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Ägypten: Bombenexplosion vor Kirche in Alexandria

Die Trauer ist sehr gross angesichts der vielen Toten und Verletzten.

Mindestens 21 Menschen wurden getötet und Dutzende verwundet, als am 1. Januar 2011 vor einer Kirche in Alexandria eine Bombe explodierte, während die Gläubigen nach einer Jahresabschlussmesse die Kirche verliessen. Vor dem Eingang zu der koptischen Kirche sah man überall Blut und abgetrennte Körperteile, Tote und Verwundete. Mindestens ein Auto landete durch die Wucht der Explosion auf dem Dach und etliche fingen Feuer. Überall in der Strasse, an der die Kirche liegt, gingen Fenster zu Bruch.

dic./März 2011 – Die ägyptischen Behörden erklärten, 20 der Todesopfer seien identifiziert. Mindestens 90 Verletzte habe man gezählt, davon seien zehn schwer verletzt. Unter den Verletzten seien acht Moslems. Viele der Verletzten wurden im St. Markus Spital behandelt. Am 2. Januar wurden dann die ersten Opfer beerdigt.


Zeugen sagten aus, ein Fahrer habe sein Auto vor dem Eingang zur Kirche geparkt und sei dann, Sekunden bevor es explodierte, davongerannt. Von Regierungsseite her wird aber erklärt, dass man am Tatort Reste der Bombe gefunden habe, die mit Nägeln und anderem Material gefüllt gewesen sei. Sie verdächtigen einen nicht identifizierten Selbstmordattentäter als Verursacher und nicht eine Autobombe.
 
Internationale Mudschaheddin
Niemand hat bis jetzt die Verantwortung für das Attentat übernommen. Zwei Monate hatte jedoch eine islamische Gruppe unter dem Namen „Islamic State of Iraq“ (ISI) eine Drohung veröffentlicht, in der erklärt wird: „Alle christlichen Zentren, Organisationen und Institutionen, Leiter und Gefolgsleute sind legitime Ziele für die Mudschaheddin, wo immer sie diese erreichen können.“ Des Weiteren verkündete die Gruppe, sie würde unter den Christen „Ströme von Blut“ eröffnen, und sie drohte ganz besonders ägyptischen Christen, weil ein unbegründetes Gerücht umging, dass zwei koptische Frauen – beides Ehefrauen von orthodoxen Geistlichen – sich zum Islam bekehrt hätten und nun gegen ihren Willen fest gehalten würden. Diese Erklärung kam zwei Tage nachdem der ISI die Verantwortung für den Überfall auf eine Kirche in Bagdad während einer Messe übernommen hatte, bei dem 58 Menschen getötet wurden.


Die ägyptische Regierung verdächtigt weiterhin ausländische Elemente als Urheber des Attentats in Alexandria, aber eine unbestätigte Meldung der Associated Press, die anonyme Regierungsquellen zitiert, besagt, dass die Polizei Nachforschungen bei einer ägyptischen islamischen Gruppierung anstelle.
Bischof Mouneer Anis, das Haupt der Anglikanischen Kirche in Ägypten, sagte in einer schriftlichen Erklärung, er glaube, der Angriff sei verknüpft mit den irakischen Drohungen. Er sagte weiter, seine Kirche habe erweiterte Sicherheitsmassnahmen für ihre Gebäude in Kairo getroffen. „Wir beten mit allen Menschen in Ägypten, Christen und Muslimen, dass sie sich vereint gegen diese neue Welle von religiösem Fanatismus und Terrorismus stellen“, meinte er.

Ein grosser Teil der ägyptischen Kopten lebt in den Slums der Grossstädte. Hohe Positionen in Staat und Wirtschaft sind ihnen meist verwehrt.

 

Bevor der ISI seine Drohungen veröffentlicht hatte, war Alexandria wochenlang der Schauplatz massiver Proteste gegen die orthodoxe Kirche und ihr geistliches Oberhaupt, Papst Shenouda III. Immer nach dem Freitagsgebet strömten Moslems auf die die Moscheen umgebenden Strassen und skandierten Slogans gegen die Kirche und verlangten die „Rückgabe“ der beiden Frauen. Bereits vorher, seit Juni, konnte man Kleriker von mindestens einer Zentralmoschee in Alexandria hören, wie sie über die Minarett-Lautsprecher Hasstiraden gegen die Christen verbreiteten und die Moslems anwiesen, sich völlig von ihren christlichen Landsleuten abzutrennen.


Die Bombenexplosion in Alexandria kommt fast aufs Jahr genau nach einem Überfall auf Christen im 455 km südlich von Kairo gelegenen Nag Hammadi. Damals wurden sechs Christen und ein muslimischer Sicherheitsbeamter erschossen, als am koptischen Weihnachtsfest, am 6. Januar 2010, eine Gruppe Männer im Vorbeifahren in die Menge der Gottesdienstbesucher hineinschoss, die gerade nach dem Gottesdienst die St. Johanneskirche verliess. Es wurden zwar in der Folge drei Männer als Schützen beschuldigt, aber der Fall ist immer noch nicht geklärt. Ägypten ist jedoch nicht das einzige Land im Nahen und Mittleren Osten, das über die Feiertage Gewalt gegen Christen gesehen hat.


Am Tag vor der Bombe in Alexandria wurde in Bagdad ein altes christliches Ehepaar getötet. Terroristen hatten eine Bombe vor seine Haustür gelegt, geklingelt und sich dann entfernt, wie Medien und Menschenrechtsorganisationen berichten. Zur gleichen Zeit wurden auch noch weitere Wohnungen und Wohngebiete von Christen in ganz Bagdad angegriffen. Man schätzt, dass dabei zwischen neun und mehr als 13 Menschen verletzt wurden.