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Ägypten: Blasphemie-Verfahren gegen Christen in Alexandria eingestellt

Dattel-Säckchen mit dem Hinweis auf die Liebe Gottes führten zur Verhaftung und Anklage dreier Christen.

mst. / Mai 2016 - Ein Gerichtsverfahren gegen drei Christen in Alexandria wurde eingestellt. Sie waren im Juli 2015 der Blasphemie beschuldigt und daraufhin verhaftet worden.

Den Christen drohte eine Verurteilung wegen öffentlicher „Verachtung einer himmlischen Religion”. Der Generalstaatsanwalt von Alexandria, Saeed Abd Al-Mohseen, stellte den Fall am 2. Februar 2016 wegen Mangels an Beweisen ein, erklärte Hamdi Al-Assuity, der Anwalt der drei Christen gegenüber Morning Star News.

Hinweis auf die Liebe Gottes

Während des Fastenmonats Ramadan wurde der 16-jährige Oberschüler Fawzy Osama Ibrahim am 11. Juli 2015 verhaftet, weil er auf den Strassen der ägyptischen Hafenstadt Alexandria Dattel-Säckchen mit dem Hinweis auf die Liebe Gottes verteilte. Datteln werden von vielen Muslimen gegessen, wenn die tägliche Fastenzeit beendet wird. Stein des Anstosses war der folgende Hinweis: „Der Herr weiss alles, denn Er ist der Allwissende. Alles, was dich bedrückt und zur Erschöpfung bringt, kann Er auf Seinen Schultern tragen und dir Trost und Freude spenden, denn Er hat dich so sehr lieb.“

Ein Muslim nahm Anstoss
Dabei vermerkt war auch der Name einer arabischen Website über Jesus und den christlichen Glauben. Diese Aktion erregte bei einem Salafi-Muslim Anstoss, der den 16-Jährigen mit Gewalt festhielt und auf eine Polizeiwache brachte (HMK berichtete in der verfolgt-Ausgabe Oktober 2015).

Später am Abend rief der auf dem Polizeiposten festgehaltene Oberschüler Ibrahim einen 21-jährigen Kollegen an, Stephen Boutros Fayed. Fayed ging mit einem anderen Kollegen, dem 20-jährige Shady Saeed, am nächsten Tag zur Polizeiwache. Prompt wurden auch sie verhaftet. Obgleich es keinerlei Hinweis darauf gab, dass die Drei zusammen Datteln verteilt hatten, behielt die Polizei alle Drei in Haft. Am 13. Juli 2015 wurden die drei Christen gegen eine Kaution von 10‘000 Ägyptische Pfund (USD 1‘280) auf freien Fuss gesetzt und sollten auf weitere Ermittlungen durch die Staatsanwaltschaft warten.

Blasphemie-Fälle sind angestiegen
Seit Amtsantritt von Präsident Abd al-Fattah as-Sisi im Jahre 2014 sind die Anklagen wegen Blasphemie (Gotteslästerung) angestiegen, wie die Ägyptische Initiative für Personenrechte (Egyptian Initiative for Personal Rights EIPR) meldet. Der Artikel 98F des ägyptischen Strafrechts ist streng genommen zwar kein Blasphemie-Gesetz, verbietet aber Handlungen, die Verachtung oder Geringschätzung gegenüber „einer der himmlischen Religionen“ zeigen. Die Blasphemie-Fälle betreffen unverhältnismässig häufig Christen, aber auch andere religiöse Minderheiten. Der Rechtsanwalt Hamdi Al-Assuity meinte dazu: „In Ägypten gibt es keinen politischen Willen, die Verfassungsartikel, welche die Meinungs- und Glaubensfreiheit garantieren, auf korrekte Weise in die Praxis umzusetzen. Laut diesen Artikeln ist nämlich Artikel 98F des ägyptischen Strafgesetzbuches nicht mehr verfassungskonform.“