Startseite > Projekte > Projektländer > Ägypten: 15 Jahre Gefängnis wegen Übertritt zum Christentum

Ägypten: 15 Jahre Gefängnis wegen Übertritt zum Christentum

Wer in Ägypten den Islam verlässt, muss mit mehreren Jahren Gefängnis rechnen.

igfm./April 2013 –  In der oberägyptischen Stadt Biba im Departement Beni Suef wurde im Januar 2013 eine achtköpfige Familie zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt, weil sie vom Islam zum Christentum konvertiert ist. Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) kritisierte das Urteil als „eklatanten Bruch völkerrechtlich bindender Menschenrechtsverträge“. Verträge müssten eingehalten werden, betonte IGFM-Vorstandssprecher Martin Lessenthin, „auch dann, wenn sie mit archaischen Auslegungen des islamischen Rechts kollidieren.“

Ursprünglich Christin
Nadia Mohamed Ali, Mutter von sieben Kindern, war nach Informationen der IGFM ursprünglich Christin und konvertierte vor 23 Jahren zum Islam. Als sie sich nach dem Tod ihres 1991 verstorbenen Ehemannes entschloss, wieder zum Christentum zurückzukehren, halfen ihr von 2004 bis 2006 sieben Beamte, die Namen und Religionszugehörigkeit der gesamten Familie in den Dokumenten (Geburtsurkunden, ID-Karten) zu ändern. Nach Angaben des arabischen Nachrichtenportals „moheet“ wurden diese sieben Beamten ebenfalls zu einer fünfjährigen Freiheitsstrafe verurteilt.

„De facto kein Recht auf Religionsfreiheit“
Nach Angaben der IGFM seien in Ägypten de facto alle Religionen ausser Islam, Christentum und Judentum verboten, ebenso Religionslosigkeit. Durch die Anfeindungen von Islamisten sei die früher grosse und bedeutende jüdische Gemeinde in Ägypten praktisch erloschen. Die alteingesessene Minderheit der Bahai sei ganz offiziell verboten und insbesondere Konvertiten vom Islam zum Christentum müssten mit Verhaftungen, Misshandlungen und sogar mit ihrer Ermordung rechnen, so die IGFM.