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Ägypten: Säure wegen Jesus

Der Abfall vom Islam kann äusserst rigoros geahndet werden.

Wenn im Land am Nil eine muslimische Frau zum Glauben an Jesus findet, dann warten oftmals unvorstellbare Schwierigkeiten auf sie. Wir beleuchten dies am Beispiel von Zahra*, geschildert von unserer lokalen Partnerin.

 

hmk./April 2011 – Als ich Zahra als Seelsorgerin im Jahr 2004 kennen lernte, fühlten wir uns auf Anhieb tief verbunden, als wäre sie meine Schwester. Bereits früher hatte sie persönliche und übernatürliche Erfahrungen mit Jesus gemacht und wünschte sich von mir eine Bibel. Nach zwei Jahren bricht der Kontakt unerwartet ab, ich kann sie nicht mehr erreichen. Kurz darauf werde ich selber wieder einmal vom „Sicherheitsdienst“ abgeholt. Sie legen mir Augenbinden an und führen mich in einen Raum. Während dem mehrstündigen Verhör werde ich verprügelt und verhöhnt. Die Beamten würden mich lieber im Exil oder tot sehen, sagen sie mir. Sie spielen mir ein Band ab, auf dem ein Geständnis von Zahra zu hören ist. Doch fühle ich mich nicht verraten von ihr, denn ich weiss, dass sie gefoltert wurde. Die Stimme von Zahra klingt gefasst und ich bin stolz auf meine „Schwester“. Ihre Familie misshandelte sie monatelang und liess sie nicht mehr aus dem Haus. Sie lebte wie eine Gefangene, wie eine Tote in einem Grabhaus, aber bei lebendigem Leib.


Es verstreichen mehrere Jahre ohne jeglichen Kontakt, bis mich Zahra plötzlich vor kurzem wieder telefonisch kontaktiert. Sie bittet um ein Treffen in einer Moschee. Zur Umerziehung schickt die Familie Zahra in die Moschee, damit sie wieder auf den rechten Weg zurückfinde. Bis zur Moschee wird sie von ihrer jüngeren Schwester begleitet. In der Moschee ist Zahra aber alleine und kann sogar kurze Telefonate machen. Dies ist die einzige Gelegenheit für einen Kontakt zur Aussenwelt. Natürlich mache ich mich sofort auf und kleide mich wie sie mit einem Schleier und nehme eine Bibel mit, welche auf den ersten Blick wie ein Koran aussieht. Als wir uns im weitläufigen Gebetsraum der Moschee sehen, jubelt mein Herz zuerst! Doch danach bin ich tief schockiert. Der kleine Augenschlitz in ihrem Schleier gibt den Blick auf nur noch ein Auge frei. Die andere Augenhöhle ist durch vernarbte Gesichtshaut überdeckt.


Weil Zahra zum Glauben an Jesus fand, ist sie eine „Kafar“, eine Abtrünnige. Die Familie wollte darum vom Recht Gebrauch machen, eine so grosse Schande in ihren Reihen aus der Welt zu schaffen. Ein Cousin der Familie versuchte dies, indem er starke Säure über Zahra goss. Doch sie muss ihren Glauben nicht mit dem Leben bezahlen, sondern verliert „nur“ ein Auge. Die grossflächigen, starken Verbrennungen an der Kopfhaut sind inzwischen vernarbt. Neben ihr in der Moschee am Boden sitzend, muss ich meine Gefühle kontrollieren. Wir dürfen auf keinen Fall auffallen. So lesen wir denn mit gefasster Stimme aus der Bibel und beten zusammen. Beim Abschied flüstert mir meine liebe Schwester Zahra ins Ohr: „Nichts kann mich von der Liebe Gottes trennen, die er mir in Jesus Christus geschenkt hat“ (Römer 8, 38+39).


* Namen aus Sicherheitsgründen geändert