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Ägypten: Für Gott im Untergrund

Bolos: „Gott wirkt und viele Muslime finden derzeit in Ägypten zum Glauben an Jesus.” (Symbolbild)

Bolos*, die Menschen in Ägypten haben turbulente Zeiten hinter sich. Wie sieht die Situation für ägyptische Christen aus?
Nachdem die Islamisten im Sommer 2013 vom Militär entmachtet wurden, haben Extremisten zahlreiche Kirchen niedergebrannt und unschuldige Christen umgebracht. Das war schrecklich. Doch viele Christen reagierten nicht mit Hass, sondern schrieben an die Kirchen: „Ihr habt unsere Kirchen niedergebrannt, aber wir lieben euch immer noch.” Das löste Erstaunen aus und führte zu einer grossen Offenheit gegenüber dem Evangelium. Und ja, durch die unsichere politische Situation geniessen wir als Christen mehr Freiheit.

Wie sieht denn der Alltag zwischen Muslimen und Christen in Ägypten aus?
Im alltäglichen Leben kommen wir eigentlich gut miteinander aus. Man arrangiert sich, sei dies am Arbeitsplatz, in der Nachbarschaft, in der Schule oder in der Freizeit. Aber in so einem religiösen Land wie Ägypten spielt der Glaube natürlich eine zentrale Rolle, und das hat vor allem einen Einfluss auf das Privatleben. Als Christ hat man christliche Freunde und als Muslim muslimische.

Für was schlägt Ihr Herz?
Für Muslime, die Jesus als ihren persönlichen Erretter noch nicht kennen. Ich und mein Team arbeiten unter der muslimischen Bevölkerung. Und wir unterstützen ehemalige Muslime, die zum Glauben an Jesus gefunden haben. Wir ermutigen sie, im Glauben vorwärts zu gehen und lehren sie, nach biblischen Werten zu leben.

 

Was bedeutet es für Muslime, wenn sie zum Glauben an Jesus finden?
Einerseits sind sie voller Freude und haben eine grosse Liebe für ihre Mitmenschen, andererseits sind sie als „Abgefallene vom Islam” in Lebensgefahr, und viele von ihnen leben deshalb ihren Glauben im Geheimen. Trotzdem sind sie durch die Liebe, mit der sie ihren Verwandten und Bekannten begegnen, ein Zeugnis für Jesus. Dadurch durften schon ganze Familien zum Glauben an den lebendigen Gott finden. Ich und mein Team betreuen zurzeit rund 100 solche Menschen.

 

Das ist aber gefährlich.
Ja, es ist ein risikoreicher Dienst und wir haben nicht diese Glaubensfreiheit, wie sie die Menschen in Europa haben. Wir arbeiten im Untergrund, weil es in Ägypten gefährlich ist, Muslimen von Jesus zu erzählen. Nicht nur seitens der Regierung droht Gefahr, sondern es ist – wie schon erwähnt – gesellschaftlich ein „No-Go”, das heisst, dass es das aus islamischer Sicht nicht geben darf.

 

Wie sieht Ihre Arbeit konkret aus?
Unser Team besteht aus 120 Personen, davon 30 Festangestellte. Wir sind organisiert in 20 Gruppen an zehn verschiedenen Orten.
Menschen, die frisch zum Glauben an Jesus gefunden haben, wollen die Liebe Jesu, die sie erfahren haben, ihren Mitmenschen weitergeben. Dabei unterstützen wir sie, indem wir sie schulen und vernetzen. Oder wir helfen ihnen beim Aufbau ihres eigenen Unternehmens, zum Beispiel ein Taxi-Unternehmen, damit sie über die Runden kommen und finanziell selbständig sind.
Wir machen auch medizinische Einsätze, wodurch materiell arme Menschen kostenlos eine ärztliche Untersuchung und dringend benötigte Medikamente erhalten. Wir begegnen den Menschen mit der Liebe Gottes und viele von ihnen sagen: „Wow, ihr macht einen wunderbaren Job. Seid willkommen.”

 

Erzählen Sie uns ein konkretes Beispiel!
Ein Imam, der Christen hasst, sieht im Bus einen Mann, der in der Bibel liest. Der Imam wird wütend und schreit den Mann an: „Wie kannst du hier sitzen bleiben, während dein Meister stehen muss!” Und der Mann mit der Bibel steht auf und antwortet demütig und voller Liebe: „Es tut mir so leid, bitte setz dich.” Diese Reaktion auf seine Provokation entfacht ein Feuer im Herzen des Imams und er fragt sich, wie dieser schlechte Christ so etwas sagen kann. Er als Muslim sollte doch ein guter Mensch sein und nicht dieser Christ.
Nach drei schlaflosen Nächten geht der Imam zu einer Kirche und bittet dort einen Pastor, ihm mehr vom christlichen Glauben und von Jesus zu erzählen. So findet er zum Glauben an Jesus, und mit ihm seine ganze Familie.

 

Wie gehen Sie bei heiklen Situationen vor?
Wir versuchen, so weise wie möglich zu sein. Bei uns steht stets die Freundschaft im Vordergrund, nicht Diskussionen und Argumente. Unsere muslimischen Mitmenschen sehen, wie wir handeln. Sie werden offen, stellen Fragen und wir erzählen ihnen von der Liebe Gottes.

 

Aber jetzt im Ernst, denken Sie nicht, dass die Sicherheitsdienste wissen, was Sie machen?
Ganz sicher wissen sie einiges. Sie beobachten uns und fragen auch viele Menschen über mich und mein Team aus. Ich gehe davon aus, dass sie auch meine Telefongespräche abhören und vielleicht auch meine E-Mails lesen. Viele Jahre habe ich darauf gewartet, dass sie mich verhaften, aber bis jetzt ist das nicht geschehen. Ich gehorche Gott und vertraue dabei auf Ihn.

 

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Ich wünsche mir, dass in Ägypten Tausende, ja Millionen von Muslimen zum lebendigen Glauben an Jesus finden und dort wo sie leben, ihren Glauben bezeugen. Gott ruft bereits jetzt viele Muslime in Seine Nachfolge und ich wünsche mir, dass sie ihre Familie und Freunde erreichen und sie sich regelmässig zum Gebet treffen, dass die Hauskirchen weiter wachsen und sich multiplizieren. Gottes Reich wird hier in Ägypten gebaut, und das ermutigt uns ägyptische Christen enorm.


*Name aus Sicherheitsgründen geändert.

 

 

Unterstützen Sie die Arbeit von Bolos

Bolos und sein Team führen regelmässig medizinische Kampagnen durch. Mittellose Menschen erhalten kostenlos eine ärztliche Untersuchung und dringend benötigte Medikamente.

Medizinische Kampagne

Haben Sie ein Herz für kranke Menschen in Ägypten?
Mit 50 Franken (40 Euro) ermöglichen Sie es einem qualifizierten Arzt, dass er während einem Tag ca. 50 bedürftige Menschen untersuchen und medizinisch behandeln kann.

Arbeit schaffen, Armut bekämpfen
Helfen Sie bei der Anschaffung von einem Taxi?
Um ein Taxi beschaffen zu können, sind währen drei Jahren jede Woche 95 Franken (76 Euro) nötig. Mit einem Taxi kann ein Nachfolger von Jesus aus islamischem Hintergrund ein Einkommen finden.

Schulung & Sensibilisierung
Wollen Sie ägyptische Christen für den Dienst an Muslimen zurüsten?
Die ägyptischen Partner der HMK bilden Christen aus, damit diese Menschen aus islamischem Hintergrund die Gute Nachricht auf verständliche und angebrachte Weise verkünden und sie jüngerschaftlich begleiten. Mit 150 Franken (120 Euro) decken Sie einer Person die Gesamtkosten für eine 2-monatige Schulung ab.

Renovationen von zerstörten Wohnungen
Möchten Sie dazu beitragen, dass das Zuhause einer christlichen Familie renoviert wird?
Viele Christen haben während der islamistisch motivierten Gewalt alles verloren. Mit 250 Franken (200 Euro) können fünf Räume einer Wohnung saniert und frisch gestrichen werden, welche durch Feuer zerstört wurden.