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Ägypten: Das aufregende Leben von Kadisha

Unter Schleier und Burka verbergen sich oft viele Verletzungen und Enttäuschungen. Symbolbild: © HMK

Kadisha* wuchs in einer traditionellen ägyptischen Familie auf. Als sie sich entschloss, Jesus Christus nachzufolgen, hatte dies unabsehbare Folgen für sie. Heute ist sie ein Segen für andere in ihrem Land.

hmk./Februar 2012 – „Jesus, du bist mein Herr und Retter. Ich gebe dir mein Leben, und ich weiss, dass du dein Leben für mich gegeben hast.” So betete ich 1992 und seitdem hat sich mein Leben total verändert: Ich erlebe Wunder, aber auch viel Verfolgung von allen Seiten: von meiner Familie, Freunden, Nachbarn und vor allem vom Staatssicherheitsdienst. Die Verfolgung nimmt zu, weil ich anderen Menschen diene. Doch es ist für mich ein Privileg, dem lebendigen Gott dienen zu dürfen.


Aber lassen Sie mich von vorne beginnen. Ich wurde in eine typische ägyptische Familie hineingeboren. Mein Vater war sehr konservativ, geprägt durch seine Herkunft aus einem Dorf mit strengen und engen Regeln. Er lehrte mich die Gebete und zu seinem Stolz konnte ich als 7-Jährige schon den ganzen Ramadan hindurch fasten – 30 Tage lang. Er berief sich auf eine Hadith (überlieferter Ausspruch Mohammeds), wo Mohammed sagt: „Lehrt eure Söhne zu fasten, bis sie sieben sind, und züchtigt sie, bis sie zehn Jahre alt sind“.

Mein erster Eindruck von Allah

Mein Vater nahm das sehr genau. Wenn eine von uns – wir sind fünf Schwestern – nicht fastete oder der Religion irgendwie nicht folgte, bestrafte er uns und wir durften auch nicht mit der Familie essen. Das beruhte ebenfalls auf einer Hadith und mein Vater befolgte diese Aussprüche Mohammeds sehr genau. Ich fragte mich: Warum sagte Mohammed so etwas und baute Barrieren in unserer Familie auf? Mein Vater muss darunter gelitten haben, aber er wollte Allah gefallen und seinen Segen haben. Es war schwierig für mich, Allah zu verstehen: Warum scheint ihm das Freude zu machen, was mich Tag für Tag quält?

Jesus ist irgendwie anders

In der neunten Klasse hatte ich eine christliche Klassenkameradin. Ich wollte gerne einmal in ihrem christlichen Schulbuch lesen, und ich las da zu meiner Überraschung: „Und Jesus ging durch die Städte und erwies allen Menschen Barmherzigkeit“. Als ich heimkam, bat ich meinen Vater, mir eine Bibel zu kaufen. Ich hätte gelesen, dass Jesus allen Menschen so freundlich begegnet sei. Ich war überhaupt nicht auf die Reaktion meines Vaters vorbereitet. Er schlug mich und verprügelte mich ohne jegliches Erbarmen. Danach erklärte er mir in wenigen Worten, dass dieses Buch viele Lügen über Gott enthalte und böse Dinge lehre.


Eine Woche später nahmen wir im Islam-Unterricht die Ehen Mohammeds durch. Uns wurde erklärt, Mohammed habe so viele Frauen geheiratet, weil sie arm und einsam waren. Da fragte ich die Lehrerin: “Warum konnte Mohammed ihnen denn nicht helfen, ohne sie zu heiraten? So ist er doch ein Polygamist geworden?“ Da schlug mich die Lehrerin und beschimpfte mich als Ungläubige. Diese beiden Vorfälle liessen mich Mohammed, der jede Frau heiratete, die er wollte, mit Jesus vergleichen. Jesus, der einfach alle barmherzig behandelte.

Der Wendepunkt
Als ich in die zwölfte Klasse kam, liessen sich meine Eltern scheiden. Das war der Wendepunkt in meinem Leben. Ich war das älteste Mädchen und von nun an verantwortlich für die anderen vier Schwestern. Weil ich mich um sie kümmern musste, konnte ich nicht studieren und haderte mit Gott: „Warum ich?“

Glücklich darf sich schätzen, wer als Mädchen eine umfassende Ausbildung erhält. Foto: © HMK


Ich arbeitete als Sekretärin in einem kleinen Anwaltsbüro in unserer Stadt. Weil der Anwalt Christ war, gab mir mein Vater zuerst nicht die Erlaubnis dazu, weil eine Hadith sagt: „Kein Ungläubiger soll über einen Moslem befehlen.“ Aber schliesslich durfte ich die Stelle antreten. Als ich anfing, meinem Chef Fragen zu seinen muslimischen Klienten zu stellen, warum er alles akzeptierte, was sie sagten, antwortete er mir: „Sie haben ihre Religion und ich habe meine. Kein Wort mehr darüber, oder Sie sind gekündigt.“ Das war in den frühen 90er-Jahren, als es viele Terroranschläge in Ägypten gab.

Schockiert über den Koran
Als ich den Koran las, bemerkte ich, wie viele blutrünstige Verse er enthält und wie Allah im Koran die Menschen in Schrecken versetzt. Dass er die Muslime mag und die anderen verachtet. Mir fiel auf, wie oft er sich in den eigenen Versen widersprach. Dann studierte ich die Stellung der Frau im Islam. Der Koran sagt, sie sei gegenüber dem Mann minderwertig in Bezug auf Verstand und Glauben. Der Mann darf mehrere Frauen heiraten und wenn er sich von einer scheiden will, braucht er nur zu ihr zu sagen: „Ich scheide mich von dir. Du bist ab jetzt nicht mehr meine Frau.“ Ich las weiter, was geschieht, wenn die Frau ihrem Mann nicht gehorcht: Allah und die Engel verfluchen sie und sie kommt in die Hölle. Der Islam sagt, die Frau dürfe das Haus ihres Vaters nur für drei Reisen verlassen: Um in das Haus ihres Ehemanns zu ziehen, wenn sie tot ist (Friedhof) oder für die Pilgerfahrt nach Mekka. Auch im Paradies wird es ihr nicht besser gehen, falls sie überhaupt dahin kommt. Sie muss ihrem Mann sexuell zur Verfügung stehen – und wird dabei nicht die Einzige sein. Mein Fazit war, dass dieses Gottesbild im Islam das Produkt männlicher Phantasie ist. Da brach meine Welt zusammen.

Mein Erlöser
Dann las ich die Bibel. Ich las und fand den guten und barmherzigen Jesus, der die Kranken heilte, der Sünderin vergab und seine Feinde liebte und segnete. Und der das immer noch tut! Ich spürte, wie mich Jesus warm in seinen Armen hielt wie ein Baby und wie die schwere Last der vergangenen Jahre abfiel. Zum ersten Mal in meinem Leben fühlte ich mich richtig als Frau, als ein geliebter Mensch und nicht nur als ein Ding, das man benutzt. Ich bin ein Ebenbild Gottes! Ich weinte wie jemand, der dem Tod und der Hölle entronnen war. An dem Tag sagte ich zu Jesus: „Du bist mein Herr und Erlöser. Ich gebe Dir mein Leben!“


*Name aus Sicherheitsgründen geändert.