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23.03.2018

Syrien – Update Afrin: Vertrieben und obdachlos

 

Danke für alle Gebete und alle eingegangenen Spenden aufgrund unseres Aufrufs vom 1. Februar 2018 (unten). Wir sind dankbar, dass alle uns bekannten 300 Christen in der Nacht von Freitag auf Samstag (16./17. März 2018) – kurz vor Einnahme durch die syrisch-arabischen Islamisten und türkischen Truppen – unversehrt aus Afrin flüchten konnten. Mit dabei hatten sie nur, was sie am Leibe tragen konnten. Die von der Türkei unterstützten islamistischen Rebellen, darunter viele Al-Qaida nahestehende, haben nun die Kontrolle über die Stadt und Region Afrin übernommen.

 

Die lokalen Gemeindeleiter und Projektpartner der HMK versorgen die Vertriebenen und versuchen fortlaufend, die notwendigen Hilfsgüter und Zelte zu beschaffen. Foto: © HMK

Gemeinderäume geplündert, verwüstet und mit Sprengfallen versehen

Die mit den geflohenen Christen befreundeten muslimischen Nachbarn, die zurzeit noch in Afrin verharren, berichten, dass die islamistischen Verbündeten der Türkei die christlichen Gemeinderäume in Afrin geplündert, verwüstet und mit Sprengfallen versehen haben und nach „Murtaddin“ – „vom Islam Abgefallenen“ suchen. Die wenigen nicht geflohenen Nachbarn haben die Christen eindeutig gewarnt, jetzt keinesfalls zurückzukehren, weil es für sie lebensgefährlich wäre.

 

Ausharren entlang der Frontlinie

Inzwischen lagern die Christen und alle Flüchtlinge in Gebieten der Frontlinie zum syrischen Regime-Gebiet, auf dem Feld oder in völlig überfüllten Dörfern. Sie haben alles verloren. Die Assad-Truppen lassen sie nicht in die von der Regierung kontrollierten Gebiete und die ansässige Bevölkerung ist völlig überfordert. Einige der geflohenen jungen Männer wurden gegen ihren Willen in die Assad-Armee eingezogen, und all dies geschah nach Wochen täglicher Bombardierungen durch die türkische Luftwaffe.

Beten Sie weiter und unterstützen Sie unsere Nothilfe!

  • Beten Sie, dass diese entwurzelten Flüchtlinge Hilfe und eine sichere Bleibe finden, wo sie leben können. Die türkischen Ankündigungen, die militärische Kampagne gegen kurdische Gebiete weiter in Richtung Osten voranzutreiben, verursacht auch grosse Unsicherheit unter den Christen. Dieser Vormarsch würde die Flüchtlingsströme weiter vergrössern, wurden diese kurdischen Gebiete in den letzten Jahren doch zum Zufluchtsort unzähliger Binnenflüchtlinge und vor allem auch der Minderheiten!
  • Beten Sie, dass die Vertriebenen mit dem Lebensnotwendigen (Nahrungsmittel, Trinkwasser, medizinische Behandlungen, Obdach) versorgt werden können und eine neue Existenzgrundlage erhalten: Ein Zuhause und Schulbildung für die Kinder.

Türkische Militärintervention zerstört Schutzgebiet Afrin

Gleich mehrere Dörfer mit christlichen Gemeinden wurden zu Beginn des Türkei-Feldzugs im Januar 2018 bombardiert, was eine Fluchtbewegung in die Hauptstadt Afrin auslöste. Dort nahmen die Christen ihre Glaubensgeschwister in ihren Gemeinderäumlichkeiten und Häusern auf. Doch die Bombardierungen nahmen täglich zu und es gab entgegen der türkischen Verlautbarungen leider auch viele zivile Opfer. Schulen und Krankenhäuser wurden beschossen sowie wertvolle Kulturgüter (z.B. der 3000 Jahre alte hetitische Tempel Tell Ain Dara) absichtlich zerstört.

 

Bis zuletzt fanden in Afrin Gottesdienste statt. Schliesslich gab es keine Hoffnung mehr, dass die Stadt gehalten werden konnte, weil die Angreifer die Elektrizität und die Wasserversorgung komplett gekappt hatten. Daraufhin liessen die kurdischen Offiziellen die Zivilisten fliehen, um ein grösseres Blutbad zu verhindern. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde den meisten Zivilisten eine Ausreise aus Afrin verwehrt. Über Lautsprecher informierten zuletzt die kurdischen YPG-Truppen, dass sie sich zurückziehen würde und jeder frei sei, die Stadt zu verlassen. Aus Angst vor den islamistischen Rebellen und aufgrund der historischen Erfahrungen der Armenier und Kurden mit der Türkei, verliessen daraufhin weit über 100'000 Personen, darunter Christen, Jesiden, Armenier und Kurden, Afrin.

 

Die internationale Gemeinschaft und vor allem Europa kann kein Interesse an einer Ausweitung des Konfliktes haben und sollte deshalb in aller Schärfe für einen Stopp der Aggression öffentlich und diplomatisch einstehen.


Helfen Sie!

PC 80-4309-4
3608 Thun

HMK Hilfe für Mensch und Kirche

 

Online-Spenden

 

Spendenzweck:
„Nothilfe Afrin”

Nothilfe Afrin

Mit CHF 80.– (€ 65.–)

unterstützen Sie eine Familie einen Monat lang mit Nahrungsmitteln.

 

Mit CHF 110.– (€ 90.–)

ermöglichen Sie einer Flüchtlingsfamilie ein Nothilfepaket (Seife, Hygieneartikel, Kleidung und weitere Güter des täglichen Bedarfs).

Projektgebiete Syrien/Irak

Über einheimische Partner leistet die HMK in Syrien und im Irak Nothilfe (markierte Gebiete). Regelmässig erhalten in Syrien mehr als 21‘000 und im Irak 22'000 Inlandflüchtlinge Essenspakete, medizinische Betreuung, Kleidung und Zuflucht.

Hoffnungsnetz

Die HMK ist innerhalb vom „Hoffnungsnetz” – eine Kooperation christlicher Werke – verantwortlich für die Flüchtlingshilfe in Syrien/Irak. Das Hoffnungsnetz wird tätig bei Katastrophen und hilft Menschen in Notsituationen. Für den Einsatz der Mittel gibt es keine geographischen, ethnischen oder religiösen Einschränkungen.

01.02.2018

Syrien – Notruf der syrischen Christen in Afrin: „Unsere Häuser stehen unter Beschuss“

 

„Im Namen der Kirche in unserer Provinz Afrin rufe ich die internationale Staatengemeinschaft und die christliche Kirche weltweit auf: Bitte, schützen Sie uns Christen in Afrin! Lassen Sie uns jetzt nicht allein! Wir benötigen dringend internationalen Schutz. Unsere Häuser stehen in diesem Moment unter schwerem Beschuss der türkischen Armee und auch die von der Türkei unterstützten radikal-islamischen Gruppen bedrohen unmittelbar unsere Heimat. Ihr Ziel ist es, unsere Gebiete zu erobern und uns zu vertreiben. Wir haben Angst. Bitte, setzen Sie sich dafür ein und beten Sie, dass die türkischen Bombardierungen aufhören!“

 

Kirchenleiter in Afrin, Syrien – Ende Januar 2018

 

 

Gemeinsam zeigen wir der bedrohten Kirche in Afrin: Wir lassen euch jetzt nicht alleine! Foto: © HMK

Drei Arten, wie Sie heute helfen können:

  • Beten Sie um Schutz für die Christen in Afrin und darum, dass die türkische Militärintervention stoppt.
  • Mobilisieren Sie Ihr Umfeld, Ihre Kirchgemeinde und die politischen Verantwortlichen bis hin zu unserer Landesregierung. Die kriegsführende Partei muss mit Nachdruck zum Stillstand ihrer Angriffe und zur Einhaltung des Völkerrechts aufgefordert werden!
  • Tragen Sie mit uns die Lasten der Menschen in Not! Mit Ihrer Sonderspende ermöglichen Sie die unmittelbare Notversorgung (Lebensmittel, Babynahrung, Notfallutensilien etc.) der direktbetroffenen und isolierten Bevölkerung und insbesondere der Christen in Afrin.

 

Im Namen unserer lokalen Projektpartner und der notleidenden Menschen in Nordsyrien danken wir Ihnen aufrichtig dafür, dass Sie im Rahmen Ihrer Möglichkeiten auf diesen dringenden Sonderaufruf reagieren. Gemeinsam zeigen wir der bedrohten Kirche in Afrin: Wir lassen euch jetzt nicht alleine!

Türkische Militärintervention zerstört Schutzgebiet Afrin

Seit Jahren unterstützen wir als HMK in der nordwestlichen syrischen Provinz Afrin mehrere hundert Familien und weitere notleidende Menschen, die unter desolaten humanitären Verhältnissen leben. Die kurdischen Regionalbehörden boten den bedrängten Minderheiten der syrischen Jesiden, Armeniern und Christen im geschützten, aber verarmten Bergland Afrins bislang Zuflucht vor der Verfolgung durch radikal-islamischen Gruppierungen aus der benachbarten Provinz Idlib. Die militärische Intervention der Türkei gegen das kurdische Afrin zerstört nun genau dieses Schutzgebiet und nimmt damit eine humanitäre Katastrophe in der ansässigen Zivilbevölkerung in Kauf.