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Afghanistan: Hoffnungsschimmer im Herzen Asiens

Der öffentliche Raum wird von Männern dominiert.

In Afghanistan haben Christen offiziell keine Daseinsberechtigung. Und trotzdem gibt es sie. Sie leben ihren Glauben im Verborgenen und sind dennoch ein Hoffnungsschimmer für ihre Mitmenschen. Als HMK ermutigen und stärken wir die afghanischen Christen und engagierung uns in medizinischen Belangen.

Offiziell gibt es in Afghanistan keine Christen. In der Verfassung ist der Islam als Religion des Landes verankert. Das Recht auf freie Religionsausübung wird zwar garantiert, dies gilt jedoch nicht für Konvertiten. Eine genaue Zahl christlicher Gläubiger ist deshalb nicht bekannt.  Sie dürfte sich bei wenigen Tausend bewegen. Diese leben ihren Glauben meist zurückgezogen und im Verborgenen – alleine, mit ihren Familien oder in kleinen Gruppen mit anderen Gläubigen. Ein öffentliches Bekenntnis zum christlichen Glauben kann  sie das Leben kosten, zumindest aber Ablehnung und allerlei Schwierigkeiten nach sich ziehen. Auf dem aktuellen Weltverfolgungsindex von Open Doors rangiert Afghanistan auf Platz 5.

 

Leben als Christ in Afghanistan
Im Jahr 2010 strahlte ein afghanischer Fernsehsender private Videoclips und Fotos von Taufen und Gebetstreffen afghanischer Christen aus, die ihm zugestellt worden waren. Dies hatte grosse Aufregung im Land zur Folge, so dass selbst im nationalen Parlament die Todesstrafe für afghanische Christen gefordert wurde. Und dies, obwohl Afghanistan das Recht auf Religionsfreiheit in internationalen Abkommen unterschrieben hat.


Was an Vertrauen und Mut vorsichtigen Bekenntnisses unter den Gläubigen über Jahre gewachsen war, war auf einmal wieder zerstört. Nur sehr langsam hat sich die christliche Untergrundgemeinde seither davon etwas erholt. Der Druck, mit dem Islam konform zu gehen, ist in allen Lebensbereichen nach wie vor enorm gross, sei es in der Familie, bei der Arbeit oder im öffentlichen Leben.


Die Taliban, die seit ihrer Niederlage im Jahr 2001 wieder deutlich erstarkt sind, haben im Oktober 2011 auf einer Internetseite den Christen im Land den Vernichtungskampf angesagt. Das Leben der christlichen Gemeinde findet deshalb ausschliesslich im Verborgenen statt. Im ganzen Land gibt es kein einziges Kirchengebäude, auch nicht für ausländische Christen.

 

Glaube im Verborgenen
Farum* ist Christ und hat eine Leitungsfunktion in einer afghanischen Institution inne. Als wir ihn besuchen, weiss er, dass wir ebenfalls Christen sind. Zusammen will er mit uns in der Bibel lesen, austauschen und beten. Vorsichtig schliesst er die Türe ab, weil er auf alle Fälle verhindern will, dass einer seiner Arbeitskollegen mitbekommt, was er tut. Er holt seine Bibel aus einem Versteck und schon bald erzählt er von seinen Alltagsnöten. Seine Frau wisse nicht, dass er an den Gott der Bibel glaube, und setze ihn unter Druck, weil er die Moschee nicht so oft besuche. Bereits einmal habe sie ihn mit den gemeinsamen Kindern verlassen. Farums Angst ist nun gross, dass sie es wieder tut, wenn er ihr seinen christlichen Glauben bekennt. Trotzdem kann er ab und zu seinen Kindern Geschichten aus der Bibel erzählen. Er macht dies mit viel Vorsicht und braucht viel Weisheit dabei. Im beruflichen Alltag hält er sich zurück und lebt seinen Glauben durch eine dienende Haltung. Farum bittet Sie, für ihn zu beten, damit er in diesem Umfeld stark sein kann und Gottes Schutz täglich neu erleben darf.

Karim findet Jesus

Es gibt viele ermutigende Zeugnisse von Afghaninnen und Afghanen, die zeigen, wie Gott den Menschen begegnet. So geschah es auch Karim*, einem jungen Mann. Er erzählt uns: „Als die Taliban 1996 Kabul einnahmen, habe ich meine Heimat verlassen. Ich lebte mehrere Jahre im Ausland, wo ich eines Tages aus purer Neugier einen Gottesdienst in einer Kirche besuchte. Ich war so berührt von der Freundlichkeit, der Freude und vom Lobpreis, dass ich für mich beten liess. Etwa eine Woche später, als ich begann, in der Bibel zu lesen, wurde ich von meinen Emotionen übermannt und ich spürte, wie mich etwas Dunkles verliess und eine grosse Freude über mich kam.“ Karim war inzwischen wieder in seiner Heimat und hat Freunde gefunden.


*Namen aus Sicherheitsgründen geändert.

 

 

Nach dem Ende der Taliban-Herrschaft im Jahr 2001 wurde die Burka-Pflicht aufgehoben. Trotzdem verlassen auch heute viele Frauen ihr Haus nur mit Burka, vor allem aus Sorge um ihre persönliche Sicherheit und ihren Ruf.

Ermutigung & Gesundheitsversorgung

 

Von den wenigen Christen im Land wissen oft nicht einmal ihre engsten Familienmitglieder, dass sie Christen sind. Es ist schlicht zu gefährlich, dies zu offenbaren. Umso mehr sind diese Nachfolgerinnen und Nachfolger Christi auf Stärkung, Ermutigung, Gemeinschaft und Lehre angewiesen. Ein kleines Netzwerk übernimmt diese Aufgaben, so gut es in diesem schwierigen Umfeld möglich ist.

Ein anderes Tätigkeitsgebiet der HMK ist die Unterstützung in medizinischen Belangen, die aufgrund der rudimentären Gesundheitsversorgung bitter nötig ist. Dadurch erhalten zahlreiche Menschen dringend benötigte ärztliche Untersuchungen und Medikamente, die sie sich sonst nicht leisten könnten. Zudem führen wir Hygiene-Schulungen durch (vor allem bei Frauen), damit bestimmte Krankheiten – gerade auch bei Kindern – gar nicht erst enstehen.

Mit 90 Franken (72 Euro) können durchschnittlich 15 Personen medizinisch untersucht und behandelt werden. Wollen Sie unser Engagement in Afghanistan finanziell unterstützen? Dann dürfen Sie das gerne mit Ihrer Spende tun. Besten Dank.

 

 

Kleines Land – grosse Bedeutung

 

Der indische Dichter Mohammed Iqbal nannte Afghanistan das „Herz Asiens“. Das Land hat auf der globalen Bühne eine enorme Bedeutung und sah unzählige Kriege. Der Kampf gegen die sowjetische Besatzung in den 1980er Jahren führte jedoch zur Gründung verschiedener islamischer Gruppierungen. Deren militante Ausrichtung, gepaart mit ethnischen Spannungen, blieb auch nach dem Sturz der Taliban im Jahr 2001 eine Herausforderung. Die seitherige Präsenz westlicher Militärmächte führt nur zögerlich zu Fortschritten. Im Weiteren ist Afghanistan für ca. 90 Prozent der weltweiten Produktion von Roh-Opium verantwortlich. Aus Roh-Opium wird Heroin gewonnen.