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Ägypten: Blasphemie-Prozesse gegen Christen häufen sich

Koptische Kirche in Ägypten. Die Leidtragenden von Blasphemie-Gesetzen sind oft religiöse Minderheiten.

idea./August 2013 –Im überwiegend muslimischen Ägypten ist die Zahl der Anklagen und Prozesse wegen angeblicher Gotteslästerung (Blasphemie) sprunghaft gestiegen. Wie die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) berichtet, gab es unter dem von 1981 bis 2011 regierenden Diktator Hosni Mubarak pro Jahr im Schnitt ein bis zwei Blasphemie-Prozesse. Seit die Muslimbrüder an der Macht sind, sei dies zu einem Machtmittel geworden, so die IGFM. Inzwischen seien mindestens sieben Todesurteile wegen Beleidigung des Islam bekannt geworden.

Ein Beispiel ist der Blasphemie-Prozess gegen die christliche Grundschullehrerin Demiana Ebeid Abdelnour vom 4. Juni 2013. Die 24-jährige Koptin wurde von drei Grundschülern in Luxor beschuldigt, im Unterricht über die Geschichte der Weltreligionen den Islam und den Propheten Mohammed beleidigt zu haben. Die Pädagogin wurde laut IGFM suspendiert und musste sich zunächst vor drei Untersuchungsausschüssen verantworten. Obwohl die Ausschüsse sie freisprachen, läuft das Verfahren weiter.

Die IGFM plädiert für die Abschaffung von Blasphemie-Gesetzen. Opfer seien vor allem religiöse Minderheiten, besonders Christen. Im Land am Nil bilden die schätzungsweise zehn Millionen orthodoxen Kopten die grösste Kirche. Hinzu kommen etwa 200'000 Katholiken, 40'000 Griechisch-Orthodoxe und 30'000 Protestanten. Der Rest, also fast 90 Prozent der rund 83 Millionen Einwohner, sind Muslime.