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Leidenschaft entzündet Herzen

Der Telefonanruf aus Thun im November 1969 brachte alles ins Rollen. Es war Hans Kunz, langjähriger Verantwortlicher für die Öffentlichkeitsarbeit der HMK. Er sprach von einer wichtigen Gründungsversammlung einer neuen Missionsarbeit in Zürich. Ob ich mitkommen möchte. Zwar hatte ich keine grosse Ahnung, um was es gehen sollte, aber interessant klang es schon: Märtyrer, Verfolgung und so. So sassen wir zwei kurz darauf mitten in einer recht turbulenten Gründungsversammlung. Eine gross angelegte Vortragsreihe soll es geben für den eben nach Europa zurückgekommenen rumänischen Pfarrer Richard Wurmbrand. Darum brauche es einen Verein. Vorstandsmitglieder wurden nominiert. Acht meldeten sich. Neun sollten es sein. Wen könnte man noch ins Komitee wählen? Ein Missionsfreund aus Zürich, der mich gut kannte, plädierte für ein junges Mitglied im neuen Vorstand. Seine Argumente überzeugten offenbar die Anwesenden und ich wurde als neuntes und jüngstes Vorstandsmitglied gewählt. So begann ein langes, leidenschaftliches Abenteuer…


Eine Stimme der Verfolgten
Kurz darauf ging es los. Nach einigen Vorbereitungssitzungen kam der erste Vortrag in der Züspa Halle in Zürich. Zum Glück wurden gleich zwei Hallen gemietet. Tausende kamen. Alle wollten diesen Märtyrer-Pfarrer se-hen und hören. Richard Wurmbrand predigte leidenschaftlich. Wir alle waren tief erschüttert. In diesen ersten Vorträgen in der Schweiz wurde uns als Vorstand so richtig bewusst, wie wichtig unsere junge Mission werden sollte: Wir müssen eine leidenschaftliche Stimme der Märtyrer sein, eine Stimme der Verfolgten und Gefolterten in kommunistischen Gefängnissen! Zugleich sollen die Christen auf der anderen Seite des Eisernen Vorhangs Hoffnung schöpfen können, dass sie nicht mehr Vergessene sind. So entstand innerhalb kürzester Zeit ein dichtes Gebetsnetz von leidenschaftlichen Beterinnen und Betern.

 

Aufgebrachte Besucher und fliegende Stühle

In den 1970er Jahren wurde es so richtig heiss. Angriffe kamen von allen Seiten: Von der Politik, von der Presse, von der Kirche und auch von innen. In Basel zum Beispiel wurde der HMK Vortrag zum Ziel einer links-autonomen Gruppe. Sie hatte es auf den leidenschaftlichen Prediger abgesehen und versuchte, ihn niederzuschreien. Stühle flogen. Aufgebrachte Besucher und Chaoten kämpften gegeneinander. Leidenschaftlich. Die Dauerangriffe von allen Seiten forderten ihren Preis. Der Vorstand verdünnte sich. Präsidenten gingen und kamen. In jenen Jahren spürte ich etwas von dem, was Paulus seinem Freund Timotheus schrieb (2. Timotheus 3,12, siehe oben). Ja, es brauchte eine Portion Mut, dazu zu gehören, gegen den Strom des damaligen linken Mainstreams zu schwimmen.


Gottes Reich wird gebaut
Das war die HMK, damals eine leidenschaftliche Vorreiterin, die Gute Botschaft und materielle Hilfe dorthin zu bringen, wo sonst niemand hinging, um Hoffnung zu wecken und Reich Gottes in unwirtlichster Umgebung zu bauen. Und so hat sie sich in den fünf Jahrzehnten weiterentwickelt. Der Wirkungskreis wurde von Jahr zu Jahr erweitert, der Fokus neu justiert. Eines blieb und wurde zum Markenzeichen: Hoffnungsvoll unterwegs, die Hilfe kommt an, Gottes Reich wird gebaut. Leidenschaftlich.

Gerhard Zaugg, HMK Präsident 1987 – 2016