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Madagaskar – „Wir verteilen den Armen Nahrungsmittel“

hmk./April 2020 - Wir hoffen, dass Sie gesund sind in dieser weltweiten Pandemie, und wir beten, dass Gott sich unser aller erbarmt und der Menschen, um die wir uns kümmern.

 

Madagaskar erklärte zum ersten Mal offiziell, dieses Virus zu haben, als am 20. März unser Präsident dies über unser nationales TV verkündete. Die ganze Nation ergriff Panik und die Menschen fingen an, sich Gedanken zu machen, was zu tun sei, als sie in den Nachrichten die Folgen davon in China und einigen der westlichen Staaten wie Italien, Frankreich und Spanien sahen. Wir fühlten uns so kraftlos angesichts dieses gigantischen Feindes. Wir haben aber stets die Möglichkeit, uns zum Urheber unseres Glaubens zu wenden und zu Demjenigen, der unsere Ängste und Sorgen versteht

 

Für viele unmöglich, Vorräte anzuhäufen

Diejenigen, die mehr Glück haben und Geld auf ihrem Bankkonto, fingen an, Vorräte für ihre Familien zu besorgen. Leider lebt aber der Grossteil der Bevölkerung in so grosser Armut, dass es ihr unmöglich ist, Vorsorge zu treffen. Die meisten Menschen leben von der Hand in den Mund. Als unser Präsident dann am Abend des 22. März für Antananarivo und Tamatave einen teilweisen Lockdown für 15 Tage verkündete, löste das eine weitere Panik aus. Die meisten Läden erhöhten ihre Preise auf Grundnahrungsmittel, und plötzlich war es schwierig, Reis zu finden, der das Hauptnahrungsmittel ist. Man forderte die Menschen auf, zu ihrem Schutz zuhause zu bleiben, aber weil die meisten in grösster Armut leben, kann man schwerlich zuhause bleiben, wenn man sieht, wie die Kinder hungrig sind! Man hat die Leute auch aufgefordert, sich so oft wie möglich die Hände zu waschen. Aber nur wenige haben fliessendes Wasser zuhause und der Rest muss das Wasser an der öffentlichen Pumpe oder vom Feld holen.

Foto: © HMK

Eltern überfordert

Zuhause zu bleiben bedeutet für die Mehrheit nicht etwa Luxus, denn die meisten armen Familien, für die wir sorgen, haben nur ein oder zwei kleine Räume im Haus. Das Social Distancing/Abstand halten kann man einfach nicht anwenden, obgleich man sich der Gefahr bewusst ist. Die Schulen sind geschlossen, und es ist äusserst schwierig für die Eltern, besonders die armen, Aktivitäten für die Kinder zu finden. Die Eltern wurden aufgefordert, ihre Kinder beim Lernen zu unterstützen, aber wie sollten sie das können, wo sie selbst Analphabeten sind? So sieht die traurige und bittere Realität aus, der wir uns gegenübersehen.

 

Diese Pandemie hat das Leben vieler beeinflusst, und leider bleibt auch unser Dienst nicht davon verschont. Dreimal wöchentlich sind Kinder zu uns ins Zentrum gekommen, um zu essen, zu spielen usw. Und wir haben ihr Essen für die restlichen zwei Tage in der Schulkantine bezahlt. Leider musste das wegen des Versammlungsstopps aufhören. Wir pflegten auch auf regelmässiger Basis Hausbesuche zu machen, um mit Eltern zu reden und herauszufinden, wie man sie ermutigen könnte, und was man verbessern könnte, und zu hören, was ihre Kinder für Fortschritte machten. Aber das ist jetzt unmöglich, weil uns per Gesetz nicht erlaubt wird, hinauszugehen und uns zu mehreren zu versammeln.

 

Projekte zur Eigenständigkeit verschoben

Wir hatten gerade damit begonnen, für die Familien Projekte zur Eigenständigkeit zu implementieren, aber wir müssen jetzt damit bis zum Ende der Pandemie warten. Da wissen wir nun nicht, wann und wie das sein wird. Am 21. März hatten wir für eine Familie ein junges Schwein gekauft, damit sie dessen Ferkel grossziehen und verkaufen könnten. Sie haben schon ein paar Kaninchen. Aber jetzt machen wir uns schon Sorgen, wo sie das Futter für die armen Ferkel herbekommen sollen, wo doch jeder zuhause bleiben soll. Eine andere Familie hatte damit begonnen, Kekse zu backen, kurz bevor das Virus kam, und wir hoffen, dass sie es weiter tun können!

 

Nahrungsmittelverteilung

Wir planen, jeder Familie (es sind vier) einen Sack mit 50 Kilogramm Reis zu geben und einiges Nötiges, wie Zucker, Salz, Öl zum Kochen, Seife und Eier. Vorige Woche haben wir versucht, Reis zu finden mit der Hilfe eines Freundes, der ein Auto hat. Es gibt ja weder öffentlichen Verkehr noch Taxis. Sie dürfen nicht mehr arbeiten. Wir danken Gott für unseren Freund, der uns helfen konnte, die Reissäcke und die Vorräte zu den Familien zu bringen. Sonst wäre das sehr schwierig geworden! Preis sei Gott, dass Er uns so geholfen hat!

Foto: © HMK

Als wir bei den Familien mit den Vorräten ankamen, kamen mir die Tränen, als die eine Mutter sagte, wie gut Gott zu ihnen sei. Sie seien so hilflos gewesen und hätten sich Sorgen um die Kinder gemacht, weil sie nicht wussten, wo man Reis bekommen könnte, und zudem gar kein Geld hatten, ihn zu bezahlen. Als wir bei einer anderen Familie ankamen, sahen wir, wie die Kinder sich Hände und Füsse in einer grossen Waschschüssel mit dem wenigen Wasser wuschen, das sie hatten. Sie sagten, sie hätten Angst vor dem Virus. Das traf uns sehr! Sie waren Gott und uns so dankbar.

Foto: © HMK

Als nächstes planen wir nun, sie wöchentlich mit Gemüse und Trockenbohnen zu versorgen, damit ihr Essen gesichert ist. Was wir noch tun können, ist, für sie zu beten und die Kinder dazu zu ermutigen, ihre Lektionen zu wiederholen, solange sie zuhause sind. Wir fordern auch die Eltern dazu auf, dafür zu sorgen, dass die Kinder weiter zu Hause lernen, auch wenn es nur das Wiederholen von alten Lektionen ist.

 

Vielen Dank für Ihre Liebe und die Unterstützung. Wir danken Gott dafür. Mit Ihnen in Seinem Dienst.

 

Naina und die Kinder

Naina ist lokale Projektpartnern der HMK in Madagaskar.