Startseite > Projekte > Aktuelles > Präsent vor Ort > COVID-19 lehrt uns eine neue Sicht auf Verfolgung

COVID-19 lehrt uns eine neue Sicht auf Verfolgung

juli 2020 - „Leidet ein Teil des Körpers, so leiden alle anderen mit, und wird ein Teil geehrt, freuen sich auch alle anderen.“ (1. Korinther 12,26)

 

Liebe Leserin, lieber Leser

 

Ein Virus hat sich innert kurzer Zeit in der ganzen Welt verbreitet, Millionen von Menschen infiziert und einigen Hunderttausend das Leben gekostet. Die Massnahmen zur Eindämmung des Coronavirus wären noch vor kurzem unvorstellbar gewesen. Das Virus ist uns sehr nahegekommen. Einige von uns wurden vielleicht persönlich damit infiziert oder kennen jemanden. Das Virus hat einschneidende Auswirkungen auf unseren Alltag, und es hat damit für uns ein Gesicht bekommen. Im Gegensatz zu vielen anderen humanitären Tragödien auf dieser Welt. Sie haben weder unmittelbare Auswirkungen auf unseren Alltag noch kennen wir irgendeinen Betroffenen persönlich. Diese humanitären Tragödien und die damit verbundenen Zahlen von Toten und Notleidenden bleiben für uns deshalb Statistiken. Die Betroffenen bleiben für uns ohne Gesicht. Bis zu dem Zeitpunkt, wo uns die Angst packt, dass auch wir zu diesen Zahlen gerechnet werden könnten. Vielleicht ist das der Grund, weswegen wir das Coronavirus „persönlich“ nehmen und wir so besorgt und ängstlich bezüglich seiner Ausbreitung sind. 

 

„Nicht diskriminierend”

Dieses Virus ist „nicht diskriminierend”. Es hat auch entwickelte Länder wie die USA, Grossbritannien, Italien und Spanien heimgesucht. Es ist ganz anders als die Tuberkulose oder die Kindersterblichkeit von unter 5-Jährigen, die vor allem die Armen treffen, die auf den „anderen“ Kontinenten leben. Daher muss auch die Lösung für COVID-19 ebenso eine nicht diskriminierende sein. Wenn die Armen keinen Zugang zu medizinischer Versorgung bekommen, wird die Krankheit auf die Reichen und Privilegierten zurückschwappen. Die ganze Welt muss jetzt zusammenstehen, um dieses Virus zu besiegen.

Was Einheit bedeutet
Die oben zitierten Worte des Apostels Paulus könnten für uns heute eine weitere Bedeutung haben. Wenn nun aufgrund des Coronavirus die Welt aufgefordert wird, ein Zusammengehörigkeitsgefühl zu pflegen, dass man zu einer einzigen Menschheit gehört, um wieviel mehr sollten sich die Christen darauf besinnen und ausrichten, dass sie im Leib Christi eins sind. Das Coronavirus kann uns lehren, die Statistiken über Verfolgung auf empathischere Weise zu betrachten. Nämlich genauso, wie wir auf die COVID-19 Pandemie reagieren - in der Erkenntnis, dass sich unsere eigene (Un)Sicherheit in diesen Zahlen widerspiegelt.

Vishal Arora,
Journalist in Indien, schreibt über Religionsfreiheit; publiziert in der Washington Post, World Politics Review, The Indian Express und anderen Medien.