn lebt in Griechenland, scheint mich mittlerweile jedoch vergessen zu haben, da er dort durch die Wirtschaftskrise selber in Schwierigkeiten geraten ist. Somit habe ich kein Einkommen mehr. Ich bin viel zu alt, um Arbeit finden zu können.“

Anteil nehmen und Trost spenden

Vera, eine lokale Partnerin der HMK, besucht diese Frau und viele andere im Dorf regelmässig mit ihrem Team, bringt Nahrungsmittel, die nötigste medizinische Versorgung – und viel Liebe. Es ist diese Liebe von Jesus Christus, die die Herzen dieser Menschen berührt. Von der Regierung verlassen, am Rande der Gesellschaft, in Elend und Hoffnungslosigkeit, sehnen sie sich nach Wärme und Zuneigung. Immer wieder fliessen Tränen. Die Anteilnahme von Vera und ihrem Team wirken wie Balsam auf ihre wunden Seelen. „Wir haben sonst niemanden. Danke vielmals für euer Interesse an unserem Wohlergehen!“

„Hier wird Gottes Gegenwart sichtbar“
Im Dorf versorgen die lokalen Projektpartner der HMK regelmässig rund 300 Kinder und 50 Frauen dreimal die Woche mit warmen Mahlzeiten. Die Kinder werden betreut und erhalten Nachhilfeunterricht. Ausgebildete Sozialarbeiter/innen betreuen Frauen und Kinder, die häusliche Gewalt und Missbrauch verarbeiten müssen. Die seelische Not ist gross. Das Team hilft Kindern bei der Einschulung, die sonst keinen Zugang zu Bildung hätten. Durch Kurse lernen die Frauen zu nähen, gesund zu kochen und einen Nutzgarten anzulegen. Es ist den Kindern anzusehen, dass sie gerne hierher kommen und Kraft tanken. Ein Junge drückt dies so aus: „Ihr macht, dass Gottes Gegenwart für uns hier sichtbar wird, dass wir einen Ort haben, wo wir zu Hause sein dürfen.“

Unterstützen

Wollen Sie Kinder in diesem Dorf unterstützen und dadurch die Zukunftsperspektive eines ganzen Dorfes verbessern? Die jährlichen Kosten für die Betreuung eines Kindes (u.a. warme Mahlzeiten, schulergänzender Unterricht, persönliche Betreuung) betragen 200 Franken (170 Euro).

„Wir haben niemanden sonst. Danke, dass ihr zu uns kommt.“ Foto: © HMK

Kanun und Blutrache

Der Kanun ist ein jahrhundertealtes Gewohnheitsrecht, das in Nordalbanien noch verbreitet ist. Dabei handelt es sich um eine Lebensordnung bezüglich Gastfreundschaft, Ehre, Leben und Tod. Teil davon ist auch die Blutrache, ein Prinzip zur Sühnung von Verbrechen. Dabei werden Tötungen oder Ehrverletzungen durch Tötungen gerächt. Schätzungen zufolge müssen sich heute Männer und Knaben aus mehreren Tausend Familien im Norden von Albanien zu Hause versteckt halten, weil sie in Gefahr sind, Opfer der Blutrache zu werden. Betroffene Knaben können die Schule nicht besuchen, Männer nicht arbeiten. Sie warten zu Hause auf den Tod. Mittlerweile versetzen kriminelle Gruppierungen die Bevölkerung oft in Angst, indem sie die Gesetze von Kanun und Blutrache beanspruchen. Die HMK hilft von Blutrache betroffenen Familien durch materielle und medizinische Hilfe sowie Begleitung durch qualifizierte Personen vor Ort.