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Ägypten: Schweiz gewährt vier ägyptischen Christen Zuflucht

Die vier in Ägypten zu Haftstrafen verurteilten koptischen Schüler dürfen in der Schweiz Asylanträge stellen. Foto: Am Flughafen in Istanbul. Quelle: Morning Star News

Wegen „Blasphemie“ (Beleidigung des Islams und damit Gotteslästerung) wurden vier ägyptische Teenager in ihrer Heimat zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Sie flohen nach Istanbul, erhielten dort von der Schweizer Vertretung ein humanitäres Einreisevisum für die Schweiz und landeten am 1. September 2016 in Zürich.

watson/mst, November 2016. Mit einem harmlosen Video fing alles an. Es entstand am 14. Februar 2015 und zeigt vier Jugendliche koptischen Hintergrunds beim Herumalbern während eines Schulausflugs. Inzwischen sind sie 17 bzw. 18 Jahre alt. Der eine scheint ein islamisches Gebet zu verrichten, der andere tut so, als würde er ihm die Kehle durchschneiden. Die weiteren Jugendlichen lachen. Ihr Lehrer filmt die Szene mit seinem Telefon. Wie das Video an die Öffentlichkeit gelangte, ist nicht restlos geklärt.

Zu Hause belagert und im Gefängnis misshandelt
Die Geschichte verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Die vier Jugendlichen waren ihres Lebens nicht mehr sicher und mussten sich zu Hause verstecken, während draussen ein muslimischer Mob wütete. Selbst aus Nachbardörfern kamen sie angereist und attackierten jeden Kopten, der ihnen begegnete. „Ich hörte die Leute darüber streiten, wem die Gnade und Ehre zuteilwürde, mich zu töten. Oder ob sie es alle tun sollten und sich die Gnade teilen würden“, so einer der vier Teenager. Von der Polizei wurden sie verhört, geschlagen und anschliessend eingesperrt. Im Gefängnis gingen die Misshandlungen weiter, diesmal durch andere Insassen, angestachelt von den Wärtern.

Fünf Jahre wegen Blasphemie
Zu Prozessbeginn kamen sie gegen eine Kaution von 10‘000 ägyptischen Pfund (umgerechnet 1‘100 Franken) pro Person frei. Zu diesem Zweitpunkt hatten sie über 50 Tage in Haft verbracht. Aus Angst kehrten sie nicht in ihr Dorf zurück, sondern tauchten unter. Unterstützung erfuhren sie kaum, auch nicht von Kopten, weil die sich zu sehr fürchteten. Am 25. Februar 2016 kam das niederschmetternde Urteil: Fünf Jahre Gefängnis wegen Verstoss gegen Artikel 98f des ägyptischen Strafgesetzbuches, das sogenannte Blasphemie-Gesetz. Mit dem Video hätten die vier Teenager den Islam beleidigt.

Flucht über Istanbul in die Schweiz
In Ägypten müssen erstinstanzlich Verurteilte bereits während des Berufungsverfahrens hinter Gitter. Doch bis dieses abgeschlossen ist, können Jahre vergehen. Im April 2016 flohen die vier jungen Kopten in die Türkei. In Istanbul waren sie zunächst in Sicherheit, erlebten allerdings auch dort Diskriminierung wegen ihres christlichen Glaubens. Während sie bei der UNO offiziell um Flüchtlingsstatus baten, beantragten Hilfsorganisationen parallel in mehreren Ländern Einreisevisa, damit sie dort einen ordentlichen Asylantrag stellen könnten.

Von der Schweiz erhielten die vier Ägypter ein humanitäres Einreisevisum, das die Einreise in die Schweiz erlaubt, um dort ein ordentliches Asylgesuch zu stellen. Aufgrund des unsäglichen Unrechts, das ihnen bereits angetan worden war und weiter drohte und wohl auch wegen ihres jugendlichen Alters bewilligte das Staatssekretariat für Migration (SEM) den Antrag der Schweizer Vertretung in Istanbul. Auf Schweizer Seite war die Arbeitsgemeinschaft Religionsfreiheit (AGR) der Schweizerischen Evangelischen Allianz (SEA) federführend. Und so endete am 1. September 2016 die Flucht der vier Jugendlichen mit der Landung in Zürich. Ihre Chancen, als Flüchtlinge anerkannt zu werden, stehen gut. „In Ägypten ist meine Zukunft ruiniert. In der Schweiz bekomme ich eine zweite Chance“, so einer der Teenager.