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Ägypten: Zwei Jungen wegen Schändung des Korans verurteilt, aber freigelassen

Wegen einiger schmutziger Papierfetzen gerieten die beiden jungen ins Visier des Anklägers.

Ein Gericht in Ägypten hat in aller Stille zwei koptische Jungen schuldig gesprochen, „Verachtung für den Islam gezeigt zu haben”, aber sie dann der Obhut ihrer Eltern übergeben. Das erklärte der Anwalt eines der Kinder.

mst./Mai 2013 –  In einem Fall angeblicher Blasphemie, der die Gemüter im ländlichen Ägypten erregte, hat ein Richter im 100 km südlich von Kairo gelegenen Beni Suef die beiden zur Tatzeit am 30. September 2012 9- bzw. 10-jährigen Jungen für schuldig befunden, Koranseiten geschändet zu haben. Er tat dies trotz sich widersprechender Aussagen der Ankläger und trotz der begründeten Zweifel, ob die beiden Jungen, praktisch Analphabeten, überhaupt fähig waren, einen Text als Koranverse zu identifizieren, wie Rechtsanwalt Karam Ghoubrial erklärte.

Am selben Tag, an dem das Urteil verkündet wurde, erhoben die Anwälte der Jungen Einspruch und begründeten ihn damit, dass die Aussage des Anklägers vor Gericht den Angaben widersprach, die er gegenüber der Polizei gemacht hatte. Am 24. Februar lehnte das Gericht den Appell als unnötig ab und liess das Urteil bestehen. „Unser Dorf liegt am Bahar Mousa Kanal. Dort gibt es einen Ort, wo die Leute Abfall abladen, und die Kinder gehen gerne dorthin und suchen Nägel oder Metall, um es zu verkaufen”, sagte Nady Rizq, der Vater der Jungen. „Als sie in dem Abfall spielten, kam ein Mann namens Mohammed Ali dazu. Er sah ein paar schmutzige Stücke Papier und dachte, die Jungen hätten den Koran zerrissen und darauf gepinkelt. Aber das haben sie nicht getan.“ Am Abend erstattete Ali Anzeige bei der Ortspolizei und die Kinder wurden noch am selben Tag verhaftet.

Nach der Intervention durch Ghoubrial und Menschenrechtsvertreter wurden die Kinder am 4. Oktober ihren Eltern zurückgegeben, wo sie auf das hängige Verfahren warten sollten. Ghoubrial sagte, die Jungen seien von einem muslimischen Gefängniswärter gut behandelt worden, der die beiden für unschuldig hielt. Beni Suef stand schon einmal im Januar 2013 im Scheinwerferlicht, als ein Strafgericht Nadia Muhammad Ali und ihre sieben Kinder zu 15 Jahren Gefängnis verurteilte, weil sie nach ihrem Wechsel zum Islam zum Christentum zurück konvertierten. Das Verlassen des Islam ist aus der traditionellen Sicht der Scharia, die von den meisten muslimischen Gelehrten hochgehalten wird, mit dem Tod zu bestrafen. Und die Scharia wird in Ägyptens neuer im Referendum vom Dezember 2012 angenommenen Verfassung als Quelle der Rechtsprechung zitiert.